Eberhard Schanz hat schon mit 17 Jahren die Kirchenbücher über seine Familie durchforscht. Foto: Nowotny

Schon als 17-Jähriger saß Eberhard Schanz über Kirchenbüchern, um Details über seine Familiengeschichte für einen Stammbaum zu sammeln. Heute ist er erneut daran, den Stammbaum seiner Familie zu erweitern und zu erfassen.

Burladingen/Genkingen"Meine Oma kannte die Historie der Familie Schanz und erzählte mir von den alten Zeiten, das weckte mein Interesse", erzählt Eberhard Schanz. Mit 17 Jahren wollte er mehr über die Geschichte seiner Familie erfahren und nahm sich vor, einen Stammbaum zu erstellen. Doch bald wurde aus einem einfachen Stammbaum für die direkte Familie einer für die gesamte Familie Schanz.

Blick in die Familiengeschichte

"Ich wollte mehr über die Familie wissen, also ging ich in die Kirche, um die Kirchenbücher einzusehen und mehr zu erfahren", erklärt Schanz. Was er dabei entdeckte, beeindruckte ihn. Schanz sprach mit vielen Leuten und suchte sich weitere Informationen zusammen.

"Meine Oma erzählte mir dann schließlich auch, dass die Schanzens eigentlich aus Melchingen stammten. Ich fand heraus, dass ein Verwandter aus Melchingen von dort zur evangelischen Kirche nach Genkingen konvertierte und die Schanzens so nach Genkingen kamen. Das war in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg eine riesen Besonderheit. Für so einen Wechsel zwischen den Konfessionen gab es damals überhaupt kein Verständnis", beschreibt Schanz.

Diese Entdeckung motivierte den jungen Mann, auch in Melchingen weiterzuforschen. "Ich fuhr also mit dem Fahrrad nach Melchingen, um dort Leute der Familie Schanz zu finden". In Melchingen wurde er zu einem Haus geschickt, in dem angeblich geborene Schanzen lebten. Er klopfte – und es öffnete ihm ein Mann die Tür, der tatsächlich zu den Schanzen gehört.

Dessen Tochter Annerose Schanz war begeistert, mehr über die Geschichte herauszufinden. So begannen die beiden gemeinsam weiter zu suchen und sahen sich die Kirchenbücher aus Melchingen an. Doch dort waren Seiten herausgerissen. "Ich vermute, dass die Seiten entfernt wurden, da mein Verwandter damals die Konfession wechselte und man in der katholischen Kirche nichts mehr von ihm wissen wollte."

Freude über zweiten Anlauf

Immer mehr Zusammenhänge wurden klar, doch mit der Zeit verloren sie sich aus den Augen. Schanz begann sein Studium und hatte für sich die Stammbaumforschung in Genkingen abgeschlossen. Heute ist er im Ruhestand. "Im Sommer bin ich mit dem Fahrrad durch Melchingen gefahren und erinnerte mich an die alte Zeit. Ich war schon aus dem Dorf draußen, dann musste ich umdrehen und zu dem Haus von damals fahren. Dort kannte man Annerose Schanz und gab mir ihre Kontaktdaten. Wir telefonierten und trafen uns", erzählt er. Die beiden forschten zusammen weiter.

"Jetzt habe ich auch richtig Zeit dafür", sagt Schanz. Seit vier Wochen sind die beiden erneut dabei, die wiederentdeckte Familiengeschichte mit Leben zu füllen.

Wie bekommt man die ganzen Informationen für diese Geschichte?

Eberhard Schanz erklärt: "Ohne die Erzählungen von den noch lebenden Menschen würde nichts funktionieren". Durch diese Geschichten bekommt er die Informationen, die er braucht um in den Kirchenbüchern oder Stadtgeschichten nachzusuchen. "Heute ist alles noch komplizierter", berichtet Schanz. Um die Kirchenbücher einzusehen, kann er nicht wie früher einfach schnell zum Pfarrer gehen. Er muss in die Zentralarchive der Kirchen, zum Beispiel nach Stuttgart oder Freiburg.

Zudem sind viele Bücher nur bis zu bestimmten Zeiten einsehbar. "Das alles braucht sehr viel Energie und Zeit, aber es macht mir Spaß und jetzt habe ich Zeit dafür", sagt Schanz abschließend mit einem Lächeln.