Elf Monate sind vergangen, seit der Gemeinderat nach langen Debatten den Weg freigemacht hat für den Bau. Foto: M. Bernklau

Fertiggestellte Unterkunft am Wildberger Welzgraben wird jetzt auch mit Familien belegt.

Wildberg - Die lange umstrittene Wildberger Flüchtlingsunterkunft am Oberen Welzgraben ist nun ganz bezugsfertig. Vor einigen Tagen sind syrische Flüchtlingsfamilien in das mittlere Gebäude eingezogen. Im unteren Teil leben schon seit Juni Asylbewerber aus Afghanistan.

Schuhe stehen vor den Türen, ein paar Fahrräder lehnen zwischen den Gebäuden. Vor einigen Tagen standen kurzzeitig auch Koffer und Kartons auf den Laubengängen zur Landesstraße hin. Nachdem schon seit dem Sommer alleinstehende Flüchtlinge aus Afghanistan die 48 Plätze in den zwölf Zimmern des unteren Gebäudes bewohnen, kommt jetzt auch Leben in die oberen, soeben abgenommenen Teile der Wildberger Gemeinschaftsunterkunft.

Elf Monate sind vergangen, seit der Gemeinderat nach langen Debatten den Weg freigemacht hat für den Bau. Zwischenzeitlich hat sich die Lage bei den Zahlen neu ankommender Flüchtlinge deutlich entspannt. Das gibt dem Landratsamt Luft für eine behutsame Belegung. "In die ganz neuen Unterkünfte", sagt Norbert Weiser, der zuständige Sozialdezernent, "schicken wir Flüchtlinge, die schon ein paar Erfahrungen hier haben und wissen, wie es läuft". Die neuen Familien kommen aus der Nagolder Unterkunft, nicht aus Erstaufnahme-Einrichtungen (LEA).

Verantwortliche achten auf die Herkunft

Auch auf die ursprüngliche Herkunft achten die Verantwortlichen beim Landkreis. Offenbar hat sich das auch in Wildberg bewährt. Mit den durchweg afghanischen Bewohnern des im Juni ersten bezogenen Hauses – alleinstehenden, meist jungen Männern – gab es "bislang praktisch keinerlei Probleme", sagt Norbert Weiser. Denn selbst Reinhold Brodbeck, einer der früheren Wortführer des Wildberger Widerstands gegen Lage und Größe eines solchen Flüchtlingsheims, räumt als Anrainer über die Straße nach ein paar Monaten Erfahrung ein: "Das sind recht ordentliche Leute."

Hausmeister Roland Dreisig­acker, im Wechsel mit zwei Kollegen des Nagolder Bezirks seit Oktober für den Oberen Welzgraben zuständig, will auch nicht klagen: "Bisher habe ich keine schlechte, eigentlich sogar nur gute Erfahrungen gemacht". Viele der jungen Afghanen sprächen Deutsch, die meisten gingen regelmäßig in die Integrations- und Sprachkurse. Trotz manch harten Schicksals, das er mitbekommt, und trotz der immer noch andauernden Baustellensituation, seien sie "nett, freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit".

Die karge Ausstattung der Unterkünfte mit Vierbettzimmern, Tisch, Spinden, Stühlen kleinen Küchen und Sanitärräumen für jeweils acht Menschen findet er "den Umständen entsprechend zwar sehr einfach, aber zweckmäßig". Die Flüchtlinge und ihre Helfer sorgten doch schnell für etwas wohnlichere Atmosphäre. "Es ist natürlich kein Luxus, aber man muss sich nicht schämen", sagt er.

Gerade erst sind Wäschespinnen aufgestellt worden. Dort, auf der Südseite zum neuen Bauhof hin, wo Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen werden sollen und ein Spielplatz, "da war bisher doch alles noch Baustelle", sagt Deisigacker. Einige Handwerker waren im Verzug, räumt Sozialdezernent Weiser ein. Manches klappte nicht ganz, wie die Außenleuchten, deren Bewegungsmelder nachts bei jedem vorbeifahrenden Auto ansprangen und die gegenüberliegenden Anwohner belästigten. Erst jetzt, wo Kinder einziehen, ist auch der hohe Zaun zur Straße hin fertig geworden. Die Anwohner hatten ihn auch als Sichtschutz gefordert.

"Es geht dort friedlich zu"

Nicht nur mit der Arbeit des ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeitskreises ist Norbert Weiser zufrieden: "Das klappt ganz vorzüglich", sagt er. Auch die Akzeptanz vieler besorgter Bürger sei inzwischen da. "Der Widerstand im Umfeld hat sich wie an allen Standorten im Laufe von ein paar Monaten in Wohlgefallen aufgelöst."

Vielleicht nicht ganz, denn Nachbar Reinhold Brodbeck versteht sich immer noch als einer, der ein genaues Auge auf die Sache hat und "schaut, dass das in Ordnung ist". Er mahnte klappernde Laubengang-Gitter an, drängte beim Zaun, bei den Lichtern, bei Wäscheständern, einem Fahrradabstellplatz. Das meiste wurde schnell erledigt. Brodbeck fordert auch weiter Aufenthaltsflächen und Gemeinschaftsräume für die Flüchtlinge, damit die sich nicht, wie im Sommer, vor den Wohnungstüren treffen müssen, wo man "ihre Unterhaltungen im Sommer gehört hat bis spät in die Nacht".

Man hätte die Unterkunft nicht vor ihrer kompletten Fertigstellung belegen dürfen, meint er nach wie vor. Und moniert weiter eine "Ungerechtigkeit in der Belastung gegenüber vergleichbaren Städten wie Altensteig". Aber der Nachbar sieht seine Eingaben ausdrücklich auch im Sinne der neuen Bewohner. Eine "Win-win-Situation" nennt Brodbeck das: "Es ist zufriedenstellend bisher, und es geht friedlich zu dort. Aber das soll auch so bleiben", sagt er.