Wie geht es dem Schwenninger Stürmer-Talent nach dessen Sprunggelenksfraktur? Philip Feist über Fortschritte, Rückschläge, neue Bücher und den Humor von Eriksson.
Am 28. September ist es passiert. Drei Minuten hatten die Wild Wings in Berlin (2:1) noch zu spielen, da hakte sich Stürmer-Talent Philip Feist, der in der vergangenen Saison eine hervorragende Entwicklung schaffte, unglücklich mit dem rechten Fuß an der Bande ein, knickte um. Augenblicke später musste der 22-Jährige vom Eis. Die Diagnose: Fraktur des rechten Sprunggelenks. Zehn Wochen später sprechen wir an diesem Mittwochnachmittag mit Schwenningens Nummer 9. In unserem Interview erzählt er, wie er diese Zeit erlebt hat und fragen nach, ob es schon ein Zeitfenster für sein Comeback gibt.
Hallo Philip, wie geht es Ihnen heute?
Gut. Ich freue mich über die Fortschritte bei meiner Genesung. Es geht gut voran. Ich schaue zuversichtlich nach vorne.
Wie laufen Ihre Tage gerade ab?
Ich bin fast täglich gegen neun Uhr in der Arena. Zunächst behandelt mich unser Physiotherapeut. Wenn die Mannschaft ihr Warmup im Fitness-Raum absolviert hat und aufs Eis geht, absolviere ich dann dort mein rund zweistündiges Programm mit unserem Athletik-Coach Hendrik Kolbert. Danach steht noch einmal eine Physio-Behandlung an. Gegen 14 Uhr ist mein Pensum dann in der Regel für den Tag beendet.
In welchen Stadium des Rehatrainings befinden Sie sich gerade?
Das ist vielfältig – mit Kraftraining, Koordinations- und Stabilisationsübungen. Natürlich arbeite ich dazu auch im Ausdauerbereich, beispielsweise auf dem Ergometer.
Blicken wir noch einmal zurück auf das letzte September-Wochenende, als die Verletzung in Berlin passierte. Was hat sich unmittelbar danach alles abgespielt?
Die erste Diagnose hörte sich eher nach einer Bänderverletzung an. Nach unserer Rückkehr aus Berlin bin ich mit Krücken in die orthopädische Abteilung des Donaueschinger Krankenhauses rein – und mit dem Rollstuhl wieder raus, weil nach der Untersuchung dann feststand, dass es eine Fraktur war. Das war schon ein sehr krasses Erlebnis. Ich hatte bis dahin noch nie so eine schwere Verletzung. Ich wurde im Schwarzwald-Baar-Klinikum operiert. Das betroffene Sprunggelenk wurde für sechs Wochen ruhig gestellt. Danach musste ich erst einmal wieder gehen lernen. Den Übergang hatte ich mir viel leichter vorgestellt. Ich konnte die Belastung steigern, musste aber auch geduldig sein, um den Bogen nicht zu überspannen. Das operierte Gelenk schwoll an, weil ich wohl auch zu viel gemacht hatte.
Wie haben Sie die vergangenen Wochen mental erlebt?
Es gab logischerweise über so eine lange Zeitspanne gute und weniger gute Tage in dieser Hinsicht. Meine Familie und die Mannschaft haben mich aber hervorragend unterstützt. Um mich abzulenken, habe ich zum Beispiel in der freien Zeit wieder vermehrt Bücher gelesen.
Das Zuschauen fällt natürlich auf der Tribüne besonders schwer?
Klar. Man will ja der Mannschaft helfen und kann es nicht. Aber es war sehr interessant, unser Spiel, unsere Leistungen einmal aus dieser ganz anderen Perspektive von oben zu erleben. Die Jungs haben mich auch öfters in den vergangenen Wochen mal um meine Meinung gefragt.
Was werden Sie alles an Erfahrungen aus dieser nicht einfachen Zeit mitnehmen?
Einiges. Bei so einer Verletzungspause wird dir wieder einmal richtig bewusst, was für einen privilegierten und schöne Beruf du hast. Dass jedes Training, jedes Spiel ein wichtiger Mosaikstein in deiner Karriere ist.
Gibt es in etwa schon ein Zeitfenster für Ihre Rückkehr? Geht es nach ihrem Torhüter sind Sie an diesem Wochenende schon wieder im Einsatz.
(lacht). Ja, der Joacim (Eriksson, Anm.d.Red.). Jeden Morgen fordert er mich in der Kabine auf, gleich mit aufs Eis zu gehen. Ich finde seinen Humor cool und es tut auch gut. Aber im Ernst: Ich hoffe, dass ich so in zwei Wochen mal wieder die Schlittschuhe anziehen und ein paar Übungen auf dem Eis machen kann. Alles weitere muss man sehen.