Panthers-Coach Alen Velcic wird seine Mannschaft in den nächsten Tagen auf die Play-off-Runde vorzubereiten. Foto: Eibner

Panthers-Coach Alen Velcic will mit seinem Team fokussiert und hungrig in die ProA-Play-offs gehen. Erstmals in der Vereinsgeschichte spielen die Schwenninger um den Aufstieg in die Bundesliga.

Die ProA-Hauptrunde ist für die wiha Panthers Schwenningen beendet, die Play-offs rücken näher. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte spielen die Schwenninger um den Aufstieg in die Basketball-Bundesliga. Im Interview mit unserer Zeitung lässt Panthers-Coach Alen Velcic die Saison Revue passieren, blickt auf die Endrunde voraus und betont, wie stolz er auf die Leistungen seines Teams ist.

Herr Velcic, die reguläre Saison ist vorbei, die Play-offs stehen vor der Tür. Wie lässt sich ihre aktuelle Gefühlswelt beschreiben, wenn Sie auf die vergangenen sechs Monate zurückblicken?

Es war manchmal eine Achterbahn der Gefühle, aber der Stolz überwiegt eindeutig. Obwohl wir mit schwierigen Umständen und einem kleinen Etat in die Saison gestartet sind, haben wir uns das Ziel Play-off-Teilnahme selbst auferlegt – und dieses Ziel haben wir erreicht. In unserem zweiten Jahr in der ProA mit einer neu zusammengewürfelten Mannschaft auf Rang 6 oder 7 (Kirchheim würde mit einem Sieg am letzten Spieltag noch an den Panthers vorbeiziehen, Anm. d. Red.) zu landen, ist eine riesige Leistung! Leider haben wir uns in den letzten beiden Spielen von unserer schlechtesten Seite gezeigt, aber ich bin mir sicher, dass wir in den Play-offs wieder voll angreifen können.

Welche Spiele oder Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Die Niederlagen in Jena und in Bremerhaven haben mich besonders gewurmt, weil sie unnötig waren und nur Nuancen ausschlaggebend waren. Der Heimsieg gegen Heidelberg war sehr beeindruckend. Auch wenn die Ergebnisse unterschiedlich waren, haben wir in diesen drei Spielen gezeigt, dass wir mit diesen Top-Teams auf Augenhöhe mithalten können. Diese Partien stehen stellvertretend dafür, wie stolz ich auf meine Mannschaft bin.

In den 27 Saisonspielen haben die Panthers im Schnitt 78,6 Punkte pro Partie gemacht und stellen damit die schlechteste Offensive der Liga. 78,2 gegnerische Punkte pro Spiel sind hingegen der zweitbeste Wert der ProA. Was macht Ihr Team defensiv so stark? Und was sind die offensiven Baustellen?

In der Defense sind vor allem Willen und Einsatz entscheidend, nicht Talent. Die Jungs haben schnell verstanden, was wir in der Verteidigung von ihnen wollen. Offensiv hingegen stellen wir uns manchmal noch wie eine Schülermannschaft an. Wir haben das Team vor der Saison komplett neu zusammengestellt und hatten dabei nicht die finanziellen Mittel, gestandene ProA- oder BBL-Spieler zu verpflichten. Das offensive Talent ist da, aber oftmals fehlt uns noch die Erfahrung und das Selbstvertrauen auf diesem Niveau. Deswegen sind wir in der Offense noch zu inkonstant.

Jetzt geht es in den Play-offs um den Aufstieg in die BBL. Glauben Sie, dass Ihnen Ihre Spielweise und die starke Defense auf diesem nächsten Level besonders zugute kommen wird?

Wie heißt es so schön? "Defense wins championships" (lacht). In den Play-offs wird genauso Basketball gespielt wie in der regulären Saison. Auf diesem Level kommt es auf den Willen und die Mentalität an. Wir müssen zu 100 Prozent fokussiert und hungrig sein.

Kommt den Panthers das neue Play-off-Format entgegen? Statt den gewohnten Serien wird ja in zwei Vierer-Gruppen jeweils ein Finalteilnehmer ermittelt.

Ich glaube, dieser Modus wird uns auf jeden Fall gut liegen. Es ist im Prinzip eine Mini-Saison mit sechs Spielen in zweieinhalb Wochen. Da geht es nicht um Talent, sondern um mentale Stärke. Ab sofort sind nur noch die besten acht Teams der Liga dabei – in diesem Feld kann jeder gegen jeden gewinnen. Wir wissen, dass wir mit allen Gegnern mithalten können und dass in sechs Spielen alles passieren kann.

Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in die Play-offs?

Wir nehmen uns vor, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen. Das bezieht sich aber nicht unbedingt auf die Play-offs. Wir sind Sportler, das liegt in unserer Natur. Wenn wir auf dem Parkett stehen, wollen wir gewinnen – ganz egal, wer auf der anderen Seite steht. Aber natürlich geben wir nicht den Aufstieg als Ziel aus, wir müssen nicht aufsteigen. Wir mussten auch nicht in den Play-offs spielen – und doch sind wir hier. Wir können komplett ohne Druck aufspielen – auch das kann ein großer Vorteil sein.

Wie ist aktuell die Stimmung in der Mannschaft? Sind die enttäuschenden Auftritte zuletzt in Rostock und Ehingen noch sehr präsent in den Köpfen?

In den letzten beiden Spielen hat uns einfach die mentale Anspannung gefehlt, nachdem wir das Play-off-Ticket bereits gelöst hatten. Diese Spannung müssen wir jetzt wieder hochfahren. Wir versuchen gerade, die Jungs aufzulockern und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie auf diese Saison extrem stolz sein können. In den letzten Tagen wurde im Training viel gelacht. Ich habe das Gefühl, dass die Jungs gut drauf sind. In den kommenden Tagen wird es unsere Aufgabe sein, die Spieler wieder scharf zu machen. Als Trainer merkst du vor einem Spiel, ob deine Mannschaft heiß und fokussiert ist. Da spürst du das Knistern, wenn du in die Kabine kommst. Vor der vorhin angesprochenen Partie gegen Heidelberg habe ich dieses Knistern extrem gespürt, zuletzt in Rostock und Ehingen nicht. Wir brauchen dieses Knistern in den Play-offs!

Was ist die wichtigeste Botschaft, die Sie Ihren Spielern mit auf den Weg in die Play-offs geben wollen?

Genießt es, Jungs! Ihr habt euch in dieser Liga etabliert und viel Respekt verdient. Niemand hat damit gerechnet, dass wir am Ende der Saison so weit oben stehen würden. Jetzt kommt die Kür, mit der ihr euch noch mehr Respekt verdienen könnt. Ihr habt nichts zu verlieren und könnt frei aufspielen. Und ihr könnt Geschichte schreiben!

Lassen Sie uns zum Abschluss noch über das große Ganze sprechen. 2018 waren Sie mit Ihrer Mannschaft noch in der Regionalliga beheimatet, jetzt spielen Sie um den Aufstieg in die Bundesliga. Was soll der nächste Schritt sein?

Ich sage es immer wieder: Man darf nie vergessen, woher wir kommen und welche Mittel wir zur Verfügung haben. Wenn man sich das vor Augen führt, sind die Erfolge umso beachtlicher. Aber es ist keineswegs ein Zufall, dass wir heute hier stehen. Diese Erfolge sind das Ergebnis von harter Arbeit, akribischer Planung und viel Engagement von Verantwortlichen, Helfern und Sponsoren. Als nächsten Schritt würde ich mir wünschen, dass wir mit dem, was wir hier tun, noch viel mehr Menschen in der Region erreichen können. Ich würde mir wünschen, dass wir als zweite Leuchtturm-Mannschaft neben den Wild Wings wahrgenommen werden, wie das zum Beispiel in Bremerhaven und Iserlohn der Fall ist. Dort koexistieren professionelle Eishockey- und Basketball-Mannschaften und beide Sportarten generieren viel Begeisterung. Ich habe leider das Gefühl, dass der Verein und die Mannschaft hier in der Region noch nicht die Wertschätzung erfahren, die sie verdient hätten. Aber vielleicht liegt das auch an meiner Ungeduld (lacht). Ich bin ein ungeduldiger Mensch.

Haben Sie in dieser Hinsicht eine positive Entwicklung feststellen können?

Absolut! Und das macht mich sehr stolz und dankbar – ich will auf keinen Fall jammern. In den letzten Jahren gab es einen großen Basketball-Aufschwung – mit dem Derby gegen Tübingen in der Helios-Arena als Höhepunkt. Die Verbindung zu unseren Fans ist ein wichtiger Grundpfeiler des Vereins. Wir sind auf einem sehr guten Weg.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: