Pfarrer Jürgen Bobzin tritt eine neue Stelle in Gerstetten an.Foto: Geisel Foto: Schwarzwälder Bote

Stellenstreichung: Neue Aufgabe in Gerstetten / Pfarrer Hartmut Heugel aus Sulz am Eck muss künftig zwei Gemeinden betreuen

Pfarrer Jürgen Bobzin verlässt Gültlingen. Nach dem Pfarrplan 2024 wird seine Stelle gestrichen. Durch Glück hat er bereits eine neue Anstellung gefunden. Der Abschied schmerzt, denn eigentlich wollte der 39-Jährige länger in dem Wildberger Stadtteil bleiben.

Wildberg-Gültlingen. Der Beschluss ist eindeutig: Gültlingen und Sulz am Eck teilen sich bald einen Pfarrer. Der ursprüngliche Plan habe vorgesehen, dass im gesamten Stadtgebiet 100 Prozent an Stellenanteilen hätten eingespart werden müssen. Nun griff allerdings Plan B, erklärt Bobzin. Hartmut Heugel, Pfarrer von Sulz am Eck, wird daher die geistlichen Aufgaben in beiden Stadtteilen übernehmen. Die Kirchengemeinden selbst existieren jede für sich weiter.

Für Pfarrer Jürgen Bobzin bedeutete das, dass er sich eine neue Stelle suchen musste. Erst im Juni 2017 hatte Bobzin seine Tätigkeit in Gültlingen begonnen. Seine Zeit dort beschreibt er als "super". Die Leute vor Ort seien "ganz toll", er könne nur Positives berichten. Vor allem der Umgang miteinander wärme ihm das Herz. Man treffe sich mit den Vereinen, "sucht ein Gemeinsames" und wisse dennoch, "wer welche Rolle spielt". Er habe jederzeit mit Ideen kommen und mal etwas ansprechen können.

"„Ich habe hier eine große Offenheit kennengelernt", berichtet Jürgen Bobzin. Gehen zu müssen sei bitter. Pfarrer Hartmut Heugel könne das unmöglich alleine auffangen bei einer Zuständigkeit für zwei Gemeinden und solle dabei auch nicht unter Druck geraten. Doch zum Glück gebe es im Ort viele Familien, die etwas machen wollen. Jürgen Bobzin ist überzeugt: "Die Leute nehmen das in die Hand." Ermutigt habe er sie dazu bereits.

Spätestens mit dem Pfarrplan 2024 wäre die Stelle in Gültlingen gestrichen worden, erklärt Jürgen Bobzin. Also begann er, sich unverbindlich Stellenausschreibungen anzusehen. Denn die Bewerbungsphase kann sehr lange dauern, bei seiner Bewerbung in Gültlingen waren es ganze zwölf Monate, ehe die Entscheidung endgültig stand. Dass es gleich beim ersten Versuch klappt, und dann noch so schnell, hätte Bobzin nie erwartet. Mit Gerstetten auf der Ostalb (Kreis Heidenheim) hatte er einen „schönen Ort“ gefunden. Vollkommen unerwartet sei daraus eine "Turbo-Bewerbung" geworden.

Schon nach zwei Wochen kam grünes Licht von der Landeskirche, über die Weihnachtszeit liefen die Gespräche, am 12. Januar dann ein langes, persönliches. Und schon nach zehn Minuten Beratung erhielt Bobzin die Zusage. Am 5. Juni hat er seinen ersten Arbeitstag in Gerstetten.

In "ganz, ganz vielen Beratungen" haben sich die beiden Pfarrer in den vergangenen Monaten über die Zukunft Gültlingens ausgetauscht. Denn mit dem Weggang von Jürgen Bobzin wird die Stelle aufgelöst, zum 1. Juni mit jener in Sulz am Eck vereint. Für den 13. Juni ist eine, wie auch immer dann mögliche Einsetzungsfeier für Pfarrer Heugel geplant. Schon jetzt haben sich viele auf persönlichem Wege von Pfarrer Bobzin verabschiedet, das Telefon stand kaum still, manche hängten kleine Aufmerksamkeiten an seine Haustüre.

Jürgen Bobzins Weggang hat "überhaupt nichts mit Gültlingen zu tun", versichert er, "ich hatte hier eine sehr gute Zeit." Die Gültlinger hätten es verdient gehabt, noch länger einen 100-Prozent-Pfarrer zu haben. Bobzin selbst wäre auch gerne länger geblieben. Doch ganz abgesehen davon, dass er sich so oder so nach einer neuen Stelle umsehen musste, habe er nun auch alles mit Vorbehalt planen müssen, ohne Perspektive, wie "mit einer Handbremse im Kopf". Denn wer führt angefangene Projekte weiter, wenn er in absehbarer Zeit nicht mehr da ist?

Für Gültlingen findet Jürgen Bobzin die Situation "bedauerlich"“. Gültlingen wachse, es gebe so viele Kinder und Jugendliche vor Ort, so viele Möglichkeiten – "da blutet einem schon das Herz".

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