Die ersten wieder gewonnenen Aufträge arbeitet Waldemar Strebel (links) ab und tauscht sich auf kurzem Dienstweg in der Produktionshalle mit Betriebsleiter Jürgen Klingelmeyer aus. Foto: Jambrek

Die Sanierung des Unternehmens BBS Autotechnik ist angelaufen. Mittlerweile wurde ein Sanierungstarifvertrag verabschiedet, dessen Laufzeit sich auf das aktuelle Jahr beschränkt. Danach greifen die normalen tariflichen Regelungen.

In einem Gespräch gab Jürgen Klingelmeyer als General Manager und vormaliger Geschäftsführer Einblick in die aktuelle Lage des Unternehmens.

 

Nach wie vor sei die BBS Autotechnik GmbH dabei Aufträge zu generieren, um den Geschäftsbetrieb langfristig abzusichern. Das Unternehmen setze dabei auf den OEM-Geschäftsbereich mit Premiumautomobilherstellern wie Mercedes, Audi und Porsche als potenzielle Abnehmer und auf den Aftermarket. Das sei eine herausfordernde Aufgabe, da zum Zeitpunkt der Insolvenz die Lieferverträge mit den Herstellern gemäß der Strategie des Vorbesitzers ausgelaufen seien. „Wir sind mit dem neuen Investor Ilkem Sahin besser abgesichert als je, aber es ist eine harte Arbeit das Geschäft wieder aufzubauen.“, sagte Klingelmeyer.

In das Lehengerichter Unternehmen investiert Ilkem Sahin mit der ISH-Group in erheblichem Umfang. Foto: Jambrek

Die Genehmigung für Kurzarbeit wurde von der Agentur für Arbeit laut Klingelmeyer auf das erste Quartal 2024 beschränkt. Kompletter Normalbetrieb herrsche aber leider noch nicht vor. Doch jeder einzelne Auftrag verändere die konkrete Lage und sorge dafür, dass der Einsatz von Mitarbeitern gebraucht werde. Erste Probeaufträge seien bereits generiert worden und würden bedient.

IG Metall ist „zufrieden“

Das bedeute, dass die Mitarbeiter mittlerweile normal gemäß des geltenden Sanierungstarifvertrags entlohnt würden, immer aber einmal wieder auch Tage hätten, an denen keine Arbeit im Unternehmen ansteht. „Diese Zeit lässt sich zum Beispiel für persönliche Weiterbildungen nutzen“, betonte Klingelmeyer.

IG Metall-Gewerkschaftssekretär Stefan Prutscher zeigt sich zufrieden mit dem ausgehandelten Sanierungstarifvertrag, dem 94 Prozent der abstimmenden Mitarbeiter zugestimmt hätten. Der Grundlohn bleibe auf Tariflohnhöhe, lediglich beim Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld gebe es 2024 Abstriche. Ein Stück weit würden diese durch die Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 1500 Euro abgefedert, die übers Jahr hinweg glücklicherweise in zwei Auszahlungen erfolge.

„Wir fahren derzeit auf Sicht“, sagte Klingelmeyer und betonte, dass das Unternehmen auch weiterhin gut mit der Gewerkschaft IG Metall zusammenarbeiten wolle. Außerdem sei auch weiterhin kein Personalabbau geplant, sondern der Erhalt aller Arbeitsplätze. Klingelmeyer betonte zudem, dass in erster Linie das Personal mit seinem Know-how das Unternehmen BBS ausmache.

Neue Maschinenteile in der Werkshalle zeigt General Manager Jürgen Klingelmeyer. Sie kommen bald zum Einsatz. Foto: Jambrek

In Zusammenhang mit der Insolvenz sei Personal abgewandert. Etwa zehn bis 15 Prozent der Belegschaft sei seit des Insolvenzverfahrens zu anderen Arbeitgebern gewechselt. Der größte Teil des verlorenen Personals sei unter den Anlernkräften, alle strategisch entscheidenden Positionen seien weiterhin gut besetzt.

„Positive Entwicklungen“

Klingelmeyer zufolge gibt es erste positive Entwicklungen. So habe BBS die Zusammenarbeit mit Mubea, einem großem Automotive-Zulieferer, intensiviert. Man entwickle gemeinsam ein von Mubea patentiertes Verfahren (MQP) zur Warmbehandlung von Rädern. Das neue Verfahren erlaube eine deutliche Steigerung der Produktlebensdauer bei einer gleichzeitigen Reduzierung des Energiebedarfs um etwa 60 Prozent. Darüber hinaus könne im Vergleich zu bisherigen Verfahren der Rohstoffeinsatz reduziert werden, so dass deutlich leichtere Räder hergestellt werden könnten. Das sei entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft von BBS, die sich auf qualitativ hochwertige Produkte spezialisiert habe.

Der neue Investor der BBS Autotechnik GmbH ist die türkische ISH-Group. Diese investiert auch in weitere Unternehmen in Deutschland. Bei der Übernahme einer hessischen Spezialpapierfabrik hat sich Klingelmeyer zufolge bereits gezeigt, dass diese schon wenige Monate nach der Übernahme in die Erfolgsspur zurückgekehrt sei und schon mehr als 40 neue Mitarbeiter eingestellt worden seien. Dort sei die Herausforderung nun, noch mehr qualifiziertes Personal zu finden.

Bei BBS plant die ISH-Group nun Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe, teilte Klingelmeyer mit.

Konflikt mit KW automotive

Indes gibt es derzeit noch einen Konflikt mit dem vorigen Gesellschafter KW automotive, der sich um Markenrechte dreht. „Auch dieser Herausforderung stellt sich die BBS, wie sie bereits in der Vergangenheit viele Hürden genommen hat“, sagte Klingelmeyer dazu.