Wildfleisch liegt zurzeit im Trend, auch in Villingen-Schwenningen steigt das Interesse. (Symbolbild) Foto: © Piotr Krzeslak – stock.adobe.com

Im Interview mit dem stellvertretenden Forstamtsleiter zeigt sich: Wildfleisch ist so beliebt wie nie, aus der Ruhe bringen lässt man sich beim Forstamt VS deswegen trotzdem nicht.

Obwohl immer mehr Menschen zu Wildfleisch greifen, bleibe die Zahl der geschossenen Tiere konstant, erklärt Roland Brauner, stellvertretender Leiter des Forstamtes in Villingen-Schwenningen, auf Anfrage unserer Redaktion.

 

Zwischen 350 bis 400 Rehe werden jährlich geschossen, bei Wildschweinen seien es etwa 50 bis 80 Tiere pro Jahr, so Brauner.

Dass die Zahl der geschossenen Tiere konstant bleibt, hänge laut Brauner mit dem Wunsch zusammen, die Umwelt zu schützen. Das Gleichgewicht müsse erhalten werden, so dass keine Schäden entstehen oder Bestände gefährdet werden. Selbst bei einem Nachfrageboom, wie er aktuell zu beobachten sei, ändere sich die Herangehensweise nicht. Es kann vorkommen, dass trotz weiterhin bestehender Nachfrage kein Wild zum Verkauf verfügbar sei. „Es ist eben nur so viel da, wie da ist“, meint Brauner im Zuge dessen.

Doch woher kommt die steigende Nachfrage nach Wildfleisch? Laut Brauner spiele vor allem das Vertrauen eine große Rolle. Die Menschen wüssten, woher das Wildfleisch komme und wie es verarbeitet wurde. Das Wild, das es bei der Metzgerei Fritz – ihrer Anlaufstelle in Eisenbach – gebe, würde in „Reinform“ verkauft werden. Damit ist gemeint, dass das Fleisch frei von künstlichen Zusätzen verkauft wird. Ausnahmen gebe es immer, jedoch sei der Großteil der Produkte frei von gespritzten Mitteln, die sonst oft in anderen Fleischarten vertreten seien.

Wild zu jeder Zeit

Das Konsumverhalten habe sich laut dem stellvertretenden Forstamtsleiter ebenso verändert und sei ein weiterer Grund für die gestiegene Nachfrage nach Wildfleisch. „Früher gab es für die Menschen Wild nur zu Weihnachten, mittlerweile landet es das ganze Jahr über auf dem Teller.“

Die Menschen achten heutzutage stärker darauf, was sie essen, erklärt Brauner. Viele wollen von Produkten aus der Massentierhaltung wegkommen und steigen auf frisches Fleisch – wie beispielsweise Wild aus der Region – um. Da diese Herangehensweise mittlerweile von vielen Menschen verfolgt werde, sei es zurzeit keine Seltenheit, dass die Nachfrage das Angebot übersteige, so der stellvertretende Forstamtsleiter.

Verstrahlte Tiere

Auch Wildschweinfleisch ist bei der Metzgerei Fritz in Eisenbach erhältlich. Doch circa zehn Prozent der Schweine, die geschossen werden, seien aufgrund zu hoher Radioaktivität nicht zum Verkauf geeignet. Dass manche Vierbeiner Strahlung ausgesetzt waren, weiß auch Brauner. Ihm zufolge gebe es für Jäger allerdings eine Entschädigung, sollte eines der Wildschweine den maximalen Becquerel-Wert von 600 überschreiten.

Doch warum sind die Wildschweine davon betroffen? Ein Grund hierfür sei immer noch das Unglück von Tschernobyl, durch das viele Tiere mit giftigen Stoffen belastet wurden, die damals durch die Reaktorexplosion freigesetzt wurden. Dann müssten jedoch alle Tiere gleichermaßen davon betroffen sein, und nicht nur die Wildschweine.

Brauner erklärt, dass die Vierbeiner gerne sogenannte Hirschtrüffel essen. Diese unterirdischen Pilze übertragen wiederum das radioaktive Cäsium. Deshalb sind hauptsächlich die Wildschweine von der Verstrahlung betroffen und müssen untersucht werden.

Aussichten für die Zukunft

Wie die Zukunft rund um das zurzeit steigende Interesse an Wildfleisch aussieht, könne und wolle Roland Brauner nicht vorhersagen. Es gebe zurzeit einen Markt und er sehe keinen Grund, wieso das nicht so bleiben sollte. Doch ob die Nachfrage noch weiter steigen würde, sei unsicher.

Er führt jedoch an, dass immer mehr junge Personen und ebenso viele Frauen sich dem Beruf des Jägers widmen würden. Dieser Trend wäre in den letzten Jahren nicht zu sehen gewesen und spreche für ein gestiegenes Interesse am Jagen.

Reaktorunglück Tschernobyl

Nuklearkatastrophe 1986
Die Naturkatastrophe ereignete sich am 26. April 1986 um 1.23 Uhr Ortszeit. Im Reaktorblock vier des Kernkraftwerkes Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat kam es zu einer vollständigen Kernschmelzung. Dabei wurden erhebliche Mengen an radioaktiven Stoffen freigesetzt, diese Luftströmungen verteilten sich über weite Teile Europas.