Um im zugefrorenen Urisee tauchen zu können, schnitten Eberhard Fiedler (Bildmitte) und seine Mitstreiter mit Kettensägen ein Loch in die Eisdecke. Foto: Rivinius Foto: Schwarzwälder-Bote

Im Wasser ist Wildberger Kämmerer in seinem Element / Ohne Leinen völlig verloren

Von Benjamin Breitmaier Wildberg/Neubulach. Dort, wo fast kein Leben möglich ist, wo eisige Kälte alles zum Erliegen bringt, dort gehen sie ihrem Hobby nach. Wenn andere in die Karibik fliegen, gleiten Eistaucher unter der Decke zugefrorener Seen hinweg. Eberhard Fiedler ist einer von ihnen.

 

Wo ist oben? Wo ist unten? Panik steigt auf, kein Ausweg, zum Glück gibt es die lebensrettende Leine, die den Weg in die Freiheit weist. Für ungeübte Taucher kann das erste Erlebnis unter dem Eis schonmal im Schockzustand enden. Nicht so für Eberhard Fiedler. Auch wenn der Feuerwehrkommandant und Kämmerer der Stadt Wildberg immer wieder betont, dass er nichts Besonderes tue, sprechen seine Geschichten und Abenteuer für sich: 40 Jahre Taucherfahrung und 1500 Tauchgänge in allen Weltmeeren, zuletzt auf den Galapagos-Inseln, so viel Zeit im nassen Element hinterlassen ihre Spuren.

Dabei fing die Tauchgeschichte des Kämmerers mit einem Rückschlag an: Als Schwimmer war der damals 18-Jährige knapp an der Olympiaförderung vorbeigeschrammt, sein Bruder hingegen hatte es geschafft. Fiedler gab das Sportschwimmen auf. Doch noch im Freibad wurde der junge Schwimmer von seinem späteren Mentor angesprochen. Den tiefen Respekt, den der heute 62-Jährige für den mittlerweile verstorbenen Taucher Hans Joerger hegt, spiegelt sich in seiner Ausdrucksweise merklich wider. Joerger war es, der ihn damals angesprochen hatte: "Ob er es nicht einmal mit Tauchen probieren will?", lautete die Frage. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen kam Eberhard Fiedler dieses Angebot gerade recht. Bald darauf trat er auch in die damalige Sporttaucher Gemeinschaft Stuttgart (heute SGS Ostfildern) ein – das war Anfang 1970.

Im Gespräch mit Fiedler merkt man schnell, dass hier ein Mann der Tat sitzt und wenn man hinter einer Sache stehe, "weder Kosten, noch Mühe" scheuen darf". Das hat er auch nicht getan: Ausgebildet im Wracktauchen, Strömungstauchen, Trockentauchen und Eistauchen, hat der leidenschaftliche Sportler fast jede Ausbildung des Flaschentauchens durchlaufen, die es gibt.

Doch was bringt einen Mann dazu, in eine 50 Zentimeter dicke Eisdecke mit Motorsägen Löcher zu schneiden und sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, ohne Ausweichmöglichkeit, 15 Meter an einer dünnen Schnur entlang zu hangeln? "Man sucht ein wenig das Extrem, eigentlich ist es Blödsinn, man macht drei bis vier Tauchgänge à 15 Minuten und geht danach in die Sauna."

Trotzdem steckt mehr dahinter: Man müsse sich zu 100 Prozent auf sein Können, seine Disziplin und – ganz wichtig – auch auf die Leinenplanung verlassen können. Der Ortsvorsteher von Sulz kommt ein wenig ins Schwärmen: Es sehe fantastisch aus, wenn das Tageslicht von oben durch die Eisdecke bricht. So fährt er mit seinen Freunden von den Delfin Divers aus Neubulach mehrmals im Jahr zu Orten wie dem Urisee oder dem Plansee in Österreich.

Fiedlers letzte Station waren die Galapagos-Inseln. Dort durfte er Bekanntschaft mit dem größten Vertreter der Fische machen: dem bis zu 15 Meter langen Walhai. Gleich 15 dieser beeindruckenden Tiere durfte er auf seinem Trip nach Südamerika bewundern. Hunderte Hammerhaie, Adlerrochen, Seelöwen, man bemerkt schnell, dass der Tauchurlaub in das Naturparadies ein beeindruckendes Erlebnis war. Die Frage, wann er denn aufhören will, wurde gar nicht erst gestellt, denn dass Eberhard Fiedler dem Wasser noch lange treu bleibt, ist sicher.

Weitere Informationen: www.delfindivers.com