Webermeister Stephan Helbig zeigte im Wiesentäler Textilmuseum seine Handwerkskunst. Nun ist er im Alter von 90 Jahren verstorben.
Stephan Helbig war seit der Gründung des „Freundeskreis Zeller Textilmuseum“ im Jahr 1991 dabei und hat mit unzähligen Arbeitsstunden dazu beigetragen, das Textilmuseum aufzubauen und einzurichten, so dass es 2004 offiziell als „Wiesentäler Textilmuseum“ eröffnet werden konnte. Seitdem führte er zahlreiche Besuchergruppen durch das Museum und bediente als Webermeister die historischen Webstühle. Mit ihm verliert das Wiesentäler Textilmuseum einen wertvollen Menschen und engagierten Mitstreiter.
Geboren 1935 in Sachsen, arbeitete Stephan Helbig als Webermeister, bis er nach dem Niedergang der dortigen Textilindustrie arbeitslos wurde. Durch einen glücklichen Zufall lernte er 1990 Zells Ehrenbürger Hans Fräulin kennen, der sich bereits damals mit dem Gedanken trug, in Zell ein Textilmuseum aufzubauen und dafür auch in der ehemaligen DDR nach alten Textilmaschinen suchte.
Stephan Helbig machte mehrere historische Maschinen ausfindig und ermöglichte deren Transport nach Zell. 1991 konnte Hans Fräulin Stephan Helbig und seine Frau Rosl überzeugen, von Sachsen ins Wiesental zu ziehen. Stephan Helbig fand bei der Zell-Schönau AG Arbeit, seine Frau erhielt eine Anstellung als Krankenschwester im Schopfheimer Krankenhaus.
Unmittelbar nach dem Umzug ins Wiesental begann Stephan Helbig seine ehrenamtliche Tätigkeit im neu entstehenden Textilmuseum. Gemeinsam mit Franz Zimmermann gehörte er zu den einzigen, die die alten Webstühle zum Laufen brachten und bedienen konnten. Bis zu seinem Tod prägte Stephan Helbig das Gesicht des Wiesentäler Textilmuseums, das für ihn längst zu einer zweiten Heimat geworden war. Unzählige Besuchergruppen führte er durch die Shedhallen, erklärte den Herstellungsprozess der einst hier produzierten Irisette-Bettwäsche und demonstrierte an den historischen Webstühlen die Entwicklung des Webens über verschiedene Epochen hinweg.
Bereits 2010 wurde Stephan Helbig zum Ehrenmitglied des Vereins „Wiesentäler Textilmuseum“ ernannt. Der Zeller Bürgerverein ehrte ihn 2019 für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement mit dem „Hans-Fräulin-Preis“.