Der Tafelladenleiter Kris Volker (rechts) stellt das Dota-Mobil an der Station in Wieslet vor. Foto: Manuel Hunn

Mit dem Dorftafel-Mobil möchte die Tafel Schopfheim auch Menschen in kleineren Orten des Wiesentals erreichen. Gerade in den Dörfern gibt es aber Hemmungen.

Seit Januar diesen Jahres ist das Dorftafel-Mobil (Dota-Mobil) im Wiesental unterwegs – und Menschen mit niedrigem Einkommen haben so in insgesamt sieben kleineren Orten die Möglichkeit, günstig Lebensmittel einzukaufen.

 

Als letzte Station an diesem Nachmittag hat das Dota-Mobil gerade hinter der Sporthalle in Wieslet Halt gemacht. Direkt als der Verkaufswagen öffnet, begeben sich die bereits fünf wartenden Menschen zu den beiden ehrenamtlichen Helfern, um aus einem vielfältigen Angebot an Lebensmitteln auszuwählen. Vor allem Unterhaltungen auf ukrainisch sind zu vernehmen.

Auch Kris Volker, Leiter der Tafel Schopfheim und bei der Diakonie für die Organisation des Dota-Mobils zuständig, ist heute nach Wieslet gekommen. Er erklärt, dass das Angebot des mobilen Tafelladens im Kleinen Wiesental derzeit hauptsächlich dankend von Kriegsgeflüchteten aus der Ukraine angenommen wird.

Kampf mit dem Stolz

Da nur wenige ältere Menschen zum Dota-Mobil kommen, bemühe man sich gerade diese Gruppe zu erreichen. Volker schildert: „Wir kämpfen immer noch mit dem Stolz der Leute in den kleineren Ortschaften.“ So seien der Tafel einige Rentner mit niedrigem Einkommen bekannt, die „unser Angebot gut gebrauchen können“. Jedoch gebe es Hemmungen: Viele, die eigentlich eine Einkaufsberechtigung erhalten könnten, „möchten sich nicht offen zeigen“, so Volker. Dafür habe er einerseits Verständnis – andererseits betont der Tafelladenleiter aber, dass man mit einem Einkauf beim Dota-Mobil nicht nur seinen Geldbeutel schont, da hier ein Einkauf nur zehn bis 20 Prozent des Preises im Supermarkt kostet. Sondern, dass man auch Lebensmittel vor der Vernichtung rettet.

Spende von Supermärkten

Die Lebensmittel erhält die Tafel als Spende von Supermärkten aus dem Gebiet der Tafel Schopfheim von Steinen bis Todtnau und in das Kleine Wiesental. „Viele, aber nicht alle“ Supermärkte unterstützen die Tafel und spenden Lebensmittel, die ansonsten weggeworfen werden – obwohl sie noch zum Verzehr geeignet sind. Hauptsächlich erhält die Tafel Gemüse, Obst oder Brote. Andere Lebensmittel wie Milch oder langhaltbare Lebensmittel gibt es eher selten. Ab und zu bekommt man aber auch Dinge im Überfluss wie beispielsweise Schokoladen-Nikoläuse nach Weihnachten.

Zwei aus dem Team der rund 50 ehrenamtlichen Helfer der Tafel Schopfheim sind Gudrun Van den Boom und Ansgar Drost, die heute die Tour des Dota-Mobils übernommen haben. Van den Boom erklärt, dass sie beide Rentner sind und sich bei der Tafel engagieren, um einer sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen zu können. Drost fügt hinzu, dass ihm vor allem die abwechslungsreiche Tätigkeit beim Dota-Mobil Spaß macht – hier seien die Menschen besonders höflich und diszipliniert. Dies treffe gerade auf die Schutzsuchenden aus der Ukraine zu, die sich stets dankbar zeigen.

Foto: Manuel Hunn

Heute kommen insgesamt etwa zehn Menschen zur Dota-Mobil-Station in Wieslet. Volker schildert, dass außerhalb der Ferienzeit ein wenig mehr los ist und durchschnittlich etwa 15 Personen das Angebot in den kleineren Ortschaften annehmen.

Erreichbarkeit verbessern

Die Idee zum Dota-Mobil ist allerdings schon vor Beginn des Ukraine-Krieges entstanden – hauptsächlich, um Menschen zu erreichen, die nicht mehr mobil sind oder für Orte, wo die öffentliche Verkehrsanbindung nicht ausreichend ist, erklärt Volker. Im Gegensatz zu den kleineren Ortschaften, gebe es bei den Dota-Mobil-Stationen in Schönau und Todtnau größeren Andrang. Dort kommen bis zu 80 Menschen zu den wöchentlichen Terminen – „da sieht man das Auto kaum“, so Volker. „Damit die Schlangen nicht zu riesig werden“, bitte man die Berechtigten, dass jeweils nur eine Person pro Haushalt zum Einkaufen kommt.

Nach einer halben Stunde an der Station in Wieslet schließt der Verkaufswagen für diese Woche. Drost und Van den Boom bringen das Dota-Mobil zurück zur Tafel in Schopfheim, wo es für die Touren der nächsten Woche mit Lebensmittel befüllt wird.