Der Schwenninger „Dauerbrenner“ Boaz Bassen über den Wohlfühlfaktor seit sieben Jahren, über sein Allround-Talent, was er von seiner Lebensgefährin lernt und Düsseldorf.
Was hat Boaz Bassen mit dem Kölner „Mo“ Müller oder dem Manheimer Matthias Plachta in der DEL gemeinsam? Der Schwenninger Fan-Liebling zählt in der schnelllebigen Eishockey-Welt nicht zum Kreis der „umherziehenden“ Profis, sondern zu den Spielern, die in ihren Clubs aufgrund ihrer langjährigen Treue absolute Identifikationsfiguren geworden sind. Bei den Wild Wings ist der erst 26-Jährige der dienstälteste Profi. Seit sieben Jahren spielt er für Schwenningen in der DEL.
Längst wissen die Wild-Wings-Anhänger was sie an ihrem Allrounder – zwischen Verteidigung und Angriff konstant wechselnd – haben. Die Wertschätzung für den „Bo“ wird immer größer. Vor allem auch bei seinem Chefcoach Steve Walker: „Boaz ist ein großes Gesicht der Wild Wings. Er ist als Spieler gereift und hat einen großartigen Charakter. Ich sehe Boaz im Moment mehr als Verteidiger. Seine Schnelligkeit und auch sein gutes Auge für das Spiel zählen zu seinen Stärken“, sagt und strahlt der Wild-Wings-Trainer.
Wir sprachen mit dem gebürtigen Neckarstädter, dessen Vertragsverlängerung offenbar nur noch eine Formsache ist.
Boaz, am 28. Dezember haben Sie ihr 300. DEL-Spiel, alle für die Wild Wings, in Köln absolviert. Was hat diese Zahl mit Ihnen gemacht?
Das war ein wirklich cooler Moment für mich und sicher auch für meinen Vater, der ja früher auch für Schwenningen gespielt hat.
Wir leben in einer Zeit, egal ob im Fußball oder im Eishockey, in der die Spieler kaum über eine so lange Phase wie Sie bei einem und denselben Club bleiben. Sie zählen zu den Ausnahmen. Warum fühlen Sie sich in Schwenningen seit Jahren so wohl?
Das ist eine gute Frage, denn ich habe ja auch die schwierigen Zeiten bei den Wild Wings erlebt. Es ist hier – im Gegensatz vielleicht zu den Clubs in den Großstädten – eher alles familär. Als Mannschaft und auch als Club. Ich fühle mich hier einfach sehr wohl.
Warum sind die Zeiten bei den Wild Wings besser geworden?
Unsere Mannschaft ist erfolgreich zusammengewachsen. Wir haben sehr gute Trainer. Unsere Importspieler heute sind jünger, hungriger und stärker als die, die vor einigen Jahren bei uns waren. Im Club sind sehr professionelle Strukturen herangewachsen. Wir sind jetzt in jedem Jahr ein Play-off-Kandidat.
Ihre Rolle in der Mannschaft und in der Kabine hat sich auch im Laufe der Zeit gewandelt.
(lacht). Ja, ich zähle ja nicht mehr zu den jungen Spielern. Ich sage jetzt schon mehr als früher. Ich versuche vor allem auch unseren neuen Mitspielern immer zu helfen, sich bei uns – auch privat – gut zurechtzufinden.
Bemerkenswert ist auch, dass Sie zwischen Verteidigung und Angriff ständig hin- und her switchen können. Was macht mehr Spaß?
Ich habe im Nachwuchsbereich schon einmal Verteidiger gespielt. In der Defensive hast du den Vorteil, das Spiel vor dir zu haben. Aber ich spiele gerne auch im Angriff.
In der Offensive sind Sie – im Vergleich zu früher – torgefährlicher geworden.
Dies hat auch mit mehr Selbstvertrauen im Laufe der Jahre zu tun.
Könnte es trotz ihrer Liebe zu Schwenningen auch irgendwann sein, dass Sie etwas Neues machen möchten?
Meine Lebensgefährtin arbeitet in Düsseldorf. Wenn die DEG eines Tages wieder aufsteigt, könnte es vielleicht eine Option sein. Wir werden sehen (lacht).
Aber in Sachen Vertragsverlängerung nun bei den Wild Wings sieht es ganz gut aus?
(lacht erneut). Ja, könnte sein.
Ihre Lebensgefährtin, Tabea Mose, war früher eine sehr erfolgreiche Schwimmerin beim SC Villingen. Konnten Sie sich von ihr etwas für ihr Eishockey abschauen?
Ja, da gibt es einen Punkt. Sie war damals in den USA einmal länger verletzt, ist damit mental sehr gut damit umgegangen. Von ihrer mentalen Stärke habe ich mir schon etwas für meinen Bereich abgeschaut.