Was Ex-Nationaltorhüter Matthias Hoppe bei seiner WM-Zwischenanalyse alles auf den Zeiger geht. Karsten Schulz und Wayne Hynes relativieren den deutschen Tiefgang noch.
Dass der WM-Auftakt für das deutsche Eishockey-Team in Zürich – gegen Finnland, Lettland und die Schweiz – schwer werden würde, war im Vorfeld klar. Doch die Leistungen des DEB-Teams um den inzwischen umstrittenen Bundestrainer Harold Kreis werfen immer mehr Fragen auf.
Bevor es für Deutschland am Mittwoch (20 Uhr) in der Gruppe A gegen das junge Team der USA weitergeht, befragten wir mit Matthias Hoppe, Karsten Schulz und Wayne Hynes drei Schwenninger Eishockey-Größen von früher.
Matthias Hoppe
Der einstige SERC-Keeper und Nationaltorhüter kann an einem Dienstag um neun Uhr früh schon mächtig in Rage sein – wenn er auf die bisherigen Auftritte des deutschen Teams bei der WM in der Schweiz angesprochen wird: „Ich glaube nicht, dass unsere Mannschaft noch das Viertelfinale erreicht. Das ganze Problem hat schon mit der Kaderplanung von Harold Kreis begonnen. Es war früher schon eine Klüngelwirtschaft beim DEB – und das ist es heute noch so. Früher haben sie mir gesagt, dass ich die Nummer 1 in Deutschland bin, aber eben bei einem anderen Club als Schwenningen spielen müsste, um mehr Einsätze im Nationalteam zu bekommen.“
Matthias Hoppe zeigt auf: „Nach der Niederlage gegen die Schweiz stellt sich Harold Kreis im Interview hin und sagt, dass es vor dem gegnerischen Tor zu wenig ist. Aber er lässt einen Alex Karachun und einen Dominik Bokk daheim, die jeweils eine starke DEL-Saison spielten und genau die Stürmertypen verkörpern, die dem deutschen Team nun fehlen.“
Pro Arkadiusz Dziambor
Der Schwenninger betont weiter: „Ein Arkadiusz Dziambor hat viel Potenzial. Der Junge macht die gesamte WM-Vorbereitung mit. Es wäre wichtig gewesen, ihn auch zum Turnier – allein schon zum Weiterlernen – mitzunehmen. Einen Top-Verteidiger wie Marcel Brandt lässt Kreis jahrelang links liegen. Das ist unglaublich.“
Insgesamt sieht Hoppe auch das Problem, „dass wir gerade im defensiven Bereich alles spielerisch lösen wollen anstatt mal einfach und viel mehr kampfbetont zu spielen.“
Hoppes Zwischenfazit: „Mir tut die Mannschaft leid. Harold Kreis hat mit der Vizeweltmeisterschaft nach seinem Start als Bundestrainer Impulse gesetzt. Seitdem ist von ihm kaum noch was gekommen.“
Wayne Hynes
Der frühere Nationalspieler und heutige Wild-Wings-Nachwuchscoach will etwas relativieren: „Natürlich war es gegen die Schweiz eine herbe Niederlage. Aber was viele Eishockey-Fans nicht bedenken: Wir haben international eine andere Situation als wie vor zehn Jahren. Viele Teams können viele Mannschaften inzwischen schlagen. Lettland ist in diesem Punkt auch ein positives Beispiel.“
Ob Wayne Hynes den Kader anders zusammengestellt hätte? „Das kann und darf ich nicht beurteilen. Harold Kreis hat wochenlang die Spieler fast täglich gesehen.“
Karsten Schulz
Der frühere Wild-Wings-Stürmer hat das deutsche Team gegen Lettland live vor Ort in Zürich gesehen. Für Karsten Schulz ist noch alles im grünen Bereich: „Mit Niederlagen gegen Finnland, Lettland und die Schweiz konnte man rechnen. Die Aufgabe gegen die USA am Mittwoch ist lösbar. Die restlichen Gruppenspiele gegen Ungarn, Österreich und Großbritannien werden wir gewinnen. Das Viertelfinale ist noch möglich.“
Auch der 51-Jährige bricht eine Lanze für Alex Karachun: „Wenn man sieht, welche Stürmertypen dem deutschen Team aktuell besonders fehlen, dann hätte Kara auf jeden Fall mit in die Schweiz müssen.“