Einen erquickenden Abend bietet das Barockorchester der Wiener Symphoniker, in dem praktisch jeder ein Solist ist. Hier sind einige zu erkennen: Edwin Prochart (von links), Dirigent Christian Birnbaum, Konzertmeister Willy Büchler, Helmut Lackinger, Karoline Renner, Wolfgang Schuchbaur, Alexandra Uhl und Andreas Pokorny. Foto: Kouba

Einen klassischen Höhepunkt durfte Triberg am vergangenen Samstag in der Wallfahrtskirche Maria in der Tanne erleben. Es gab ein Wiedersehen und Wiederhören mit dem Barockensemble der Wiener Symphoniker.

Triberg - Herzlich willkommen hieß Pfarrer Andreas Treuer das Publikum und begrüßte besonders Dirigent Christian Birnbaum und seine Musiker. Sehen und Hören würden den Menschen prägen, aber auch Corona habe Spuren hinterlassen. Nach der dunklen Zeit bedürfe es erhebender und aufbauender Musik. In diesem Sinne wünschte er einen schönen Abend. Der Geistliche, Manfred Kuner, Dolf Peter Oebbecke und Hans Dhonau hatten erfolgreiche Arbeit geleistet und zahlreiche Besucher angelockt.

Das beliebte Barockensemble der Wiener Symphoniker zeigte sich in ungebrochener Bestform. Die Akteure ließen bei "Saitenspiel und Flötenklang" ihr Können, das zupackende Spiel, das kraftvolle Agieren von der ersten bis zur letzten Note und das nötige Seelenmaterial spüren. Unter der Leitung von Christian Birnbaum gelang abgerundet die plastische Wiedergabe von Kostbarkeiten und Köstlichkeiten mit vorrangig heiterer Betonung. Der teils programmatische Inhalt machte individuelle Vorstellungen beim "geistigen Ohr" möglich. Im Mittelpunkt stand Bachs viertes Brandenburgisches Konzert, ein Wunsch der scheidenden Flötistin Alexandra Uhlig. Sie begeisterte mit geschmeidig samtigem Ton, ausgefeilter Ornamentik, Perfektion bei Staccatistellen oder im fließenden Legato. In nichts nach stand ihre Kollegin Karoline Renner. Der dritte im Bunde war Willy Büchler, dessen Geigenkünste bestens bekannt sind und der wieder alle anspruchsvollen Passagen virtuos meisterte. Zusammen mit dem Tutti gelang eine ansprechend glanzvolle Interpretation des BWV 1049.

Musikalisches Konfekt präsentiert

Nochmals waren qualitätsvoll die Damen beim g-Moll-Konzert (QV 6,8a) des genialen Flöten-Komponisten Johann Joachim Quantz, einem Freund Friedrich des Großen, zu hören. Alle drei Sätze wurden herausragend gestaltet. Konfekt wurde mit dem "amoroso con sordini" serviert, und das Presto überraschte mit Rasanz. Glanzvoller Barock war zum Auftakt mit Corellis Concerto grosso in D-Dur (op.6/I) zu hören, und als Gegenpol erklang Georg Christoph Wagenseils D-Dur-Symphonie. Eine narrative Besonderheit boten Dirigent und Orchester "Im Juli" von Gregorius Joseph Werner, der seinem Nachfolger Haydn nicht wohlgesonnen war und ihn als "G’sangelmacher" titulierte. Werner hatte Geschick und erzählt eine amüsante sommerliche Geschichte, genauso wie Telemann mit der Don-Quichotte-Suite, in der die Figuren Cervantes’ nachgezeichnet werden, der Kampf gegen Windmühlen geführt wird, Dulcinea in Seufzern dahin schmilzt oder Gaul Rosinante und Esel Ruico davon galoppieren – alles treffend in Szene gesetzt.