In Berlin entscheiden beim 3:5 auch einige Kleinigkeiten. Coach Steve Walker zeigt Kritikpunkte auf. Am Sonntag (16.30 Uhr) kommen sportlich angeschlagene Ingolstädter.
Nicht nur Alex Trivellato war am späten Freitagabend auf Seiten der Schwenninger in der Berliner Mercedes-Benz-Arena bedient. Der italienische Nationalspieler grübelte über den gesamten, ertraglosen Road-Trip seines Teams in dieser Woche quer durch Deutschland nach und dachte offenbar auch mit etwas Grauen an die gleich beginnende, knapp elfstündige Rückfahrt zur Helios Arena.
Alex Trivellato
„Es ist bitter, wenn du zwei gute Auswärtsspiele machst und dennoch mit leeren Händen dastehst“, betonte Alex Trivellato. Warum die Wild Wings auswärts in dieser Saison bislang noch nicht in etwa das aufs Eis bringen, was sie daheim auszeichnet? „Eine gute Frage“, sagte Trivellato, „aber auf die Schnelle nicht zu beantworten“.
Coach Steve Walker hatte nach dem 1:3 in Köln am Mittwoch allerdings Recht, als er sein Team dafür lobte, „dass wir auswärts wachsen“.
Der Auftritt der Neckarstädter gegen den Tabellenführer Berlin (3:5) bewies die ansteigende Tendenz auf fremden Eis. Bei derzeit in der DEL formstarken Eisbären musst du erst einmal drei Mal in Führung liegen. Das Schwenninger Problem ist nur: Es fehlen noch Kleinigkeiten, um dann in so einem Spiel den Deckel drauf zu machen.
Die bisherige Auswärtsbilanz der Wild Wings in dieser Saison: Acht Spiele – zwei Siege – sechs Niederlagen.
Die Knackpunkte in Berlin
Zum Beispiel die Vorgeschichte zum 2:2-Ausgleich der Berliner durch Yannick Veilleux in der 40. Minute: Die Spink-Brüder ließen sich etwas zu sehr provozieren, saßen unnötigerweise zu diesem Zeitpunkt in der Kühlbox. Die 2:1-Führung hätten die Wild Wings in dieser Phase einfach in die letzte Drittelspause bringen müssen.Ein anderes Beispiel war die Entstehung der 3:3-Antwort der Eisbären: In der 50. Minute hätte Phil Hungerecker Nationalspieler Marcel Noebels bei seinem Treffer viel mehr am eigenen Tor stören müssen. Die Gäste lagen zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Minuten lang in der Crunchtime mit 3:2 in Führung, gaben aber das Momentum doch wieder zu schnell ab.
Dies sagt Steve Walker
Die Miene von Steve Walker nach dem Spiel verriet, dass sich der Schwenninger Trainer vor allem wohl über diese Gegentore ärgerte: „Wir haben es nicht geschafft, drei Führungen zu verteidigen und wir waren im letzten Drittel zu lange in unserer eigenen Zone“, so seine Kritikpunkte. Walker hatte ein sehr intensives Spiel gesehen, „in dem unsere Verteidiger einen sehr harten Job hatten“.
Berliner Stimmen
Eisbären-Coach Serge Aubin freute sich besonders darüber, „dass wir die mentale Stärke hatten, drei Mal einen Rückstand aufzuholen“.
Für den dreifachen Torschützen Marcel Noebels war mitausschlaggebend für den Heimsieg, „dass wir nach unseren personellen Ausfällen als Mannschaft gegen Schwenningen noch einmal ein Stück enger zusammengerückt sind“.
Der Blick auf den Sonntag
Nun kommt also der Vorjahres-Vizemeister Ingolstadt (Sonntag, 16. 30 Uhr) zu den Wild Wings. Steve Walker hat den Ablauf nach der Rückkehr von langen Auswärtsfahrten verändert. War in der Vergangenheit gewöhnlich nach solchen Road-Trips dennoch am Samstag Training, wurde dieses für heute Nachmittag gestrichen. „Die Jungs sollen länger regenerieren, dann am Sonntagvormittag dafür aber noch eine kürzere Einheit absolvieren“, erklärt der Schwenninger Coach.
Die Wild Wings wollen auch in ihrem siebten Heimspiel ungeschlagen bleiben. Außerdem gibt es noch eine Rechnung vom 22. September zu begleichen, als das Schwenninger Team in Ingolstadt eine 2:7-Niederlage kassierte.
Die Lage in Ingolstadt
Die Ingolstädter treten nach ihrer 2:3-Niederlage nach Verlängerung gegen Bremerhaven am Freitag sportlich weiter auf der Stelle. Der Vorjahres-Vizemeister ist nur Tabellenelfter, hat vor allem in seiner Offensive mit bisher nur 34 erzielten Treffern die größte Baustelle. Die abgewanderten Top-Angreifer Frederik Storm, Ty Ronning, Stefan Matteau oder Justin Feser konnten bis heute nicht ersetzt werden.
Dazu kommen für den smarten Coach Mark French noch negative Nebengeräusche neben dem Eis. Sein neuer Stürmer und Hoffnungsträger Travis St. Denis wurde nach dessen brutalen Check am 3. Oktober gegen den Augsburger Kapitän Dave Warsofsky für vier Spiele gesperrt. Im deutschen Eishockey gab es nicht wenige Stimmen, St. Denis viel länger aus dem Verkehr zu ziehen. Der Kanadier fehlt auf jeden Fall am Sonntag in Schwenningen.
Bei Warsofsky wurde eine schwere Gehirnerschütterung diagnostiziert. Wann der Augsburger, der sich inzwischen zu Spezialisten in die USA begeben hat, wieder spielen kann, ist völlig offen.