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Wildberg Hinter jedem Schild eine Geschichte

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Fotos: Schneider Foto: Schwarzwälder Bote

Schwarz, rot, weiß: die Kennzeichen, die Jochen Morlock sammelt, unterscheiden sich nicht nur in ihren Farben – sie erzählen von unterschiedlichen Epochen. Ein spannendes Thema, zu dem sich die Belege in Morlocks Kisten nur so stapeln.

Wildberg-Effringen. Gedankenverloren kramt Jochen Morlock in der großen Kiste, die auf einem Stuhl am Fenster steht. Kennzeichen für Kennzeichen zieht er heraus, bis er es schließlich gefunden hat: ein schwarzes Blech mit weißen Buchstaben und Original-Siegel – ein Überbleibsel aus der Besatzungszeit.

Seit 31 Jahren geht Morlock seiner Sammel-Leidenschaft bereits nach. Mehr als 2000 Schilder zählte sein ganzer Stolz einmal. Heute sind es noch rund 600.

"Wir haben damals beim Bund auf langen Fahrten immer ein Spiel gespielt: Man musste den Ort hinter dem Kennzeichen erraten, das man gerade sah. Dann wurde eine Strichliste geführt. Gewonnen hab immer ich", erinnert sich der 50-Jährige. Gelegen habe das wohl vor allem daran, dass er in einer ruhigen Nacht auf der Wache alle Kennzeichen auswendig gelernt habe – doch eine gewisse Leidenschaft war schon immer da.

"Zum Geburtstag bekam ich dann von meinen Kameraden Schilder geschenkt. Von jedem eines aus seiner Region", schmunzelt der heutige Lehrer. So begann die jahrelange Reise nach den seltensten Schildern, quer in Deutschland verstreut.

Mittlerweile geht es ihm gar nicht mehr so sehr um die Kennzeichen. "Die Heimatgeschichte, die hinter den Schildern steckt, ist viel spannender", findet der Effringer heute. Darum hat er ausgemistet, hat viele seiner Schilder weggegeben und nur die geschichtlich wertvollsten behalten. Die Geschichten hinter diesen hat er sorgfältig aufgearbeitet, zu den Kennzeichen auch Bilder, alte Fahrtenbücher und Fahrzeugscheine gesammelt. Ab und zu schreibt er darüber in der Zeitschrift "Depesche" des Autokennzeichen-Sammlerclubs. Auch ausgestellt hat er seine Sammlung zum 40-jährigen Jubiläum Baden-Württembergs im Landtag bereits. Vielleicht könne er das ja auch in Museen oder bei anderen Ausstellungen bald wiederholen, so sein Wunsch.

Die Kennzeichen, die vor dem Sammler auf dem Tisch liegen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Da liegt beispielsweise das Schild aus der Besatzungszeit, auf dem die Buchstaben F und W prangen: "F für Französisch und W für Württemberg. Oder auch für Freies Württemberg wie manche gesagt haben", erklärt Morlock. Dahinter die Zahl 16. "Das steht für Calw", lautet die Erklärung des Profis. Diese Schilder gab es nur sieben Jahre lang, von 1949 bis 1956.

Von Juli 1956 bis zum März des Folgejahres gab es dann für kurze Zeit das I zwischen der Ortskennung CW und der Nummer, das kurze Zeit später durch ein J ersetzt wurde – ein Glückspilz, wer eins der seltenen Exemplare ergatterte. Ein Anhänger mit genau solch einer Kennung fährt eines Tages plötzlich vor Morlocks Nase her. "Ich bin ihm bis auf den Hof gefolgt, hab ihm dann ein Kennzeichen mit dem gängigen J machen lassen und durfte das alte abschrauben", erinnert er sich.

Im Nachhinein seien die Erinnerungen an die Abenteuer, die er und sein Freund bei der Jagd nach den Schildern erlebten und die Menschen, mit denen sie dabei sprachen, viel wertvoller, die Schilder nur noch Belege. Einmal beispielsweise seien sie auf aufeinandergestapelten Autos herumgeklettert, um ein Kennzeichen abzuschrauben, ein anderes Mal stundenlang durch den Wald gefahren. Bilder, die ihm bis heute im Kopf geblieben sind.

Und auch Erinnerungen der ehemaligen Besitzer finden sich auf den Kennzeichen wieder. "Der erste Wagen, den ich gekauft habe", steht beispielsweise auf der Rückseite eines Exemplars.

Neben den Autokennzeichen hat der Sammler auch ein altes Ortsschild aus der Region ausfindig gemacht, nämlich das des Dorfes Emmingen. Fündig geworden ist er in Marwitz in Brandeburg. "Wie das Schild da hingekommen ist, konnte mir keiner sagen", erzählt der 50-Jährige.

Auch wenn er nicht mehr so exzessiv sammelt wie früher – die Leidenschaft ist geblieben: Ein Schild pro Jahr erlaubt sich Morlock auch heute noch. Die Geschichte ist so Teil seines Lebens geworden – und er ein wichtiger Vertreter der Geschichte.

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