Erneut sorgt eine Weichenstörung auf der Wiesentalbahn im Kreis Lörrach für Frust bei Pendlern.
„Jetzt komme ich schon wieder zu spät zur Arbeit. Immer Probleme mit der Bahn“, ärgert sich eine junge Frau. Kopfschüttelnd nimmt sie die Durchsage am Bahnhof Lörrach-Dammstraße zur Kenntnis, dass die von Weil kommende S 5 am Mittwochmorgen um 9.08 Uhr ausfallen wird. Ob auch der nächste Zug nicht fährt? „Keine Ahnung, ich nehme jetzt den Bus“, sagt sie zu einer Pendlerin, die ebenfalls den Rückzug antritt.
Verkehr eingestellt
Nichts ging mehr für viele Pendler. Die Ursache: eine Weichenstörung im Bereich zwischen Stetten und Museum-Burghof, wie Daniel König, Sprecher von SBB Deutschland, auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. Die Störungsmeldung sei gegen 6.30 Uhr eingegangen. Wenn die Weiche nicht in ihre Endlage gebracht werden könne, dann lasse sich auch die Fahrtrichtung nicht vorgeben. So musste der Verkehr zwischen Lörrach und Weil beziehungsweise Riehen und Lörrach komplett eingestellt werden, denn es habe etwas gedauert, bis die Techniker vor Ort eintrafen. Die Störung war kurz nach 9 Uhr behoben; gleichzeitig seien die Techniker noch für Arbeiten vor Ort gewesen. Zu weiteren Unterbrechungen sei es im Laufe des Tages nicht mehr gekommen – aber zu Folgeverspätungen.
Ihm zufolge wurden kurz nach 7 Uhr zwei Ersatzbusse eingesetzt, die auf dem Abschnitt Lörrach-Riehen verkehrten. Ein Bus reiche auf dieser Strecke zur Hauptverkehrszeit nämlich nicht aus, so König weiter. In Richtung Weil habe SBB Deutschland auf die Buslinie 16 verwiesen.
Auch am Dienstag kam es zu Verzögerungen im Bahnverkehr. Ursache: Zum einen die Meldung „Person im Gleis“ im Bahnhof Lörrach gegen 14 Uhr, weshalb die Strecke gesperrt werden musste, zum anderen eine Schlägerei im Zug um 13.15 Uhr, wie König berichtet. Die Verspätungen hätten sich bis in den Nachmittag hineingezogen.
Abschnitte ausgebaut
Seit dem 15. Juni 2003 ist SBB Deutschland als Eisenbahnverkehrsunternehmen auf den Gleisen unterwegs. Innerhalb dieser Jahre ist viel geschehen: Gleisabschnitte wurden ausgebaut und ermöglichen einen Viertelstundentakt von Lörrach nach Steinen. Ein neues elektronisches Stellwerk wurde in Lörrach errichtet, und die S6 wurde bis nach Basel SBB durchgebunden – mit neuen Umsteigemöglichkeiten zu anderen Linien der trinationalen S-Bahn Basel und dem Fernverkehr.
Mit Blick auf den baulichen Zustand der Garten- und Wiesentalbahn und die häufigen Störungen steht die Frage im Raum, ob die Infrastruktur – für die DBInfraGo verantwortlich ist – seit der Reaktivierung auf Verschleiß gefahren wurde. König verweist auf die grundlegende Modernisierung im Jahr 2005 und einen „Sparausbau“ im Bereich Lörrach und Stetten – einem Nadelöhr der Strecke. Doch: „Immer, wenn dort Störungen sind, geht zwischen Basel und Lörrach beziehungsweise Lörrach und Weil nichts mehr“, moniert der Sprecher. „Das ist ein riesengroßes Problem. Wir hoffen jetzt auf den neuesten Ausbau der Wiesentalbahn in den 2030er-Jahren.“
Immer mehr Störungen
Zu diesem Problem komme hinzu, dass die Ausbauten bereits vor 20 Jahren getätigt worden seien. Grundsätzlich stelle man immer mehr Störungen fest, so König. Diese beträfen Bahnübergänge, Signale sowie Stellwerk- und Weichenstörungen. Das könne man nicht schönreden, macht er deutlich.
Gleichzeitig könne man aber auf die Ergebnisse des jüngsten Qualitätsrankings des Landes Baden-Württemberg stolz sein. 30 Verkehrsnetze wurden miteinander verglichen, die Wiesentalbahn belegt Rang acht. „In unseren Augen gehört die Wiesentalbahn zu den am schwierigsten zu betreibenden Eisenbahnstrecken in Baden-Württemberg“, führt er aus. Warum? „Weil sie größtenteils eingleisig und grenzüberschreitend ist, einen 15-Minuten-Takt mit einem Haltestellenabstand mit bis zu 400 Metern aufweist – und das mit einem Sparausbau der Infrastruktur.“
Positiv bewertet König auch die eingesetzten Züge: „Besseres Rollmaterial für diese Strecke werden Sie nicht finden, außer dem neuen Flirt Evo, den wir ab Dezember 2027 auf dem Hochrhein-Bodensee-Express einsetzen werden“, verweist er auf die schnellen Fahrgastwechselzeiten, die Anzahl der Türen und das Beschleunigungs- beziehungsweise Bremsvermögen der Flirt-Triebzüge. Der „Stadler Flirt“ sei jedenfalls ein ideales Fahrzeug mit seinen acht Türen pro Seite. „An den eingesetzten Fahrzeugen liegt es jedenfalls nicht“, lautet seine Botschaft.