Im Wald, auf dem Feld, in der Stadt: Überall schlagen Müllsünder zu. Ob Absperrungen helfen würden? Nein, sagt Calws Oberbürgermeister. Und gegen den aktuellen „Trend“ schon gar nicht.
Die Müll-Situation im Kreis Calw eskaliert seit Jahren. Die Situation des „wilden Mülls“ wohlgemerkt, also jenes Abfalls, der illegal in Wald und Flur entsorgt wird.
Das erklärte Christian Gmeiner, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Kreis Calw (AWG), im Sommer vergangenen Jahres im Gespräch mit unserer Redaktion. In Zahlen ausgedrückt: Bis etwa 2020, vor der Corona-Zeit, seien pro Jahr rund 80 Tonnen „wilder Müll“ eingesammelt worden. Inzwischen liege dieser Wert bei 200 Tonnen. Tendenz steigend.
Wege mit Schranken oder Felsbrocken sperren?
Auch die Stadt Calw bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. So sprach etwa Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats von der zunehmenden Vermüllung des Waldes. Und fragte, ob es nicht möglich sei, manche Wege schlicht mit Schranken oder Felsbrocken abzusperren, um die Lage zu verbessern.
Eine Idee, die nicht von ungefähr kommt. Viele Jahre lang war etwa der Parkplatz an der Kreisstraße zwischen Stammheim und Gechingen regelrecht als Müllkippe missbraucht worden. Vor gut vier Jahren sperrte die Stadt Calw die Zufahrt zu diesem Platz dann unter anderem mit großen Steinen ab.
Mutmaßlich, weil dort nun niemand mehr einfach parken und kurz den Müll „abladen“ kann, erledigte sich das Problem an dieser Stelle im Grunde. Das berichtete die AWG in der Folgezeit immer wieder auf Anfrage.
Einfach überall abzusperren, wo häufig Müll hinterlassen wird, hatte die AWG jedoch bereits Mitte des Jahres 2022 weitgehend ausgeschlossen. Einerseits könnten etwa Parkplätze, die als solche offiziell ausgewiesen sind und benötigt werden, nicht einfach abgesperrt werden – da sie somit ihren Zweck nicht mehr erfüllen könnten. Andererseits sei andernorts zu beobachten gewesen, dass der Müll einfach vor den Absperrungen lande.
„Ich kann nicht über alles reden, was man machen kann“
„Wir können natürlich nicht alle Straßen zumachen“, meinte entsprechend auch Calws Oberbürgermeister Florian Kling auf Hettwers Anfrage vor einigen Tagen. Allein schon deshalb, weil es schlicht zu viele seien.
Das bedeute aber nicht, dass die Stadt nichts gegen Müllsünder unternehme. „Ich kann nicht über alles reden, was man machen kann“, erklärte Kling dazu. Sonst würde er es den Tätern zu leicht machen. Besonders schön sei es aber, wenn die Verantwortlichen Dinge im Müll hinterließen, durch die sie identifizierbar seien. Immer wieder kam auch das in der Vergangenheit vor.
Generell seien bestimmte Trends zu beobachten, wann wo besonders viel Müll lande, meinte der Oberbürgermeister. Zum Beispiel wenn irgendwo Deponien geschlossen würden oder die Abfallgebühren stiegen.
Großes Sorgenkind in Sachen Müll sei derzeit die Textilindustrie. Weil sogenannte „Fast Fashion“ – billigst produzierte Kleidung – Hochkonjunktur hat, werden viele Kleidungsstücke nur kurz getragen und dann entsorgt. Und was schon beim ersten Einkauf nur wenige Euro kostete, lässt sich Second Hand kaum noch für Geld an den Mann bringen. Vom Zustand solch gespendeter Kleidung ganz zu schweigen. Immer mehr gewerbliche Altkleidersammler stiegen entsprechend aus dem Geschäft aus und bauten ihre Sammelcontainer ab.
Zurück bleiben einige wenige Container, die dadurch überfüllt sind. Die Folge: Die Standorte sind oft völlig vermüllt. Neben Säcken voll Kleidung stapeln sich nicht selten auch Rest- oder Sperrmüll – bis hin zu Schlachtabfällen, die sogar in den Containern landen.
In Calw kam es unter anderem bei den Containern „Im Feldle“ in den Calwer Kimmichwiesen regelmäßig zum Müll-Chaos. Dort seien die Container aus diesem Grund mittlerweile auch abgebaut, berichtete Kling.