Ein feierliches Spektakel mit Tradition für Einheimische und Touristen ist der Viehauftrieb in Wieden.
Dieser fand bei bestem Sonnenwetter statt. Zusammen mit dem getriebenen Vieh – die Kühe trugen Kopfschmuck und waren vorher geweiht worden – ging es bergauf zur gemeinschaftlich betriebenen Jungviehweide „Schanz“ in Ungendwieden, wo unter Bewirtung der Bergwacht ein Festzelt und musikalische Begleitung durch die Original Finstergrundmusikanten die Besucher erwartete.
Solche in Gemeinschaft betriebenen Weiden werden auch als „Allmendweiden“ bezeichnet. Sie haben eine lange Tradition und sind aufgrund der dort aufgrund der Bewirtschaftungsform herrschenden Artenvielfalt einer der Hauptgründe, warum das Biosphärengebiet Schwarzwald entstand.
Bärbel Gutmann gab dem Publikum Informationen zur rund 43 Hektar großen in rund 850 bis 1200 Höhenmetern befindlichen Weide. Sie wird von den Landwirten Martin Lais, Klaus Gutmann, Pirmin Klingele, Bernd Gutmann, Michael Beckert und Stefan Klingele seit 20 Jahren betrieben.
Der Auftrieb existiere seit 1968. Neben einer Herde mit 35 ein bis zwei Jahre alten Kühen gebe es eine weitere mit 17 zwei Jahre alten. Letztere werden auf der Jungviehweide vom Gemeindebullen gedeckt.
Katharina Lais bot interessante Informationen zur jahrhundertealten Hinterwälder-Rasse mit ihrem weiß und braun gescheckten Fell. Weibliche Kühe könnten bis zu 480 Kilo schwer werden. Die Tiere seien kleiner als die anderen Rassen, robust, langlebig, sehr geländegängig und würden ausgezeichnet in die Hanglagen der Schwarzwaldberge passen. Sie könnten sehr gut die Gräser der mageren Bergwiesen verwerten und seien daher gut für die Flora-Fauna-Habitat-Flächen und Naturschutzgebiete geeignet.
Martin Corona, Vorsitzender der Bergwacht Wieden, begrüßte ebenfalls das Publikum. Dass Rinder sensible Tiere sind, zeigte sich auch beim Einsetzen der Blasmusik, denn die Tiere stellten sich lauschend in Richtung Festzelt auf und verharrten. Zum Schluss wurde der Bulle auf die Weide gebracht. Das imposante Tier war aus Sicherheitsgründen zur Weide gefahren worden.