Schwenninger spielen eine ihrer großen Partien der vergangenen Jahre. Aber in der 104. Minute sorgt Haie-Verteidiger Jan Luca Sennhenn für das 2:1. Kölner stehen im Halbfinale.
Was für eine Eishockey-Nacht zwischen den Wild Wings und Köln! Erst in der 104. Minute (in der dritten Verlängerung) um 23.40 Uhr fiel am Dienstagabend die Entscheidung. Schwenningen zeigte in einem denkwürdigen Duell eine großartige Leistung, war in vielen Phasen das bessere Team. Doch die Wild Wings konnten nicht mehr für das fünfte Spiel in der Viertelfinal-Serie. Mit 4:0 schaffen die Haie einen „Sweep“.
Die Ausgangslage
Bei den Schwenningern gab es in der Startformation eine Überraschung. In der Verteidigung spielte Dominik Bittner erstmals in diesen Playoffs für Alex Trivellato. Im Angriff kehrte Tim Gettinger für Felix Scheel zurück.
Bei den Haien kehrte der zuletzt verletzte Juhani Tryväinen zurück. Vor dem vierten Spiel der Serie sagte Angreifer Dominik Bokk: „Schwenningen wird uns einmal mehr alles abverlangen, ich erwarte ein enges Duell mit vielen Zweikämpfen auf dem Eis. Alle bisherigen drei Spiele der Serie waren umkämpft und eng. Wir freuen uns über die drei Siege, wissen aber auch, dass die Serie noch lange nicht vorbei ist.“
Wild Wings starten stark
Im ersten Drittel war Schwenningen das Team mit mehr Spielanteilen und den besseren Möglichkeiten. Danny O’Regan verzeichnete die erste Chance für die Gäste (4.). Dann kam erstmals richtig Feuer in die Partie: Will Weber „verprügelte“ Kevin Niedenz – Tyson Spink musste für zehn Minuten auch noch runter.
In der achten Minute scheiterte Philip Feist knapp an Haie-Keeper Janne Juvonen. Die Kölner lauerten auf Fehler der Wild Wings, waren im Kontern gefährlich. Zwischen Jordan Szwarz und Juhani Tryväinen gab es in der 17. Minute die nächste Boxeinlage. Mit 0:0 ging es in die erste Pause.
Wild-Wings-Angreifer Sebastian Uvira lobte sein Team: „Wir machen bislang ein sehr gutes Spiel, haben die besseren Chancen. Wir müssen aber effektiver werden.“
Schwäne betreiben einen hohen Aufwand
Im Mittelabschnitt bauten die Kölner in den ersten zehn Minuten viel Druck auf. Kyle Platzer kassierte zwei plus zwei Minuten – Haie-Topscorer Patrick Russell erzielte im Powerplay (24.) das 1:0.
Die Schwäne entledigten sich dann wieder dem Druck und betrieben um das Tor von Janne Juvonen einen großen Aufwand. Aber es fehlte den Gästen in dieser Phase der direkte Zug zum Tor. Mit dem knappen 1:0 für die Rheinländer ging es in den Schlussabschnitt.
Hochverdienter Ausgleich
Im letzten Drittel waren sechs Minuten gespielt, als Tyson Spink eine Großchance auf dem Schläger hatte – zwei Zeigerumdrehungen später traf Gettinger nur den Pfosten. Die Kölner schalteten nun in den Vorsprung-Verwaltungsmodus um. Die destruktive Spielweise der Gastgeber wurde bestraft: 1:55 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit schaffte Mirko Höfflin den hochverdienten 1:1-Ausgleich und öffnete den Wild Wings kurz vor 22 Uhr die Türe zur Verlängerung.
Die drei Verlängerungen
In der ersten Overtime zeigte Eriksson in den ersten Minuten starke Aktionen. Dann besaß Schwenningen gute Chancen. Um 22.53 Uhr ging es in die zweite Verlängerung. Die Kioske in der Lanxess Arena hatten da schon Feierabend gemacht.
In den zweiten 20 Minuten waren die Schwäne das bessere Team, hatten die klareren Möglichkeiten. Das fünfte Spiel der Serie lag förnlich in der Luft.
Ab 23.32 Uhr stand die dritte Overtime an. Philip Feist hatte zuvor nach hochintensiven 100 Minuten schon versichert: „Wir fühlen uns noch gut, stehen auch sicher. Es ist ein brutales Eishockeyspiel.“
Siegtorschütze Sennhenn hätte fast gar nicht gespielt
In der 104. Minute fiel die Entscheidung. Jan Luca Senhenn zog erfolgreich zum alles entscheidenden 2:1 ab. Ausgerechnet Sennhenn! Der Haie-Verteidiger hatte am Vormittag noch die Spielbesprechung des Kölner Teams regelrecht verschlafen. Sein Coach Kari Jalonen strich Sennhenn aber nach diesem Faux-pas nicht aus dem Kader.
Das sagt Steve Walker
Der Schwenninger Coach zeigte sich stolz auf sein Team: „Wir haben die Serie gegen ein sehr starkes Kölner Team enger gemacht, als es viele vorher glaubten. Dieses vierte Spiel war ein Spiegelbild von den ersten drei Spielen. Die Mannschaft hat sich wieder zurückgekämpft, aber nicht belohnt. Ich bin auch stolz auf die Fans, die uns heute wieder hervorragend unterstützt haben.“
Statistik
Köln – Wild Wings 2:1 (0:0, 1:0, 0:1,1:0) n.V.
Tore: 1:0 Russell (23:36 – Assists: Aubry, Schnarr). 1:1 Höfflin (58:05/5:6 – Tylor Spink), 2:1 Sennhenn (103:10)
Strafen: Köln: 14 – Wild Wings: 18 plus zehn Minuten Tyson Spink (5.).
Schiedsrichter: Kozari/Schrader.
Zuschauer: 18 600 (ausverkauft).