Bis Pfingsten soll das Labyrinth fertig sein.Foto: Kirchengemeinde Foto: Schwarzwälder Bote

Erfahrungssymbol: Freiwillige der Kirchengemeinde Effringen widmen den Irrgarten zu einem Weg der Einkehr um

Wer in jüngster Zeit an der Kirche und dem Friedhof in Effringen vorbeigekommen ist, hat vielleicht schon die Steinkreise auf einem Wiesenstück gesehen. Was hier entsteht? Ein begehbares Labyrinth.

Wildberg-Effringen. Die Corona-Pandemie hat das Leben nachhaltig verändert. Neue Fragen wurden aufgeworfen, Ängste geschürt und Sehnsüchte geweckt. Für viele stellt sich da auch die Frage nach der Rolle des Glaubens. "Die Suche nach Sinn und im tiefsten Inneren nach einem Gott erfasst die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens", sagt Christina Morlock vom Projektteam der evangelischen Kirchengemeinde Effringen. Und das Symbol des Labyrinths greife derartige Themen in einer Weise auf, "die viel Raum für eigenes Erleben, Suchen, Beten und Meditieren" lasse.

Eben darauf liegt der Fokus beim Labyrinthprojekt in Effringen. Zur eigenen Mitte, zu sich, zu Gott finden und Kraft daraus schöpfen. Das möchte die Kirchengemeinde jedem ermöglichen. Darum baut eine Gruppe Freiwilliger derzeit aus Steinen ein Labyrinth auf, direkt bei der Marienkirche, unter einer wunderschönen Linde. Ist es erst fertig, soll dort jeder die Möglichkeit haben, es ganz für sich, auf seine Weise, zu durchschreiten und zu erleben. Den verschlungenen Weg zur Mitte und wieder nach draußen zu gehen.

"Das Labyrinth ist ein Erfahrungssymbol", erklärt Pfarrerin Lisbeth Sinner, "es lädt ein, eigene Erfahrungen zu machen, zum Beispiel an Wendepunkten des Lebens, als Ort des Gebets oder Teil von Festabläufen." Außerdem könne es "Einkehrweg, Tanzplatz, Pilgerweg, Ort der Erkenntnis, ein Weg der Liebe sein".

Als Grundbotschaften sehen Morlock und Sinner, dass das Leben kein gerader Weg ist, es gebe gewollte und ungewollte Wendungen, eine Mitte, jeder Schritt sei ein Sieg. Es lohne sich, sich auch auf mühevolle Wege einzulassen: "Vertraue dem Weg. Vertraue Dir und geh." Und in der Mitte kann man nicht bleiben, der Rückweg gehört dazu.

Die Idee zu einem Labyrinth-Projekt entstand zu Beginn der Corona-Pandemie. Schon im vergangenen Jahr wurde das Konzept aufgegriffen: An verschiedenen Stellen in Effringen tauchten plötzlich aufgemalte Labyrinthe auf. In der Marienkirche fand eine Labyrinth-Ausstellung statt, bei welcher Arbeiten von Horst Ellner aus Deckenpfronn gezeigt wurden. Eine passende Einstimmung auf das Großprojekt in diesem Frühjahr.

Denn im Frühling begannen die Arbeiten an dem großen Labyrinth im Außenbereich. "Männer unterschiedlichen Alters und Interessen haben sich zu einer losen Gruppe zusammengeschlossen und in konkreten Absprachen einzelne Teilschritte des Projekts selbstständig bearbeitet", so Morlock. "Unter der fachkundigen ›Bauleitung‹ von Uwe Bürkle wurde gebaggert, geschaufelt und Stein an Stein gesetzt und befestigt." Jugendliche Helfer hätten die freundliche Anleitung erfahrener Handwerker und die Arbeit an der frischen Luft genossen. Eine willkommene Abwechslung zum Homeschooling. Arbeitsgeräte seien bereitgestellt und Material wie Schotter gespendet worden.

Zunächst baggerten sie die Kreisfläche aus. Dann folgte das Setzen und Befestigen der Steine. Nach Ostern ging es nun noch an das Ausfugen und Anfüllen der Zwischenräume.

Pfarrerin Lisbeth Sinner hofft, dass das Labyrinth zu Pfingsten eingeweiht werden kann. Die tatsächliche Begehung wird wegen des Graswuchses aber vermutlich erst im Juni möglich sein. "Gerade sind wir an der Bepflanzungsfrage", berichtet die Pfarrerin. Erste "positive Wegerfahrungen" seien laut Morlock aber schon gemacht worden.

"Nicht nur zu Zeiten, in denen geraten wird, Abstand zu halten, bietet das Labyrinth verschiedene meditative Möglichkeiten für Einzelpersonen oder auch kleinere Gruppen", wissen Lisbeth Sinner und Christina Morlock. Es spreche auch Junge und Ältere, Kindergartenkinder, Grundschulkinder und Konfirmandengruppen an oder könne für alternative Gottesdienstangebote dienen. "Schriftliche und/oder digitale Begleitangebote sind im Entstehen", so Morlock weiter. Und: "Auch reale, leibliche Begegnungen sind möglich und erwünscht."

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