"Löwen"-Chef Walter Rentschler (von rechts) kochte mit den Grünen-Abgeordneten Martin Hahn, Sandra Boser, Markus Rösler und Reinhold Pix. Foto: Hunkenschröder Foto: Schwarzwälder-Bote

Grünen-Landtagsabgeordnete kochen im Schönbronner "Löwen" / Leuchtturmprojekte "Plenum" und Naturpark vorgestellt

Von Manuel Hunkenschröder Wildberg-Schönbronn. Dass Politiker nicht nur von der Vermarktung regionaler Produkte reden, sondern sie auch aktiv fördern, das zeigten jetzt fünf Landtagsabgeordnete der Grünen in Wildberg-Schönbronn – am Herd des "Löwen".Regionalvermarktung – das war das große Thema in der Showküche des "Löwen" in Schönbronn. Fünf aus Stuttgart angereiste Grünen-Abgeordnete des baden-württembergischen Landtags stellten ihre Kochkünste unter Beweis, indem sie bei der Zubereitung eines Fünf-Gänge Menüs halfen – unter der Aufsicht von "Löwen"-Chefkoch Walter Rentschler.

Die kulinarischen Köstlichkeiten waren indes nur ein Teil des Abends: Fachkundige lokale Experten informierten umfassend über regionale Erzeugnisse, deren Vermarktung sowie die Herstellungsbedingungen.

Die meisten der Grünen-Abgeordneten kommen dabei selbst aus der Landwirtschaft: Reinhold Pix aus Freiburg ist Ökowinzer, Bernd Murschel und Markus Rösler haben einen agrarwissenschaftlichen Hintergrund. "Sich beim Essen weitgehend auf regionale Produkte zu beschränken, ist kein Verzicht, sondern kann eine Speisekarte sogar bereichern", ist sich Martin Hahn sicher, der einen Demeterhof zwischen Überlingen und Stockach am Bodensee betreibt. "Es lohnt sich, regionale Produkte zu essen; im Winter gibt es hier zum Beispiel keine Tomaten im Salat, weil diese in eine andere Jahreszeit gehören. Die vielen B-Vitamine im Salat sind hingegen genau das Richtige gegen Erkältungen – und der Salat kommt aus der Umgebung." Gleichzeitig erzeuge die Art und Weise, wie die Lebensmittel produziert werden, auch eine Landschaft: Umweltfreundliche Produktionsweisen pflegten eine Landschaft und seien damit ein Garant auch für Naturschutz und Tourismus.

Dass das Dreigestirn Umweltschutz, Landwirtschaft und Tourismus gut zusammenpasst, zeigen einige Projekte aus der Umgebung. Beim vom Land Baden-Württemberg geförderten Projekt "Plenum" wird beispielsweise die sogenannte Heckengäulinse protegiert: Eigentlich eine seit Urzeiten genutzte Hülsenfrucht, wurde diese seit den 50er-Jahren in Deutschland hauptsächlich importiert und konnte erst jetzt wieder von engagierten Bauern im Heckengäu etabliert werden.

Auch der 401er-Wein der Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen, der nach der Anzahl der Weinanbau-Stufen von der Enz bis hoch auf die höchsten Mauern der Weinberge in Rosswag benannt ist, ist ein voller Erfolg. "Sämtliche Arbeitsschritte müssen aufgrund der Steilheit des Geländes in Handarbeit durchgeführt werden", berichtete Bertram Haak von der Kellerei. "Dafür ist die Weinqualität aber aufgrund der Sonneneinstrahlung sehr hoch, und mit dem Anbau des 401ers wird eine einzigartige Kulturlandschaft gefördert – was natürlich auch dem Tourismus gut tut."

Auch im Nordschwarzwald gibt es mit dem Naturpark-Projekt ähnliche Versuche, durch Fördermittel die regionale Landwirtschaft zu stärken und ein stärkeres öffentliches Bewusstsein für die Region zu erzeugen. Problematisch wird dies immer dann, wenn die öffentlichen Mittel auslaufen und die Erzeuger komplett auf eigenen Beinen stehen müssen. "Nachhaltiges regionales Wirtschaften braucht eine gewisse Anlaufzeit", weiß der Wildberger Schäfer Karl-Gerhard Bauer. "Die Förderung von Plenum und Naturpark darf deshalb nicht auslaufen."

In diesem Bereich wollten die Landtagsabgeordneten allerdings keine Versprechen abgeben: "Auch geförderte Projekte müssen irgendwann auf eigenen Beinen stehen können – und man kann nie wissen, wie viel Förderung noch notwendig wäre, um Eigenständigkeit herbeizuführen. Wichtig ist wirklich, den Weg in die Regale des Lebensmitteleinzelhandels zu finden", merkte Martin Hahn an.

Die am Abend vom Herrn des Hauses, Walter Rentschler, auf den Tisch gebrachten Speisen stammten in jedem Fall aus allernächster Nähe: Keine Zutat des opulenten Mahls hatte mehr als 30 Kilometer Anfahrtsweg hinter sich; das Lammfleisch beispielsweise kam direkt aus dem nahen Wildberg.

Der Besitzer des "Löwen" ist stolz auf seine regionale Küche und wirbt auch für die Speisequalität der Gegend: "Hier in unserer Umgebung gibt es unheimlich gute Lebensmittelproduzenten", weiß Rentschler. "In Bad Liebenzell-Schwarzenberg befindet sich beispielsweise die einzige bio-zertifizierte Forellenzucht in Baden-Württemberg."

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