Aus einem gewissen Blickwinkel ähnelt das Hechinger Rathaus einem Dornröschenschloss hinter dichtem Geranke. Ließe sich hier als Übergangslösung ein Biotop anpflanzen? Foto: Klaus Stopper /Stopper

Einst wollte die Immobilienfirma EJL neben dem Hechinger Rathaus ein Hotel bauen. Daraus wurde nichts, zurück blieb eine von Gestrüpp bewucherte Wildnis. Es stellt sich die Frage: Ließe sich hier der ein Traum vom blühenden Hechingen realisieren?

Wie bei Dornröschen könnte auch diese Geschichte mit „Es war einmal“ beginnen. Damit, wie einst die etwas baufällige Ratsapotheke abgerissen wurde um Platz zu machen für ein EJL-Immobilienprojekt, das bis zur Rabenstraße hinunter reichen sollte. Erst war von Wohnungen, Rolltreppen zum Marktplatz hoch und Geschäften die Rede, dann von einem Hotel. Archäologen gruben das Gelände neben dem Juz um. Es gab Streit zwischen Immobilienfirma und Stadt.

 

Kaum jemand nimmt an, dass sich angesichts der aktuellen Lage bald ein Investor findet, der das steile Gelände mit eher schwieriger Verkehrsanbindung bebauen will. Die Brache von offenbar schlechter Bodenqualität dürfte wohl noch einige Zeit Heimat für Unkraut und Gesträuch bleiben.

In der Staig haben sich unterdessen vielfältigste Pflanzenarten bereits angesiedelt. Foto: Klaus Stopper /Stopper

Eine spontane Idee: Könnte hier mit relativ geringem Aufwand nicht zumindest ein hübscher aussehendes Biotop entstehen? Die Reaktion von Hans-Martin Weisshap, Pflanzenexperte der Hechinger Nabu-Gruppe, auf die entsprechende Nachfrage unserer Redaktion ist zunächst überrascht, dann aber durchaus positiv: Für so ein Vorhaben wäre die Fläche gar nicht schlecht geeignet, findet er.

Asiatischer Riesenknöterich breitet sich weiter aus

Der Experte stellt aber auch klar: „Einfach nur Samen ausstreuen, das würde hier wenig bringen“. Eine Blumenwiese wachse nicht von alleine. Aber er kann sich vorstellen, dass mit durchaus überschaubarem Aufwand die Fläche mit Pflanzen besiedelt werden könnte, die mitten im Asphalt der Kernstadt Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel werden könnte. Hübscher aussehen als der aktuelle Zustand würde das dann ohnehin.

„Man müsste sich natürlich genauer überlegen, was geeignet ist, aber da gibt es bestimmt gute Lösungen“, meint er. Selbst wenn das Gelände dann in wenigen Jahren doch bebaut werde, sei es diesen geringen Aufwand wert. Das gelte übrigens auch für den Platz neben dem Juz und unten an der Rabenstraße, die aktuell auch nicht gerade als Augenweide gelten.

Der asiatische Knöterich unterhalb des Firstgeländes dürfte in Hechingen auf wenig Gegenliebe stoßen. Foto: Klaus Stopper/Stopper

Bremsen lässt sich die wilde Natur in Hechingen offenbar nicht mehr: Unterhalb des First-Parkplatzes breitet sich der asiatische Riesenknöterich aus. Eine eingewanderte Pflanzenart, die kaum mehr ausrottbar ist, da sie bis zu sechs Meter tief wurzelt. Der Betriebshof müsste hier über einige Jahre hinweg sehr häufig mähen und das Mähgut so entsorgen, dass nicht noch mehr Samen verstreut wird.

Es gibt Hinweise auf hohen Nährstoffgehalt im Boden

Zu einem Biotop mit wesentlich größerer Vielfalt hat sich ohne menschliches Zutun die Staig entwickelt. Der Nabu-Vorsitzende Gerd Rominger hat hier schon einen über zwei Meter hohen Holunder zwischen Pflaster und Hauswand eines Leerstands sprießen sehen. Aber was Hans-Martin Weisshap auf Grundlage von Fotos unserer Redaktion erkannte, ist eine geradezu spektakuläre Vielfalt: Gemeine Esche, Schwarzer Holunder, dann etwas, was entweder eine gemeine Pestwurz oder ein großer Huflattich ist. Das würde auf hohen Nährstoffgehalt im Boden hinweisen. Natürlich gebe es viel Löwenzahn, dazu “Ruderal-Arten“, die er nur auf Grundlage der Fotos nicht genau bestimmen kann.

Des weiteren ein Gewächs, das Weisshap als Kompass-Lattich einschätzt, außerdem Breitwegerich und Weidenröschen. Größere Kaliber könnten die kleinen Schößlinge von Weiden und Hartriegel werden – wenn man sie lässt.