Lea und Melanie Butz sind Patinnen einer Zimtrose auf dem Wildrosenpfad. Zwei kleine gehäkelte Schutzengel – die "Zimtinen" – passen auf die Pflanze auf. Foto: Raab

Zu einem Spaziergang auf dem Margrethausener Wildrosenpfad hatte der Nabu Albstadt eingeladen – und viele Albstädter Naturfreunde nahmen die Einladung an.

Albstadt-Margrethausen - Der Naturschutzbund (Nabu) hat den Wildrosen- und Feldgehölzepfades unter Heubelstein 2021 mit finanzieller Hilfe aus dem Regioprojektfonds der Albstadtwerke angelegt; der von Hans Raab und Mathias Stauß geführte Spaziergang war, wie Raab freimütig bekannte, als "Werbeveranstaltung" gedacht – allerdings keine, bei der den Teilnehmern trickreich etwas angedreht werden sollte – es sei denn wertvolle Anregungen für die Gestaltung des eigenen Garten oder auch der Terrasse. So tat es dem Nutzwert der Unternehmung keinen Abbruch, dass die Pflanzen noch ziemlich klein waren und die Rosen erst einige Blütenansätze zeigten.

Aus Edelrosen lässt sich kein Nektar saugen

Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass die Insektenzahlen dramatisch zurückgehen – und dass es gegenzusteuern gilt: Jedermann, so Raab, könne dazu einen Beitrag leisten, indem er im eigenen Garten geeignete Lebensräume für Insekten und auch Vögel, Eidechsen oder Kleinsäuger schaffe. Dabei müsse ein Garten keineswegs in eine Wildnis verwandelt werden; schon kleinere Maßnahmen seien hilfreich. Ein Beispiel: Im ersten von insgesamt sieben "Werbeblöcken" ging es um Rosen, genauer: um Wildrosen, von denen Wildbienen und andere Insekten viel mehr hätten als von den gefüllten Edelrosen. Bei Wildrosen seien Pollen und Nektar frei zugänglich, außerdem bildeten sie Hagebutten aus, die ein wichtiger Bestandteil des Wintervorrats von Vögeln seien. Warum also nicht mal eine Samt-, Apfel-, Pimpernell- oder Hundsrose pflanzen – zumal sie viel pflegeleichter sind als manche kapriziöse Schönheit.

Ähnliches, so Raab, gelte für die einheimischen Feldgehölze, von denen etwa 40 längs des Pfades zu finden sind. Drei Nahrungsquellen seien wichtig: die Blüten als Pollen- und Nektarlieferanten, die Früchte, die vielen Tiere Nahrung gäben, und nicht zuletzt die Blätter, auf denen sich Insekten und Käfer niederließen, ihre Eier ablegten oder einfach nur fressen könnten. Gewiss, für ein großwüchsiges Gehölz reiche der Platz im Hausgarten oft nicht aus, doch ein Weißdorn könne durch Schnitt klein gehalten werden. Und warum nicht anstelle der Frühlingsbotin Forsythie, die von keinerlei Nutzen für die Tierwelt sei, auch mal eine Kornelkirsche anpflanzen – oder Pfaffenhütchen, Haselnuss, Holunder oder Schwarzdorn.

Ein halber Quadratmeter Sand genügt schon

Danach war das Sandarium an der Reihe – mit Sandbeet, Totholz, Steinriegel und den "Werbeblöcken" drei und vier: 70 Prozent aller Wildbienenarten, erfuhren die Spaziergänger, graben oder bohren sich ihre Bruthöhlen selbst in Sand, Lehm, zwischen Steinen oder in Totholz, entsprechend bedeutsam seien solche Lebensräume für die Artenvielfalt. Sie müssten gar nicht riesengroß sein; der Gehölzpfad beweise das Gegenteil: Es genüge, auf einem halben oder ganzen Quadratmeter Terrain eine spatentiefe Grube zu graben und die mit ungewaschenem Sand aufzufüllen. Dazu eine Steinumrandung, darüber etwas Holz als Unterschlupf für Wildbienen, Käfer oder Eidechsen und daneben einige dickere Äste oder ein aufrecht stehender Baumklotz – und schon sei der Fauna und dem ästhetischen Bedürfnis gleichermaßen geholfen. Liegendes und stehendes Holz? Bitte beides, bat Hans Raab – es gebe Insektenarten, die partout nur ihre spezifische "Nische" bewohnen könnten.

Nicht jedes Bienenhotel ist auch bewohnbar

"Wildbienenhotels" gibt es längs des Pfades noch nicht; doch wurden auch sie "beworben". Alfred Naumann hatte drei schöne Exemplare zur Verfügung gestellt – und dazu noch ein weniger geeignetes. Die teilweise nicht gerade billigen Nistbienenhilfen, die in zahlreichen Märkten angeboten würden, sind laut Raab fast zu 100 Prozent wertlos. Füllmaterialien wie Fichtenzapfen, Moos, Heu, Holzhäcksel oder Rinde lockten mitnichten Wild an, Weichholz komme nicht in Frage, und die Bruthöhlen dürften auch nicht ins Hirnholz gebohrt werden. Schilf, Bambus und Harthölzer, das seien geeignete Kandidaten.

Natternkopf und Salbei – und ein Blick ins Internet

Ein wohnliches Domizil ist wichtig – Nahrung ebenfalls. Nicht jede Pflanze, die blühe, sei auch eine Bienenweide, warnte Raab und empfahl Alliumarten, den Natternkopf und Salbei – oder alternativ einen Blick auf die einschlägigen Internetseiten. Nichts gegen einen schönen Rasen – aber sei es nicht möglich, einen Randstreifen auch mal sich selbst zu überlassen und nur zwei- oder dreimal im Jahr zu mähen? Die richtigen Pflanzen siedelten sich ganz von selbst an.

Letzter und wichtigster Punkt der "Werbereise": die Einbeziehung der Kinder. Vor allem sie möchte Hans Raab für den Artenschutz sensibilisieren. Der Wermutstropfen am Ende des Spaziergangs: Er hätte am Brünnele enden sollen; der bewirtende Albverein hatte die geplante Hockete jedoch in den Klosterhof verlegt. Trotzdem fand sich dort noch so mancher Reiseteilnehmer ein, um über Naturschutz zu fachsimpeln.