Seit Jahren im deutschen Eishockey geschätzt: Der Schwenninger Athletik-Coach Hendrik Kolbert – hier beim Deutschland-Cup – zählt bei den Olympischen Spielen zum Trainerstab der Nationalmannschaft. Foto: Eden/City-Press

Hendrik Kolbert erlebt beim deutschen Eishockey-Team um Superstar Leon Draisaitl seine ersten Olympischen Spiele. Er gewährt Einblicke in seinen Arbeitsbereich.

Für Hendrik Kolbert geht ein großer Kindheitstraum in Erfüllung. Der Athletikcoach der Schwenninger Wild Wings zählt bei den Olympischen Spielen in Italien zum Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft. An diesem Samstag geht es für den 42-Jährigen mit der Anreise zum Team nach München los. Nach zwei Weltmeisterschaften mit der DEB-Auswahl ist Olympia für den gebürtigen Sachsen international der nächste große Höhepunkt.

 

Im Interview spricht der in seiner Freizeit begeisterte Allroundsportler über seine Gefühle, seine Aufgaben und seine Erwartungen beim wohl stärksten olympischen Eishockey-Turnier in Mailand aller Zeiten. Er verrät auch, wer ihn daheim in Schwenningen nun vertritt.

Hendrik, wie fühlt es sich denn kurz vor Ihren ersten Olympischen Spielen an?

Ich kann es noch gar nicht so richtig in Worte fassen. Ich glaube, ich realisiere das erst, wenn es an diesem Wochenende richtig losgeht. Meine Nominierung wurde ja erst jetzt offiziell. Ich mache seit dem Kindesalter Sport, habe immer mit meiner sportbegeisterten Familie die Olympischen Spiele früher am Fernseher verfolgt. Mein Großvater hat wohl sämtliche Bücher über Olympia gesammelt. Für mich geht ein großer Lebenstraum in Erfüllung.

Worauf freuen Sie sich denn am meisten?

Einfach schon allein dabei sein zu dürfen und unserem Team dabei zu helfen, bestmöglich erfolgreich zu sein. Wir haben sportlich wie charakterlich eine Supertruppe. Ich bin überzeugt davon, dass wir insgesamt ein sehr gutes Olympia-Turnier erleben, denn die Crème de la Crème an Spielern ist dabei. Ich bin auch ein wenig stolz, ein Teil davon zu sein. Vielleicht klappt es ja zeitlich, dass ich auch noch andere Spiele des Turnieres anschauen kann.

Sie werden mit der deutschen Nationalmannschaft am 6. Februar ab 20 Uhr bei der Eröffnungsfeier dabei sein.

Das wird bestimmt auch ein ganz besonderer Moment für mich.

Was schätzen Sie insgesamt die Zusammenarbeit im deutschen Trainerteam unter Bundestrainer Harold Kreis seit knapp drei Jahren ein?

Da ist ein sehr großes gegenseitiges Vertrauen da. Das ist ein ganz feines Arbeiten mit einer sehr guten Kommunikation untereinander.

Haben Sie ihren Arbeitsplan mit der Mannschaft in Mailand schon fertig ausgearbeitet?

Ideen oder Pläne habe ich für meinen Bereich bereits im Kopf oder schon im Konzept. Aber wir werden natürlich – in Abstimmung mit dem gesamten Trainerstab – das vor Ort noch im Detail ausarbeiten. Es geht für mich im Kern bei den Olympischen Spielen um die jeweilige Spielvorbereitung im athletischen Bereich und um das Arbeiten mit den Spielern, die weniger zum Einsatz kommen. In der einen Woche vor den Spielen können wir sicherlich noch intensiver trainieren.

Haben Sie schon Kenntnisse über die Arbeitsbedingungen des deutschen Teams in Mailand?

Ja, auch wenn ich die Gegebenheiten vor Ort noch nicht gesehen habe. Aber den Informationen und Plänen nach sind die Rahmenbedingungen ausgezeichnet.

Einige Spieler im deutschen Team – wie Kai Wissmann oder Mathias Niederberger – waren länger verletzt und sind erst vor Kurzem wieder zurück im Spielbetrieb. Werden Sie auch auf diese Spieler in den kommenden Wochen als Athletik-Coach ein besonderes Augenmerk legen?

Ja. Ich habe auch beispielsweise zuletzt mit meinem Kollegen von den Eisbären Berlin wegen Kai Wissmann ausführlich gesprochen.

Die räumlichen Distanzen zwischen den Olympia-Stätten sind in Italien relativ groß. Werden Sie dennoch andere Sportarten besuchen können?

Eher nein, weil der Zeitplan für uns sehr eng getaktet ist und wir ja während der gesamten Turnierzeit in Mailand sein werden.

Wer wird Sie bei den Wild Wings im Februar vertreten?

Ben Walker wird das Athletik-Training übernehmen. Wir haben bereits die Planungen besprochen. Angesichts der langen Pause für unsere Mannschaft wird der Februar so etwas wie eine kleine zweite Saisonvorbereitung. Ich hoffe natürlich (lacht), dass mich Ben ziemlich lange vertritt, denn dies würde bedeuten, dass wir mit unserem Nationalteam ziemlich weit kommen.