Das beliebte Dautmerger Restaurant „Wiesental“ schließt. Der Inhaber Peter Schwark erläutert die Hintergründe.
„Dieser Betrieb war bei Null, aber wir haben eine feste Größe im Zollernalbkreis hinterlassen“, schaut Peter Schwark zurück auf 31 Jahre in Dautmergen. Den gebürtigen Zillhausener verschlug es während seiner Zeit bei der Bundeswehr nach Ulm. Danach war er in der Marktforschung tätig. 1994 kam er zurück ins Ländle.
„Ich habe mit 40 gemeint, ich müsste mich verwirklichen“, erinnert er sich. Als Quereinsteiger entschied er sich für die Gastronomie – und hat es keinen Tag bereut. Gemeinsam mit seiner Frau Margit entschied er sich letztlich für das „Wiesental“ in Dautmergen – mit viel Platz für jede Menge Gäste und traumhaftem Blick auf die Natur.
Die Anfangszeit war steinig und die Schwarks leisteten viele Jahre Aufbauarbeit. Dies zahlte sich aus. Über das Restaurant hinaus waren auch Catering und das Veranstalten von Hochzeiten gefragt beim Wiesental. Zu den liebsten Erinnerungen zählen die Gastronomiebälle, die gemeinsam mit Kollegen aus der Branche in Balingen veranstaltet wurden.
2010 erkrankte Peter Schwark schwer. Er hatte bereits alle seine Rezepte als Nachlass notiert, so ernst war die Lage. Doch Frau Margit Schwark hielt gemeinsam mit befreundeten Köchen die Stellung in Dautmergen und der Erkrankte kam wieder auf die Beine. So stabil, dass er selbst jetzt mit 76 Jahren noch mit Freuden in der Küche steht.
Nicht zuletzt seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zum Teil seit der ersten Stunde im Wiesental tatkräftig anpacken, spricht Schwark seinen Dank aus: „Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen.“
Doch das Schicksal hat sich gewendet. Seit September 2024 ist der Koch nicht nur für die Küche zuständig, sondern übernimmt auch die Organisation. Seit Dezember 2025 steht das Gebäude nun zum Verkauf. „Die Entscheidung kam mit der Krankheit meiner Frau, weil einer allein kann diesen Betrieb nicht führen“, erklärt Schwark.
Einfach fällt es ihm nicht
Einfach fällt es den leidenschaftlichen Gastronomen jedoch nicht. „Ich kann es mir noch immer nicht ganz vorstellen, alle Höhen und Tiefen waren hier“, gesteht er. „Seit 14 Tagen haben wir weinende Gäste. Jetzt kommt die Abschiedsphase, sie kommen mit Geschenken.“
Am 31. Januar steht schließlich der letzte Tag an. Bis dahin hat jeder Genussmensch noch die Gelegenheit, die beliebte schwäbische Küche in gewohnter Manier zu genießen.
Als Familiengaststätte ist der Ort behaftet mit vielen schönen Erinnerungen. „Den Täufling habe ich auf dem Arm gehabt und dann, Jahrzehnte später, hatte ich sein Kind auf dem Arm. Eine Sechsjährige hat mir mal gesagt: „Weißt du was? Du bist der beste Koch, den ich kenne. Wie viele kennst du?, hab ich gefragt. So zehn, zwölf, meinte sie“. Schwark lacht – und doch liegt eine gewisse Wehmut in seiner Stimme.
Nachfolge bislang ungeklärt
Es gab bereits einige Gespräche mit Interessenten, unter anderem mit einem Investor, der sich das Wiesental weiterhin als Restaurant vorstellen kann, in Kombination mit Ferienwohnungen. Das wäre auch Schwarks bevorzugte Option. Doch in trockenen Tüchern ist noch nichts.
„Es ist so schade mit der Dorfgastronomie“, merkt der 77-Jährige an. Das Restaurantsterben ist ihm nicht entgangen. Eine Zukunft sieht er dennoch für die Branche. „Die Vereinsamung findet nicht nur in der Stadt statt, auch auf dem Land. Wo sollen die Senioren zusammenkommen? Es kann nicht sein, dass die Leute sich nur noch auf dem Friedhof treffen. Auch Ortsgeschichte geht verloren, das wurde früher am Stammtisch weitergegeben.“
Ob sich das Festhalten an Werten wohl auszahlt? „Man darf das nicht als Geschäftsmann sehen. Gastronomie ist nichts für Feiglinge. Das ist Herzblut.“