Die Panthers wollen nun erst einmal erfolgreich die Play-offs in der ProA absolvieren. (Archiv) Foto: Michael Kienzler

Die wiha Panthers Schwenningen werden die kommende Saison erneut in der ProA bestreiten – unabhängig vom sportlichen Ende der laufenden Spielzeit. Die Entscheidung gegen einen BBL-Lizenzantrag ist den Verantwortlichen nicht leicht gefallen.

15. April, 18 Uhr. So steht es in den Lizenzstatuten der easyCredit Basketball Bundesliga geschrieben. An diese Deadline mussten sich die Verantwortlichen der wiha Panthers Schwenningen halten, bis dahin hätte ein Lizenzantrag auf der BBL-Geschäftsstelle vorliegen müssen. "Wir haben uns bis zum Schluss alle Möglichkeiten offen gehalten. Zur Not hätten wir jemanden mit dem Auto nach Köln geschickt, um den Antrag einzuwerfen", erzählt Panthers-Geschäftsführer Michael Krivanek.

Am Ende kam man in Schwenningen aber zu dem Schluss, dass sich der Wunsch nach einer BBL-Lizenz in diesem Jahr noch nicht erfüllen wird. Wenig überraschend spielt die Corona-Pandemie dabei eine entscheidende Rolle. "In einem normalen Jahr hätten wir es geschafft, aber es gibt in diesen Zeiten zu viele Unwägbarkeiten. Wir wollten keine Entscheidung treffen, die uns in den nächsten Jahren zu sehr belasten könnte", so Krivanek zu den Hintergründen der Entscheidung, die man "schweren Herzens" getroffen habe.

Der Etat

Letztendlich ließ sich der Verzicht auf einen Knackpunkt herunterbrechen: die hohen Anforderungen in Sachen Mindestetat in der BBL. In den Lizenzstatuten ist ein Etat von mindestens 2,5 Millionen Euro für Teams vorgeschrieben, die in der Bundesliga spielen wollen. Der Etat der Panthers für die aktuelle Saison beträgt 480 000 Euro. Dieser nötige Sprung erwies sich als zu groß.

"Wir haben in den letzten Wochen viele positive Gespräche mit bestehenden und potenziell neuen Sponsoren geführt. Die Signale, dass im Falle des sportlichen Aufstiegs die entsprechende Unterstützung vorhanden wäre, haben uns sehr gefreut. Aber in Corona-Zeiten befindet sich natürlich jedes Unternehmen in einer schwierigen Lage. Deshalb wollten wir unseren Sponsoren keine Entscheidungen abverlangen", berichtet Michael Krivanek.

Das Eigenkapital

Abgesehen vom hohen Mindestetat sahen sich die Schwenninger in einer finanziell vielversprechenden Position. Die BBL-Anforderungen an das Eigenkapital in der Bilanz – mindestens 250 000 Euro – wäre eine Hürde gewesen, die man hätte überspringen können. "Dieses Kapital kann auch durch Bürgschaften von Sponsoren gesammelt werden. Diese Anforderung hätten wir erfüllen können. Eine Corona-Sonderregelung gibt es allerdings zu beachten: "Für die kommende Saison darf in den Finanzplanungen mit maximal 50 Prozent der Ticketeinnahmen gerechnet werden", bestätigte Jens Staudenmayer, sportlicher Leiter der BBL, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Halle

Mindestens 3000 Plätze muss eine BBL-taugliche Spielstätte vorweisen können – in der Doppelstadt drängt sich da natürlich die Helios-Arena auf. Spiele im Wohnzimmer der Schwenninger Wild Wings müssten also zur Tagesordnung werden. "Auch in dieser Hinsicht bin ich überzeugt, dass wir eine Lösung gefunden hätten. Es wäre zwar ein großer Aufwand, jedes Mal das Eis abzudecken und das Parkett zu verlegen, aber wir haben ja 2019 bei dem Spiel gegen Tübingen vor mehr als 4000 Zuschauern gezeigt, dass es möglich ist", meint Krivanek.

Wäre der Umzug von der Deutenberghalle in die Helios-Arena auch in der ProA eine Option? "Das kommt darauf an, wie sich die Zuschauerzahlen entwickeln werden. Sollte jedes Heimspiel ausverkauft sein, ist das sicherlich ein Schritt, den wir uns überlegen könnten. Wenn wir dann aber in der Helios-Arena nur vor 2000 Zuschauern spielen, dann sieht es einfach zu leer aus und der finanzielle Aufwand würde sich nicht lohnen."

Die dritte Option: eine eigene Halle. "Das ist natürlich ein Wunsch von uns. Zum Beispiel in Heidelberg wird ein solches Projekt gerade umgesetzt. Es könnte irgendwann dazu kommen, dass wir zusammen mit anderen Klubs, wie den Volleyballern oder Handballern, unsere eigene Halle bekommen."

Die Mitarbeiter

Laut BBL-Statuten muss ein Verein mindestens vier hauptamtliche Mitarbeiter und zwei Nachwuchstrainer beschäftigen. "Das wäre das kleinste Hindernis gewesen", verrät Krivanek.

Der Nachwuchs

Stand jetzt haben die Panthers noch keine Nachwuchsmannschaft in der JBBL gemeldet – allerdings gilt diese Auflage auch schon in der ProA. "In jedem Jahr, in dem man keine JBBL-Mannschaft hat, muss man eine Strafe zahlen – das tun wir auch jetzt schon. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch in dieser Sache schon bald die nächsten Schritte gehen können. Selbst wenn wir diese Auflage nicht alleine bewerkstelligen könnten, gäbe es auch andere Wege – zum Beispiel die Kooperation mit einer anderen Stadt", blickt der Panthers-Geschäftsführer zuversichtlich nach vorne.

Große Motivation

Die Deadline ist verstrichen, die Entscheidung schweren Herzens gefallen. Unabhängig vom sportlichen Ende der laufenden Saison steht also fest, dass die Panthers auch in der nächsten Spielzeit wieder in der ProA antreten werden. Trotz dieser Entscheidung ist Michael Krivanek davon überzeugt, dass die Mannschaft mit voller Motivation in die Play-offs gehen wird. "Ich glaube nicht, dass es unsere Jungs belasten wird. Es ist die heiße Phase der Saison, jeder will noch mal alles geben und voll fokussiert die Play-offs spielen." Auch wenn der sportliche Aufstieg gelingen sollte – in Schwenningen wird man auf Bundesliga-Basketball mindestens noch ein Jahr länger warten müssen.

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