Mit großer Mehrheit plädierte der Wildberger Gemeinderat für den Bereich Schule/Bolzplatz als Standort für eine neue Kindertagesstätte. Foto: Priestersbach 

Die Standortfrage für die neue Effringer Kindertagesstätte hatte in den letzten Wochen für kontroverse Diskussionen im Wildberger Stadtteil gesorgt. Nachdem der Ortschaftsrat Anfang des Monats keine Empfehlung für einen Standort geben konnte, legte der Wildberger Gemeinderat jetzt den Standort "Bolzplatz" fest.

Wildberg - Bürgermeister Ulrich Bünger hatte einleitend auf den Erweiterungs- und Sanierungsbedarf hingewiesen – und auf die Vorgeschichte der Standortentscheidung. So erinnerte er an die Beratungen über eine Erweiterung der bestehenden Kita am Standort Werre, mit der man aber nur einen in weiten Teilen modernisierten Altbau erreicht hätte. "Das wäre nicht nachhaltig", ist der Rathauschef überzeugt.

Vor diesem Hintergrund hatte der Ortschaftsrat einen Neubau vorgeschlagen – mit den Standortalternativen Werre oder in Verbindung mit der Grundschule auf dem bisherigen Bolzplatzgelände. Es folgte eine Einwohnerversammlung zu diesem Thema, und von der Verwaltung wurden daraufhin beide Standorte unter pädagogischen sowie betriebswirtschaftlichen Aspekten beleuchtet. Wie der Bürgermeister deutlich machte, "halten wir beide Standorte für möglich". Allerdings biete der Standort Bolzplatz/Schule neben den pädagogischen Vorteilen mögliche Synergieeffekte in fachlicher, finanzieller und organisatorischer Sicht. Im Rahmen der Projektentwicklung bilde ebenfalls ein bedarfsgerechtes Verkehrs- und Parkierungskonzept einen wichtigen Aspekt – in das die Schulstraße mit einbezogen werden müsse.

Nach Abbruch kann der Grund verkauft werden

Ein nicht unbedeutender Gesichtspunkt ist für die Verwaltung der Umstand, dass bei der Realisierung des Standorts bei der Schule das Grundstück an der Werre nach Abbruch des bisherigen Kindergartens als Baugrund verkauft werden können. Hiervon verspricht man sich im Rathaus einen Erlös in der Größenordnung von 600.000 Euro – und damit einen nicht unerheblichen Finanzierungsbeitrag beim Kita-Neubau. Unter allen Gesichtspunkten sei der Standort Schule/Bolzplatz "eindeutig in die Zukunft gerichtet", so Ulrich Bünger. Und nachdem es in der letzten Sitzung des Ortschaftsrates für keinen Standort eine Mehrheit gab, war jetzt der Gemeinderat gefordert.

Meinungen bei Freien Wählern gehen auseinander

In der folgenden Diskussion wurde schnell deutlich, dass sich die große Mehrheit des Gremiums dem Vorschlag der Verwaltung anschließen würde. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerhard Ostertag bedauerte zwar, "dass sich die Entscheidungsfindung in die Länge zieht", doch auch die CDU im Rat sehe im Bolzplatz die nachhaltigste und wirtschaftlichste Lösung. Bei dieser Gelegenheit betonte Ostertag: "Zur Demokratie gehören unterschiedliche Meinungen, aber der Gemeinderat muss das Gemeinwohl im Auge haben." Für die Freien Wähler signalisierte Rolf Dittus breite Zustimmung, nachdem hier in unmittelbarer Nähe zur Schule alle Synergien genutzt werden könnten. Allerdings sei in diesem Bereich dann auch ein funktionierendes Verkehrskonzept erforderlich. Wie die anschließende Abstimmung zeigte, gingen die Meinungen bei den Freien Wählern zum Standort allerdings auseinander. Die einzige Gegenrede in der Sitzung erhob Jens Mayer von den Freien Wählern, als er feststellte: "Ich habe mich umgehört und plädiere für den Standort Werre". Seiner Ansicht nach ist das Bolzplatz-Gelände zu klein für eine spätere Erweiterung – doch auch der Verkehr in der Schulstraße sei ein Problem.

Zwei Gegenstimmen von Jens Mayer und Erhard Schulz

"Wir werden uns für die vernünftigste Lösung beim Bolzplatz aussprechen, nachdem hier die Vorteile überwiegen", erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Dannenmann. Als starkes Signal, dass Wildberg eine familienfreundliche Stadt sein wolle, bezeichnete die Grünen-Stadträtin Rebekka Schneider die Entscheidung für den Neubau einer Kindertagesstätte. Gleichzeitig kann sie sich in diesem Quartier einen verkehrsberuhigten Bereich oder auch eine Sperrung der Schulstraße vorstellen.

Bei zwei Gegenstimmen von Jens Mayer und Erhard Schulz von den Freien Wählern sowie einer Enthaltung von Edwin Bäuerle (Freie Wähler) beschloss der Gemeinderat den Standort Bolzplatz. In der nächsten Sitzung des Gemeinderats will die Verwaltung nun den Fahrplan für das weitere Vorgehen auf die Tagesordnung setzen.