Das Mittagessen ist fertig. Bereit zum Abholen. Der "Wilde Mann" bietet während des "Lockdown" Essen "To Go" an. Foto: Hölsch

Freude und Ärger. Hähnchentag ein Schmankerl. Hilfe vom Staat alles andere als schnell. Perspektive fehlt.

Das Gasthaus Wilder Mann in Bösingen sieht während der Corona-Pandemie zwei Seiten. Einerseits ein enormer Zusammenhalt in der Gemeinde, andererseits ein gewisses Trauerspiel mit Blick auf Hilfe von oben, vom Staat.

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Bösingen - Die Hände in den Schoß zu legen, ist nicht die Art von Günter und Annette Müller. Für die Wirtsleute war während des "Lockdown" klar, dass sie etwas tun wollen. Deshalb wurde gleich in der ersten Novemberwoche der "To  go-Service" reaktiviert, der bereits im Frühjahr seine guten Dienste getan hatte.

An drei Tagen in der Woche bietet ihn der "Wilde Mann" an. Vier Gerichte stehen zur Auswahl, diese Essen, aber auch eine individuelle Zusammenstellung der verschiedenen "Bausteine", können bestellt werden. Das Abholen werde dann zeitlich so getaktet, dass es konform mit den Corona-Regelungen gehe, so Müller. In der Regel kommen die Gäste im Fünf-Minuten-Abstand ans Fenster.

Hähnchentag ein Schmankerl

Über Gäste, nicht nur aus Bösingen und Herrenzimmern, sondern ebenso aus dem näheren Umkreis, aus Villingendorf, Seedorf, Epfendorf, Dunningen, freuen sich die Müllers. "Wir sind zufrieden", sagen sie, "wir haben Arbeit." Vom Zuspruch sind die Müllers angenehm überrascht. Sie freuen sich über ihre Gäste, auch, dass sie etliche neue gewonnen haben.

Als Schmankerl in Corona-Zeiten gilt der Hähnchentag, jeden zweiten Samstag. Früher seien Hähnchen im "Wilder Mann" sogar Tradition gewesen, erzählen sie.

Außerdem haben Günter und Annette Müller vor der Tür einen Kühlschrank und eine kleine Kasse aufgestellt. So seien sie jeden Tag beschäftigt. Dieses Selbstbedienungsangebot werde ebenfalls gut angenommen. Der Appell an die Ehrlichkeit verhallt dabei nicht. Im Gegenteil. Es werde regelmäßig frische Ware angeboten. Wie auch vor der Pandemie setzt der "Wilde Mann" auf Regionalität und kurze Wege. So werden zum Beispiel Eier und das Fleisch aus Bösingen und Mehl aus Herrenzimmern bezogen.

Hilfe vom Staat alles andere als schnell

Einfach ist die Zeit während der Pandemie natürlich nicht. Rechnungen, Ausgaben und Verpflichtungen, so zum Beispiel dem Finanzamt gegenüber, bleiben. Traurig: Die Wirtsleute fühlen sich vom Staat im Stich gelassen. So hätten sie erst vor wenigen Tagen eine Abschlagszahlung der Novemberhilfe erhalten. Diese sei alles andere als schnell und unbürokratisch gelaufen.

Zuerst, so erzählen sie, sei ihr Antrag verloren gegangen. Einen zweiten dürfe man aber nicht stellen. Nach etlichen Nachfragen und dem Nicht-locker-lassen habe sich die Sachlage vor zwei Wochen schließlich geklärt. Eine Mischung aus Enttäuschung und Verärgerung ist durch den Telefonhörer spürbar.

Perspektive fehlt

Günter und Annette Müller vermissen eine Ansage von "oben", eine Perspektive, wie es nach dem Ende des "Lockdown" für die Gastronomie weitergehe. Ob die Politik etwas gelernt hat? Es dauert schließlich nur noch etwas mehr als eine Woche, dann ist bereits ein Jahr mit Corona ins Land gezogen.

Solidarisch mit einer Aktion in Bayern zeigt sich der "Wilde Mann". In der Nacht von Donnerstag auf den heutigen Freitag lassen die Müllers die Lichter in der Gaststätte an. Ein Zeichen für den Erhalt der Wirtshauskultur. "Da brennt die Hütte", lautet das Motto im Freistaat – und ebenso beim Speiselokal in Bösingen.

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