Der Gemeinderat will den Umbau des 1200 Hektar großen Wildberger Stadtwalds in Angriff nehmen.Foto: Priestersbach Foto: Schwarzwälder Bote

Zukunftspläne: Fichten sollen nach und nach Laubbäumen weichen / Höherer Hiebsatz beschleunigt Verfahren

Vor allem Dürre und Schädlinge setzen dem Wald zu – auch dem Wildberger Stadtwald. Deshalb will der Gemeinderat den Umbau des Gemeindeforst ins Angriff nehmen, was auf eine Erhöhung des Laubbaum-Anteils hinaus läuft.

Wildberg. "Jeder Baum, der heute gepflanzt wird, muss auch unter dem Aspekt der Klimaveränderungen betrachtet werden", machte Jörg Ziegler, Leiter der Unteren Forstbehörde im Landratsamt Calw, jetzt im Wildberger Gemeinderat deutlich. Bislang wird noch rund ein Viertel des rund 1200 Hektar umfassenden städtischen Forstes als Fichtenbestand geführt (der Nadelholzanteil liegt bei rund 60 Prozent), was in Zukunft zu Gunsten des Laubholzes geändert werden soll.

Thema in der jüngsten Sitzung des Gremiums waren die Eigentümerziele für die Forsteinrichtung der kommenden zehn Jahre im Stadtwald der Schäferlaufstadt, wobei der klimabedingte Waldumbau und die künftige Baumartenverteilung eine große Rolle spielen. Wie Jörg Ziegler ausführte, ist der Anteil des Nadelholzes nach wie vor hoch, aber immerhin mache der Laubholzanteil zwischenzeitlich bereits fast 40 Prozent des Baumbestandes aus.

Revierförster Thomas Hingsberg erläuterte die verschiedenen – und teilweise auch konkurrierenden – Eigentümerziele. So soll das Waldvermögen in Quantität und Qualität erhalten werden, die Nutzung soll naturnah und vor allem über die Naturverjüngung erfolgen, während der Laubholzanteil weiter erhöht werden soll. Gleichzeitig erfülle der Stadtwald viele ökologische Funktionen, und beim Aufbau klimastabiler Wälder falle auch der Jagd eine Schlüsselrolle zu. Hinzu kommt die hohe Bedeutung der Erholungsfunktion, wobei siedlungsnahe und hoch frequentierte Wege gut gepflegt werden sollen. Ein Thema ist daneben die Weiterentwicklung touristischer Angebote, so Hingsberg mit Blick auf die bestehende Erholungs-Infrastruktur. Daher müssten auch bestehende Aussichtspunkte künftig frei gehalten werden.

Bisher sei man zwar mit der Fichte und Tanne gut gefahren, doch werden die Nadelholzbestände durch Klimaerwärmung, Käfer und Stürme zunehmend instabiler. "Das ist jetzt etwas völlig Neues, und da ist auch im Forst ein Umdenken notwendig", unterstrich der Revierförster.

Bei dieser Gelegenheit schlug Hingsberg außerdem vor, den jährlichen Einschlag von 8000 auf 10 000 Festmeter zu erhöhen. Damit werde sich das Waldbild schneller verändern – und dem Stadtsäckel werde die zusätzliche Einnahme es wohl auch gut tun.

"Wir müssen jetzt mit dem Waldumbau beginnen", machte Bürgermeister Ulrich Bünger deutlich, dass sich in der künftigen Forsteinrichtung auch die Klimaerwärmung widerspiegelt. Wie Gerhard Ostertag für die CDU-Fraktion signalisierte, "gehen wir bei den Eigentümerzielen mit". Anspruch müsse es sein, in Zukunft stabile Wälder zu haben, doch sollte ebenso das Waldvermögen erhalten werden. Langfristig wünscht sich seine Fraktion mindestens einen ausgeglichenen Forsthaushalt im Stadtwald. Bei der Erhöhung des Einschlags müssten die Marktbedingungen im Auge gehalten werden.

"Der Waldumbau wird Jahrzehnte dauern", ist Jens Mayer von den Freien Wählern überzeugt. Er konnte sich mit dem geplanten Anstieg des Hiebsatzes anfreunden, nachdem sich der Holzmarkt erholt hat. Wie Jörg Ziegler Ziegler dazu anmerkte, betrachtet man die Erhöhung des Einschlages auf den gesamten Zehn-Jahres-Zeitraum der Forsteinrichtung. So werde der Einschlag in der kommenden Dekade "für eine strukturelle Änderung" im Stadtwald sorgen – und bei guten Preisen könne man auch einen zusätzlichen "Schluck aus der Pulle nehmen".

In den Augen von Tim Dombrowske von den Freien Wählern befinde man sich in Sachen Stadtwald auf dem richtigen Weg: "Die Mischung macht es." Vorrangig ist es für ihn, an der naturnahen Bewirtschaftung festzuhalten, aber auch in Richtung Touristik und Waldwege tätig zu werden.

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