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Wildberg Diesmal steht das Innenleben im Mittelpunkt

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Ein Blick in die Sulzer Kirche, wahrscheinlich nach dem Jahr 1870 aufgenommen.Foto: Geisel/Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

In der Sulzer Michaelskirche steht die erste große Renovierung seit den 1960er Jahren an. Während sich bei früheren Sanierungen auch optisch einiges getan hat, geht es diesmal vorwiegend um die Technik.

Wildberg-Sulz. Das älteste Bild, das die Kirchengemeinde von dem denkmalgeschützten Gotteshaus besitzt, wurde vor 1870 aufgenommen. Es zeigt eine im Innenraum deutlich anders ausgestattete Kirche. Es gab im Kirchenschiff zwei Emporen übereinander sowie eine Empore im Chor, auf der sich auch die Orgel befand. Der Taufstein war mittig vor dem Altar aufgestellt. Ein Holzheizofen in der vorderen Ecke auf der Nordseite sorgte für etwas Wärme.

Nach 1870 wurde die Kirche renoviert. Auf einem Bild von damals ist noch eine Art Kasten im Bereich vor dem Chor zu sehen, vor den ersten Kirchenbänken, unter einem Kirchenfenster. Bei den Bildern von 1938 ist dieser verschwunden. Worum es sich bei diesem Kasten gehandelt haben könnte, weiß man nicht genau.

"Darüber rätselt man", erzählt Pfarrer Hartmut Heugel. Er nennt das Holzgebilde liebevoll den "fürstlichen Kasten". Denn eine Vermutung, wozu dieser diente, gibt es schon. Carl Eugen Herzog von Württemberg, der Ende des 18. Jahrhunderts lebte, besuchte im Sommer öfter seine Geliebte, Franziska von Hohenheim, bei ihren Eltern in Sindlingen. Im Zuge dieser Besuche könnte er öfters den Gottesdienst in der Sulzer Michaelskirche beigewohnt haben. Dafür nutzte er vermutlich den "fürstlichen Kasten". "So wusste keiner, ob er tatsächlich da ist", erklärt Heugel. Für diese Besuche spricht auch das kleine Bild von Herzog Carl Eugen im Kirchenfenster oberhalb des ehemaligen Kastenstandorts.

Auf den Bildern von 1870 und von 1938 ist außerdem die schmuckvolle, bunte Bemalung der Chorwand zu sehen – beides Mal eine andere –, die für heutige Verhältnisse schon etwas kitschig anmutet. Selbst der Chorbogen war 1938 bunt bemalt. Unter Putz sind die Bilder noch vorhanden, weiß Pfarrer Heugel.

Von 1961 bis 1963 erfolgte die letzte große Renovierung der Michaelskirche. Damals wurde die zweite, obere Emporenreihe entfernt. Jene im Chor war zu dieser Zeit bereits verschwunden. Die damals schon rudimentär vorhandene Elektrik wurde erneuert und eine Fußbodenheizung verlegt. Außerdem wurde das Innenleben der Orgel ausgetauscht, wofür eine Orgel aus Bondorf diente. Der Prospekt, also der sichtbare Außenteil, ist noch original von 1817.

Im Sommer 2020 – sofern es die Coronakrise zulässt – soll nun die nächste große Renovierung in Angriff genommen werden. Geplant war die schon für Herbst 2019, doch waren die freiwilligen Elektriker, die einen Großteil der Arbeit leisten müssen, beim Bau des Gemeinschaftshauses eingespannt.

Das größte Problem sind nämlich die zweiadrigen Stromkabel, die porös werden und daher im ganzen Bauwerk ausgetauscht werden müssen. Dazu braucht es außerdem einen neuen Schaltkasten. Die Heizkreise quittieren nach und nach ihren Dienst, so Hartmut Heugel. Kein Elektriker sei mehr bereit, das vorhandene System zu reparieren und darauf Gewährleistung zu geben. Also muss alles erneuert werden – Elektrik, Fußbodenheizung und Unterbankheizungen.

In Sachen Medien wird sich ebenfalls einiges tun

Auch das Licht soll erneuert und auf LED umgerüstet werden. An der Decke sollen sechs neue Lampen für mehr Helligkeit sorgen. Dafür dürfen aus Denkmalschutzgründen nur die bereits vorhanden sechs Löcher verwendet werden.

In Sachen Medien wird sich ebenfalls einiges tun. Die Mikrofonanlage wird verbessert, es wird eine Kamera zur Übertragung in den Anbau und nach draußen installiert und ein Mediensteuerungsplatz wird eingerichtet. Für den werden zwei Kirchenbänke im hinteren Bereich entfernt.

Im vorderen Bereich werden die Kirchenbänke an der Seitenwand entfernt, dafür wird der Taufstein von derzeit rechts nach links verschoben. Für den neuen Fußboden – der alte muss wegen der Erneuerung der Fußbodenheizung herausgebrochen werden – werden pflegeleichte Feinsteinzeug-Platten verwendet. Im Außenbereich werden zerfressene Steinplatten ausgetauscht, hier wird jedoch auf Anordnung des Landesdenkmalamtes wieder Naturstein zum Einsatz kommen.

Die Bausumme liegt bei rund 450 000 Euro, wovon etwa ein Drittel über Zuschüsse finanziert werden kann. Die Renovierung wird von Architekt Erich Rupp geplant und begleitet. Als Elektriker wird Roland Gärtner im Einsatz sein. Hauptansprechpartner von der Kirchengemeinde für die Renovierung ist Günter Gärtner, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates.

Taufstein wird verschoben

"Ziel ist es, den Gottesdienstraum so zu gestalten, dass ohne großen Aufwand viele verschiedene Gottesdienstformate mit wechselnden Musikgruppen und medialer Unterstützung gefeiert werden können", erklärt Pfarrer Heugel.

Im Zentrum stehe, "dass Gottes Wort und die Verkündigung gut hörbar und sichtbar gemacht werden und die Musikgruppen alle nötige Unterstützung ohne unangemessen großen Aufwand bekommen, mit der Gemeinde das Lob Gottes zu vermehren".

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