Wiederverwerten statt wegwerfen: In Lahr gibt es immer mehr Angebote für Nachhaltigkeit. Das neue Geschenkt-Haus in Sulz wird gut angenommen – ebenso der öffentliche Kühlschrank in der Mediathek.
Gläser, Kaffeetassen, Besteck, Frühstücksbrettchen, Messbecher, Tupperdosen, Deko und ein ganzes Teeservice: Die Regale im grauen Container am Wertstoffhof in Sulz sind bereits gut gefüllt. Am Montag hat das Landratsamt dort das dritte Geschenkt-Haus in der Ortenau eröffnet. Nach einer Woche lässt sich sagen: Das Konzept geht auch in Sulz auf.
„Es läuft sehr gut, das hätte ich nicht gedacht“, berichtet Ralf Fischer vom Wertstoffhof beim Besuch unserer Redaktion am Freitagvormittag. Dass einige Regale noch leer sind, liege nicht nur daran, dass das Projekt erst anlaufen muss. „Es ist auch vieles schon weg“, sagt er. Am Donnerstag habe jemand eine Schallplatte abgegeben. „Wir dachten, das wird ein Ladenhüter. Aber innerhalb einer halben Stunde hatte sie schon jemand mitgenommen. Viele gute Sachen sind innerhalb einer Stunde weg“, so Fischer.
Die Mitarbeiter lassen die Tür stets offen, um Neugier zu wecken. Das funktioniert. Unsere Redaktion erhält schnell Gesellschaft von einigen Menschen, die Pappkartons, Restmüll oder Elektroschrott zum Wertstoffhof bringen und einen kurzen Abstecher machen. „Das ist eine super Idee“, sagt etwa Gottfried Ibig. Der Inhaber eines Studios für Küchen und Badmöbel in Münchweier findet das Angebot sehr praktisch vor allem für Wohnungsauflösungen. „Man schenkt den Teilen ein zweites Leben“, ist ein anderer Besucher ebenfalls überzeugt.
Was zu sehr verschmutzt ist, kommt in den Container
Fischer erläutert, dass viele sogar originalverpackte Dinge mitbringen. In einem Regal steht beispielsweise noch ein Karton mit Gläsern, weitere seien bereits mitgenommen worden. „Manche Sachen werfen wir auch in den Container“, so Fischer. Etwa wenn sie kaputt oder stark verschmutzt sind. Das Team vom Wertstoffhof habe ein Auge darauf, was abgegeben wird.
Ebenfalls einen guten Start hatte der öffentliche Kühlschrank in der Mediathek. Im April als eines der Projekte aus dem Bürgerbudget Stadtgulden umgesetzt, findet der öffentliche Kühlschrank „viel Zuspruch und wird rege genutzt“, wie die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung in dieser Woche schrieb. Während es Geschenkt-Häuser auch in Ottenheim und Rammersweier gibt, ist der Kühlschrank in der Ortenau bislang einmalig. Das Konzept ist einfach: Jeder kann Lebensmittel, die man vielleicht zu viel eingekauft hat, mitbringen – und jeder kann sich bedienen.
Einen anderen Weg für mehr Nachhaltigkeit schlägt das Repair-Café im Bürgerzentrum Treffpunkt Stadtmühle ein. Das Angebot wird von der BUND-Ortsgruppe mit der Stadt Lahr organisiert. Hier können – in etwa einmal im Monat – defekte Gegenstände vorbeigebracht werden, Experten unterstützen bei der Reparatur.„Entweder man schaut zu oder hilft bei kleineren Handgriffen mit“, erklärt Edwin Fischer vom Bürgerzentrum. Zentral ist der Nachhaltigkeitsgedanke. „Viele Geräte, die weggeschmissen werden, könnte man länger verwenden“, sagt Fischer.
Die Idee für das Repair-Café sei aus dem Seniorenbeirat gekommen. „Es gab viele Handwerker in Rente, die ihre Fähigkeiten einsetzen wollten“, erklärt Fischer. Die rund 20 Helfer kennen sich hauptsächlich mit elektronischen Geräten aus, es gibt aber auch Fachleute für Gegenstände wie Räder, Nähmaschinen oder Uhren.
Zwar kommen mehr ältere Menschen ins Repair-Café. Aber auch jüngere Leute und Familien finden ihren Weg hierher. Das freut Fischer: „Bei uns kommen die Generationen miteinander in Kontakt.“
Lebensmittel retten
Wer Lebensmittel wie Backwaren aber auch Artikel aus dem Supermarkt oder Köstlichkeiten vom Restaurantbuffet retten möchte, wird in der App „Too good to go“ fündig. Einige Lahrer Bäckereien, Supermärkte und Restaurants bieten dort günstig Überraschungstüten an, die man – meist in den Abendstunden nach Geschäftsschluss – abholen kann.