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Wildberg Tauchgang führt 18 Meter in die Dunkelheit

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Mit Seilen gesichert und von einem Spezialanzug geschützt tauchen die Spezialisten ins "dicke Material". Foto: Geisel

Wildberg - Etwa 18 Meter tief in die Dunkelheit, bei einer Temperatur von 37 Grad, wagen sich die Faulturm-Taucher. In der Wildberger Kläranlage war ein Team einer österreichischen Spezialfirma im Einsatz.

Komplett in einen Schutzanzug eingepackt, nur mit einem kleinen Visier, durch das er wenigstens an der Oberfläche etwas sehen kann, steigt der Taucher in den Faulturm der Wildberger Kläranlage. An einem Seil wird er hinab in die Dunkelheit gelassen. Mit seinen Kollegen steht er über Funk in Verbindung. Eine Stunde wird er dort unten verbringen, etwa 18 Meter tief im Faulturm, umgeben von zäher Flüssigkeit, in absoluter Dunkelheit, bei 37 Grad Celsius.

Taucher müssen sich auf Tastsinn verlassen

Die Einsatzzeit jedes der vier Taucher ist auf eine Stunde am Tag begrenzt. Länger sind solche Anstrengungen nicht auszuhalten. Die Taucher stehen auf dem spitzen Grund des Faulturms, der ein Stück weit im Boden versenkt ist, und reinigen ihn. Dabei können sich überhaupt nichts sehen und müssen sich rein auf ihren Tastsinn verlassen.

Das, worin die Taucher da stehen, nennt Manuel Anger­hofer, Leiter des Wildberger Abwasserbetriebs, höflich "dickes Material". In einem Faulturm werden Fäkalien mithilfe von Bakterien verarbeitet. Deswegen sind auch die 37 Grad Temperatur nötig. So entstehen Faulgas, das im Blockheizkraftwerk zum Einsatz kommt, Wasser und Klärschlamm. Im unteren Turmbereich sammeln sich aber auch Sand und "Zöpfe", also Haare, die sich in der Flüssigkeit zu Büscheln zusammenwickeln.

Ablagerungen am Boden werden entsorgt

Eben diese Ablagerungen entfernen die Faulturm-Taucher. Mit Wasserdruck lösen sie die Masse, parallel dazu wird der Schlamm gleich abgesaugt. Ein Rohr führt vom oberen Faulturmende hinab in einen Container. Das Rasseln darin verrät, dass Sand und Steine in größeren Mengen abtransportiert werden. Von dem Container kommt das Material in eine mobile Presse, die es entwässert.

Das Produkt wird wiederum in Container verladen. Es wird nach Gärtringen gefahren, wo es noch deutlich stärker getrocknet und dann im Zementwerk verbrannt wird. Dieser getrocknete Schlamm liefert in etwa so viel Energie wie Braunkohle, erklärt Manuel Angerhofer. Damit erfüllt sogar der Abfall des Abfalls noch einen sinnvollen Zweck.

Fünf Tage lang im Einsatz

Fünf Tage war das Team der österreichischen Spezialfirma mit seinen vier Tauchern in Wildberg im Einsatz. Etwa 400 Kubikmeter Ablagerungen hatten sich mit der Zeit im Faulturm gebildet, was dessen Volumen um etwa ein Drittel reduzierte. Die Putzaktion war "längst überfällig", erklärt Angerhofer, "da der Faulturm seit 17 Jahren nicht mehr gereinigt wurde".

Die Taucher sind zwar recht kostspielig, aber im Vergleich zur Alternative immer noch preiswerter. Die einzig andere Möglichkeit zur Reinigung wäre, den Turm komplett zu leeren, zu säubern und wieder zu befüllen, so Manuel Angerhofer. Bis dann aber die Bakterien wieder eingebracht sind und alles wieder normal läuft, gehen mehrere Monate ins Land. In dieser Zeit entsteht kein Faulgas, und es kann keine Energie produziert werden.

Auch der Einsatz der Taucher bedeutet für das Kläranlagen-Personal viel Aufwand und Vorbereitung. Ist die Arbeit erledigt, muss der Turm auch wieder aufgefüllt werden. Außerdem kommt dazu: Wegen der Corona-Ansteckungsgefahr musste beispielsweise ein eigener Werkstattbereich für die Taucher eingerichtet werden.

Trotzdem ist der Taucher-Einsatz spannend für das Kläranlagen-Team und alles andere als alltäglich. Das Teamwork klappt, wie Manuel Angerhofer betont: "Schön ist für mich zu sehen, was alles bewältigt werden kann, wenn alle involvierten Personen an einem Strang ziehen."

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