Er ist einer der großen Gesichter der Wolfsburger: Der Ex-Schwenninger Torhüter Dustin Strahlmeier wechselte vor sechs Jahren zu den Grizzlys. Foto: Imago/osnapix/Duckwitz

Der Pre-Playoff-Gegner Wolfsburg im Porträt. Die Geschichte des zurückgekehrten „Sohnes“ Tyler Haskins. Der starke Manager Charly Fliegauf. Wie geht es wirtschaftlich weiter?

Vorhang auf zur Pre-Playoff-Serie ab diesen Mittwoch zwischen den Wild Wings und den Grizzlys Wolfsburg. Doch wie tickt der Eishockey-Standort Wolfsburg aktuell? Welche Probleme, welche Hoffnungen haben die Grizzlys vor der schönsten Eishockeyzeit des Jahres? Ein Blick auf einen Club, der in den vergangenen 20 Jahren in der DEL einen imponierenden Weg verzeichnete.

 

Der neue Doku-Film

Pünktlich vor dem Start der Pre-Playoffs feierte der Dokumentationsfilm „60 Jahre Jahre Eishockey Wolfsburg – zwischen „Tradition und Titeltraum“ seine Premiere. Die Erstaufführung im Delphin-Kino in Wolfsburg gefiel auch dem neuen Coach Tyler Haskins. Doch was heißt hier „neuer Coach“: Der US-Amerikaner ist in Wolfsburg eine Legende. Sein Trikot mit der Nummer 10 ist gesperrt. Seit wenigen Tagen ist Haskins wieder zurück. Sein Comeback wurde von den Fans gefeiert.

Tyler Haskins

Zwischen 2010 und 2018 absolvierte der Mittelstürmer 405 Spiele für Wolfsburg. Verletzungsbedingt musste Tyler Haskins aufhören. Er arbeitete beim DEL-Club als Scout und Assistenztrainer weiter. 2023 sah der 39-Jährige neue berufliche Perspektiven als Headcoach und General Manager in der US-amerikanischen U20-Juniorenliga bei Chicago Steel.

Die andere Geschichte ist, dass Wolfsburgs-Manager Charly Fliegauf während der Olympiapause – offiziell – auf Scouting-Tour in Nordamerika unterwegs war. In geheimer Mission führte Fliegauf aber mit seiner damaligen „Entdeckung“ Tyler Haskins Gespräche über die kommende DEL-Saison. Der Vertrag mit dem bisherigen Coach Mike Stewart sollte nicht verlängert werden. Dann überschlugen sich die Ereignisse.

Die Grizzlys starteten mit einer kleinen Negativ-Serie (unter anderem daheim gegen die Wild Wings mit 2:4 verloren) nach der Olympiapause. Den Norddeutschen drohte das erneute Verpassen der Pre-Playoffs. Über Nacht lotste Charly Fliegauf schon Anfang des Monats seinen „Ziehsohn“ wieder zurück nach Wolfsburg.

Tyler Haskins brachte das Team zuletzt wieder auf Kurs und in die Playoffs. Die Euphorie um den Sympathieträger ist in Wolfsburg in diesen Tagen groß. Tyler Haskins soll als neuer Hoffnungsträger die Grizzlys in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Auf den großen Rückkehrer Tyler Haskins ruhen in Wolfsburg nun große Hoffnungen. Foto: Eibner

Charly Fliegauf

Seit 2007 arbeitet der Manager erfolgreich bei den Grizzlys. Er gilt als absoluter Macher. Zuletzt wurde der Vertrag des 65-Jährigen um weitere zwei Jahre verlängert. Der frühere Eishockey-Profi zählt zu den richtig Guten im DEL-Geschäft. Ein starkes Netzwerk und sehr viel Erfahrung sowie Umsicht bei seinen Entscheidungen zeichnen den gebürtigen Peitinger aus. Seine Erfolgsbilanz: Von 2010 bis 2017 fehlten die Grizzlys nur einmal im Playoff-Halbfinale. Unter seiner Regie erreichte man viermal den Vizetitel. Dazu kommt noch der Pokalsieg in 2009.

Die vergangenen Jahre

Aber sportlich mussten die „Bären“ in den vergangenen Jahren Rückschläge einstecken. In der Saison 2022/23 stand Wolfsburg letztmals im Halbfinale. Ein Jahre später war es nur noch das Viertelfinale. In der Vorsaison blieb nur die Zuschauerrolle, als die VW-Städter nach der Hauptrunde lediglich Elfter waren. „Klar, ist ein elfter Platz nicht unser Anspruch. Es hat uns aber auch gezeigt, dass nicht alles selbstverständlich ist. Dass wir nicht in den Playoffs dabei waren, hat uns die Sinne geschärft“, betonte Charly Fliegauf vor dem Kaderumbruch im vergangenen Sommer.

Der aktuelle Kader

Der Kader für diese DEL-Saison 2025/26 sollte nicht nur jünger sein, sondern auch ein höhere Tempo gehen können. Im Tor ist der Ex-Schwenninger Dustin Strahlmeier der große Rückhalt, spielt bisher eine starke Saison und verpasste knapp die Olympiateilnahme.

In der Abwehr erwiesen sich die Zugänge von Keaton Thompson (zuletzt KHL) und Ethan Prow (AHL) als Glücksgriffe. Der größte Umbruch fand im Angriff statt. Von den bisherigen Importspielern blieben vor dieser Saison nur Kapitän Spencher Machacek, Matt White und Jimmy Lambert übrig, die das Vertrauen auch im Verlaufe der bisherigen Saison rechtfertigten. Nationalspieler Luis Schinko kehrte schon im Herbst aus München zurück. Wichtig war auch die Rückkehr des „Haudegen“ Tyler Gaudet (zuletzt Düsseldorf).

Bemerkenswert aktuell: Der Schwenninger Playoff-Gegner stellte vor dem letzten Hauptrunden-Spieltag am Sonntag das stärkste Unterzahl-Team mit 84,14 Prozent Erfolgsquote.

VW-Krise und Zuschauer-Schlusslicht

Keine Frage: Die wachsende Krise beim Hauptsponsor VW schwebt in diesen Tagen wie ein Damoklesschwert über den Eishockey-Standort Wolfsburg. Dies betrifft jedoch auch den Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg (Herren und Frauen).

Die große Frage lautet: Inwieweit wird der Konzern noch die Sport-Größen in der Stadt zukünftig unterstützen können und wollen. Es ist auch angesichts der geplanten Massenentlassungen eine moralische Frage, die sich VW stellen muss.

VW-Manager Oliver Blume hatte sich zuletzt dahingehend geäußert, dass beim Sparplan „nun alles auf den Prüfstandkommt“.

Die Grizzlys Wolfsburg zählen in Sachen DEL-Etats nicht mehr zu den Top Acht der Liga. Interessant: Der Sponsorenbeitrag ist erfolgsabhängig. So mussten Charly Fliegauf und Co. bereits nach Platz elf im Vorjahr das Etat-Paket enger schnüren.

Erschwerend kommt für den Eishockey-Standort hinzu, dass das Zuschauerinteresse seit Jahren überschaubar ist. Nach den 26 Heimspielen in dieser Hauptrunde nimmt Wolfsburg mit 3332 Besuchern im Schnitt nur den letzten Platz ein.

Im Klartext: Die Zukunft des Wolfsburger Eishockeys birgt Fragezeichen. Eine sportlich erfolgreiche Saison jetzt wäre auf jeden Fall für die Grizzlys ein sehr gutes Argument, in Sachen Sponsoring nicht in ein Loch zu fallen.