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Wildberg Kämpferische Warnung vor Wolf

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Die Geschäftsführerin des Schafzuchtverbandes Anette Wohlfahrth sprach vor dem Gemeinderat. Foto: M. Bernklau Foto: Schwarzwälder Bote

Wildberg. "Ja, wir reden vom Wolf!", rief Anette Wohlfahrth, Geschäftsführerin des Schafzuchtverbandes, den Wildberger Gemeinderäten zu. "Der Wolf ist unser größtes Problem, aber nicht das einzige." Als Vorbereitung zum Schäferlauf informierte die Lobbyistin das Gremium kämpferisch über die Lage des Berufsstandes im Land.

Auch Karl Bauer – quasi der Statdschäfer von Wildberg – war am Donnerstagabend zur Gemeinderatssitzung in den Bürgersaal gekommen. Er überließ das Wort zur Lage seines Berufsstandes aber ganz seiner Verbands-Geschäftsführerin. Und Wohlfahrth nahm die Wildbader Wolfsattacke vom 30. April auf eine Schafherde zum Anlass für eine vehemente Abrechnung mit der Landespolitik und zerpflückte förmlich alle Schutz- und Entschädigungsansätze der Regierung. Sogar am Konzept von Herdenschutzhunden ließ sie kein gutes Haar. Denn die seien für die Schäfer unzumutbar teuer im Unterhalt, "sofort im Konflikt" mit den angestammten Hütehunden und mit ihrer "hohen Grundschärfe" ihrerseits eine Gefahr für Kinder, Jogger und Radfahrer.

Für Wohlfahrth gehört der Wolf nicht in diese Landschaft, die es den Schäfern schon schwer genug mache. Nach ihren Zahlen gibt es deutschlandweit schon über tausend Wölfe – "und das muss reichen", forderte sie. In Baden-Württemberg sei die Zahl der Schafzuchtbetriebe hingegen in den letzten 15 Jahren um ein Drittel auf 1300 gesunken, davon noch 120 im Haupterwerb, die im EU-Auftrag auch für den Erhalt von 80 000 Hektar Grünland mit seiner Pflanzenvielfalt sorgten. Die Einkünfte daraus machten inzwischen 60 Prozent aus – bei 40 Prozent aus der Tierproduktion, sagte sie.

Den Schäfern im Land fehlt es an Nachwuchs

Daraus erwirtschafte ein Schäfer aber nur einen mageren Durchschnittslohn von 6, 68 Euro und damit deutlich weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. Für den Erhalt des Berufs fehle es – bei einem Schäfer-Durchschnittsalter von 51 Jahren – inzwischen an qualifiziertem Personal. Zumal die Schule in Hohenheim aufgelöst wurde und interessierte junge Leute nun nach Bayern oder Sachsen-Anhalt zur Ausbildung müssten. Neben wenig Ertrag und vielen unerfüllbaren Auflagen und "unsinnigen Vorschriften" schrecke auch die Bürokratie den Nachwuchs ab. "Da muss sich ganz, ganz flott was tun", forderte die Landesgeschäftsführerin der Schafzüchter. Sonst sterbe die Schäferei aus.

Bürgermeister Ulrich Bünger pflichtete ihrem engagierten Aufruf bei, nicht nur in Sachen Wolf: "Es geht um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen, man denke nur ans Insekten- und Bienensterben", sagte er. "Ich kann die Landesregierung da nicht verstehen." Es mangele an Unterstützung für die Interessen der Schäferei und für ihren Erhalt. Dafür, so Bünger, müsse man nicht nur in der Schäferlaufstadt Wildberg werben.

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