Die Premiere des neuen Zunftabends der Müllheimer Zünfte ist gelungen. Die Hudelis haben sich mit den Zünften der Dorfzottel und Klemmbachhexen zusammen getan.
Jahrzehntelang war die Narrenzunft Müllemer Hudeli Garantin für eine Bühnenfasnacht mit teils spektakulären Gruppenauftritten und Büttenrednern. Generationsumbrüche und die Corona-Zeit ließen es um die Müllheimer Saalfasnacht ruhig werden. Nun aber gab es einen erneuten närrischen Aufschlag, bei dem sich die Hudelis zwei weitere Partner mit den Zünften der Dorfzottel und der Klemmbachhexen mit ins Boot holten.
Die Anspannung, die Hudeli-Oberzunftmeisterin Monia Karle, Dorfzottel-Chefin Lisa Buhl und Chef-Hexe Lars Fischer – der „Hahn im Korb“ in diesem Trio, der übrigens kein Alemannisch spricht und schon gar nicht versteht – gemeinsam in der engen Bütt an den Tag legten, war am Ende eines kurzweiligen Abends völlig unbegründet.
Nach der Erstlings-Büttenrede des jungen Kanzellars der Hudelis, Simon Held, ging es Schlag auf Schlag im ausverkauften großen Saal des Bürgerhauses. Der „Zunftabend der Müllheimer Zünfte“ war eine gelungene Mischung aus Tradition und Neuem. Mit dabei wie in alten Zeiten: die Stadtmusik, die für Tuschs und Schunkelrunden sorgte.
Durch den Kakao gezogen
Gelungen war auch der Tanz der Hudeli-Zunftgarde mit „Mädels, die ganz schön Staub aufgewirbelt haben“, wie die Zunftoberen in ihrer Moderation anmerkten, und die für riesigen Beifall und eine Zugabe sorgten.
Einen Glanzpunkt närrischer Spielkunst zeigten Thomas Detterbeck und Daniel van Steenis als „städtische Putzfrauen Erna und Frieda“, die die Stadtpolitik und das Müllheimer Kulturleben kräftig durch den Kakao zogen. „Des Bürgerhuus isch mehr Event-Location als ä Halle zum Fiiere“, stellte die Putzkolonne fest. Ein Event seien die dort stattfindenden Gemeinderatssitzungen, bei denen durch hitzige Debatten ständig dicke Luft herrsche: „Deshalb brauche die höhere Räume wie im Bürgerhuus“, stellten die beiden fest.
Neben der „Parkplatz-Abzocke“ bei der Helios-Klinik waren auch der Niedergang des Einzelhandels, dem die Stadt mit der Eisbahn entgegenwirken wolle – „So viele Eisbahnen kann der Wirtschaftsförderer gar nicht bestellen, dass die Innenstadt belebt wird“, hieß es im Vortrag – und das schmale Kulturleben Thema. „Wir brauche deshalb ä Kabarett. Zur Roten Mühle wie in Paris“, fordern die beiden Putzfrauen, die dann als Vorgeschmack zu Tänzerinnen im „Müllheimer Moulin Rouge“ mutierten und damit entsprechende Lachsalven beim Publikum auslösten.
Mit einem beeindruckenden Hästanz und unter Maske feierten die Eichwaldgeister ihren 33. Geburtstag und begeisterten das Publikum. Gleich zwei Gruppenauftritte zeigten, dass die Zünfte bestens kooperieren. Viel Spaß gab es bei der WhatsApp-Gruppe, die typischen Chat persiflierten. Eindeutiges Urteil, wie es das plakative Emoji auf der Bühne bereits signalisierte: Daumen hoch für den lustigen Auftritt.
Der Nachwuchs der Zünfte schrieb sich Dialoge und Rollen für ihre „Therapiegruppe der endgültig Fasnachtsgestörten“ und sorgte für manchen Lacher. Als „Polier des städtischen Tiefbaus“ zog Joachim Kindorf in der Bütt mit pfiffigen Reimen über die nervtötenden Baustellen in der Stadt und den aberwitzigen Verwaltungsbürokratismus her.
Dabei beförderte der Hudeli-Schatzmeister „so manche Leiche aus dem Müllheimer Untergrund“ zutage. Er belauschte beim „Abhören der Abwasserrohre“ auch so manches vertrauliche Telefonat, das „Bürgermeister Löffler auf dem stillen Örtchen“ wohl geführt habe.
Urkomischer Stammtisch
Ihre Entstehungsgeschichte erzählten die Klemmbachhexen in ihrem Hästanz, der die Gäste ans Ufer des Klemmbachs führte. Urkomisch präsentiert wurde ein Stammtischabend im Hudelihaus, dem Vereinsheim der ältesten Müllheimer Zunft.
Das „Tüpfelchen auf dem i“ waren die Musikeinlagen der zunfteigenen Band mit Sänger Simon Held an der Spitze, mit denen der Saal zum Beben gebracht wurde. Beim Finale gab es auch eine rockige Variante des Hudeli-Lieds mit dem Sound von Bon Jovi – ein gelungener Abschluss für eine Premiere, die mit stehenden Ovationen belohnt wurde.