Abkühlen können die Besitzer ihre Pferde auf Turnieren – wie hier in Ichenheim – an dafür eingerichteten Plätzen. Foto: Künstle

In dieser Woche erbringen die Pferde bei den „Ichenheim Classics“ sportliche Höchstleistungen bei hohen Temperaturen. Wie wird damit umgegangen?

Zunächst wolle die Tierärztin gerne ein altes Vorurteil entkräften, wonach manche Reiter angeblich ihre Pferde nur wie Sportgeräte behandeln. „Die Reiter nehmen ihr Pferd als Partner wahr und kümmern sich sehr um das Tier“, so ihre Erfahrung. Bei sehr großer Hitze würden manche Reiter auch zur Schonung des Pferdes auf einen Turnierstart verzichten.

 

„Je besser die Pferde trainiert sind, umso besser halten sie die Hitze aus. Pferde, die wie hier im großen Sport gehen, sind sehr gut trainiert und haben eine gute Thermoregulation“, sagt die erfahrene Tierärztin vor Ort bei den „Ichenheim Classics“. Sie hat darum gebeten, dass ihr Name in dem Artikel nicht genannt wird, weil sie keine Werbung für ihre Arbeit als Tierärztin betreiben will. Bei Spring- und Dressurturnieren sei die Belastung der Pferde in den Prüfungen nur kurz, während sie in anderen Disziplinen des Pferdesports wie der Vielseitigkeit oder dem Fahren über einen längeren Zeitraum einer höheren Belastung ausgesetzt seien. In diesen Pferdesportdisziplinen gibt es Verfassungsprüfungen für die Pferde vor und während des Turniers.

A und O ist Flüssigkeitsversorgung

Eine wichtige Rolle spiele bei Turnierstarts bei heißen Temperaturen das richtige Management. Das A und O sei die Flüssigkeitsversorgung, wichtig sei es, dass das Pferd viel trinken könne, bei starkem Schwitzen dürften auch Elektrolyte dem Wasser beigefügt werden – das zähle nicht als Doping. Hilfreich sei es auch, wenn die Pferde immer wieder mit Wasser abgespritzt und somit abgekühlt werden – das sei in Ichenheim gut möglich, da mehrere Abspritz-Plätze dafür vorhanden seien. Ideal sei ein Aufenthalt im Schatten, aber selbst im Pferdetransporter gebe es heutzutage oft auch eine Klimaanlage.

Mobile Ventilatoren bringen auch viele Reiter für ihre Pferde, die während des Turniers im Stallzelt untergebracht sind, mit. Auch werde an den Seiten die Plane des Stallzeltes angehoben, so dass sich die Hitze nicht darin staut und es einen Luftzug gebe. Die Wohlfühltemperatur für Pferde liege zwischen 15 und 25 Grad Celsius.

Pferde werden auf dem Vorbereitungsplatz begutachtet

Als Tierärztin habe sie auf dem Turnier nicht nur die Aufgabe der Notfallversorgung der Pferde, sie sei auch für den Tierschutz da. „Es gibt Grenzen“, macht sie klar. Wenn ihr beispielsweise auf dem Abreiteplatz auffalle, dass ein Pferd eine sehr hohe Atemfrequenz habe oder extrem stark schwitze oder nicht mehr taktrein gehe, mache sie den Richter darauf aufmerksam, der dann eingreifen könne. Mit den Richtern arbeitet sie auch bei den Pferdekontrollen zusammen. Ein Richter sei bei dem Turnier von der Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen (ein anderer Begriff für Reit- und Fahrturniere), einem Organ des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg, als leitender Richter beauftragt. Dieser Richter lege fest, wann vom Tierarzt stichprobenartig Kontrollen der Gliedmaßen der Pferde, der Sattellage und des Gebisses vorgenommen werden. Dopingkontrollen führt sie auch durch, das sind Urin- oder Blutproben der Pferde, die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, dem Dachverband der Pferdesportler, meist nach dem Zufallsprinzip, manchmal aber auch gezielt bei Verdachtsfällen angeordnet werden.

Bei Springturnieren ist die Anwesenheit eines Tierarztes Pflicht

Bei Springturnieren besteht Anwesenheitspflicht eines Tierarztes. Bei Dressurturnieren im höherklassigen Bereich (wie in Ichenheim) auch, einzig bei Dressurturnieren oder WBO-Turnieren in der niedrigeren Prüfungskategorie genügt Rufbereitschaft eines Tierarztes.

Tierärztliche Notfälle, zu denen sie während des Turnieres gerufen wird, seien eher Kleinigkeiten wie Schürfwunden, die beim Auf- und Abladen der Tiere auf den Transporter entstehen können oder es gebe auch Koliken, die aufgrund des Stresses entstehen. Verletzungen an den empfindlichen Pferdebeinen im Parcours oder Dressurviereck hingen oft auch mit den Bodenverhältnissen zusammen. „In Ichenheim ist der Boden sehr, sehr gut“, stellt sie dazu fest.

Versorgung des Menschen

Selbstverständlich steht übrigens auf dem Reitturnier nicht nur für Pferde, sondern auch für Menschen eine medizinische Versorgung durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bereit.