Volles Okoberfest aus Vor-Corona-Zeiten. Dieses Jahr gibt es erstmals wieder nach zweijähriger Zwangspause wieder eine Wiesn. Foto: Tobias Hase/dpa

Wieso heißt es Ozapft is - und wie kommt man, ganz praktisch, aufs Oktoberfestgelände? Was ist ein Noagerl? Was ist gemeint, wenn jemand anbandeln will? Alles Wissenswerte zum Oktoberfest.

München (dpa/lby) - Nach zwei Jahren Corona-Pause wird erstmals wieder das Oktoberfest gefeiert. Am Samstag ist Anstich - oder heißt das Ozapft? Wie groß darf die Tasche auf dem Festgelände sein, wo kann man parken? Vieles ist über die lange wiesnlose Zeit in Vergessenheit geraten. Eine kleine Auffrischung - und das Wichtigste zum neuen Thema Corona auf der Wiesn.

Der Überblick

Corona-Regeln: Die Wiesn findet wie alle Volksfeste ohne Auflagen statt. Erst in den öffentlichen Verkehrsmitteln muss wieder die Maske her.

Infektionsgefahr: Mediziner rechnen durch das Fest mit einer neuen Corona-Welle. Die Infektionsgefahr vor allem im Bierzelt sei hoch. Sie raten Menschen mit erhöhtem Risiko, das Fest zu meiden - oder jedenfalls nicht im Zelt zu feiern. Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) mahnte im Bayerischen Rundfunk, wer sich nicht gesund fühle oder vulnerablen Gruppen angehöre, sollte "eher nicht hingehen".

Anstich: Um Punkt 12.00 Uhr sticht der Münchner
Oberbürgermeister am ersten Wiesn-Samstag in der Anzapfboxe im Schottenhamel-Zelt das erste Fass an.

Ozapft is: Das ist der traditionelle Ruf des Stadtoberhaupts, wenn das erste Bier aus dem 200-Liter-Fass rinnt. Damit ist das Fest eröffnet.

Bier: Vorsicht! Stärker als normales Bier. Es hat bei einer höheren Stammwürze 5,8 bis 6,4 Prozent Alkohol, normales Helles hat etwa 4,8 Prozent. Eine Maß enthält so viel Alkohol wie acht Schnäpse, fünf Maß entsprächen einer Flasche Schnaps. Folgen: oft unschön.

Maß: Im Maß-Krug wie das Bier serviert. Die Maß - weiblich! - sollte einen Liter Bier enthalten, wobei Kontrolleure auf der Wiesn ein Auge zudrücken. In der Eile ist es wegen des Schaums schwer, die Maß wirklich voll zu bekommen.

Noagerl: Der unappetitliche Rest in der Maß heißt Noagerl und teilt die Welt in drei Typen von Trinkern: Die, die auf den letzten Schluck verzichten, die, die ihn trinken, und die, die ihn gleich in die nächste Maß kippen.

Preise: Der Preis für einen Liter Festbier variiert zwischen 12,60 Euro und 13,80 Euro. Das ist ein Plus von 15,77 Prozent im Vergleich zur letzten Wiesn 2019. Bei den Speisen soll es nicht ganz so viel sein. Die explodierenden Gas- und Stromkosten werden aber nicht auf die Gäste durchschlagen, es gelten festgelegte Energie-Preise.

Bierzelt: Meist voll. Gute Chancen auf einen Platz gibt es mittags. Die reservierbaren Plätze sind fast überall weg. Vorsicht bei Internet-Angeboten: Dort werden Reservierungen zu astronomischen Preisen gehandelt, mit vierstelligen Beträgen für einen Tisch. Wirte wehrten sich teils gerichtlich erfolgreich gegen die Zweitverkäufe.

Öffnungszeit: Kompliziert. Ab 9.00 Uhr dürfen Gäste aufs Festgelände. Die Zelte öffnen am Wochenende und feiertags um 9.00 Uhr und unter der Woche 10.00 Uhr bis 23.30 Uhr. Der Ausschank endet unterschiedlich. Fahrgeschäfte beginnen nach dem Eröffnungstag ab 9.00 Uhr und sind in der Regel bis 23.30 Uhr offen. Am Freitag, an den Samstagen und am dritten Sonntag schließen sie um Mitternacht. Die Oidn Wiesn hat andere Zeiten: Sie ist von 10.00 bis 22.30 Uhr offen.

Gepäck: Am besten zuhause lassen. Gepäckaufbewahrung ist an den Eingängen aber möglich. Erlaubt sind Taschen und Rucksäcke mit einem Volumen bis drei Liter. Die Festleitung sprach der Anschaulichkeit halber stets von drei Milchtüten - was für die meisten Gäste nicht wirklich Sinn machen dürfte, wer nimmt schon drei Liter Milch mit auf die Wiesn, wo es doch Bier gibt.

Autofahren und Parken: Aussichtslos. Deshalb Park & Ride an einem ferner gelegenen S- oder U-Bahnhof am Stadtrand. Im weiteren Umkreis um das Festgelände gibt es einen Sperrring, in den nur Anwohner mit dem Auto einfahren können.

Züge, S- und U-Bahn: Die Deutsche Bahn und die Münchner Verkehrsgesellschaft stocken ihr Angebot auf. Die Deutsche Bahn hat 470 zusätzliche Fahrten von Nahverkehr- und S-Bahnzügen geplant. Die U-Bahnen fahren im Sonder-Takt alle 2,5 bis 3,3 Minuten. Und die Rolltreppen an der U-Bahnstation Theresienwiese geben Gas: Sie rollen mit 0,68 Metern pro Sekunde statt mit 0,5 Metern.

Camping: Ein Hotspot ist während des Festes der Campingplatz in
Thalkirchen. Verschiedene Veranstalter haben dort Hunderte Zelte aufgestellt, buchbar teils mit Schlafsack und (Kater-?)Frühstück - Party pur.

Camper: In Wohnmobilen kommen etwa viele Italiener gern, sie parkten früher gern nah am Festgelände - und suchten nach dem Wiesnbesuch ihr Wohnmobil vergebens: Abgeschleppt. Inzwischen gibt es für Wohnmobile einen Parkplatz in Riem am Messegelände. In die Stadt kommen die Gäste mit S- und U-Bahn.

Italiener-Wochenende: Das mittlere der drei Wiesn-Wochenenden gilt traditionell als besucherstark - und Tausende italienische Gäste tragen ihren Teil dazu bei.

Dirndl: Gibt es billig rund ums Festgelände. Mit Landhausmode hatte der Trachtenhype begonnen. Minidirndl, Christbaum-Stil mit Glitzer - alles erlaubt, dabei handelt es sich aber um nicht um echte Tracht.

Derndl: Keine besondere Abart des Dirndls, sondern der Person, die das Dirndl trägt: Derndl ist bairisch und heißt frei übersetzt Mädel.

Anbandeln: Bairisches Synonym für Flirten. Das wiederum gehört zur Wiesn wie Brezn, Bier und Blasmusik.

Gspusi: Klappt es mit dem Flirten, hat man - für mindestens
einen Abend - ein Gspusi.

Lebkuchenherz: Typisches Mitbringsel. Gerne mit Schriftzug Spatzl, Mausi, Prinz, Held - oder einer schlichter "Gruß vom Oktoberfest".

Sicherheit: Das Festgelände ist eingezäunt. Ordner kontrollieren Besucher an den Eingängen strichprobenartig. Rund 600 Polizeibeamte sind im Einsatz, dazu Taschendiebfahnder aus verschiedenen Ländern. Auf dem Gelände sind gut 50 Videokameras, die mehrfach beitrugen, Diebstähle und sexuelle Übergriffe zu verhindern.