Monika Köhler räumt auf. Foto: zVg/Köhler

Im Neuen Jahr wird alles besser. Vor allem ordentlicher. Wer sich das vorgenommen hat, sollte Monika Köhler aus Steinen zuhören. Sie hilft Aufräumen. Das kann nicht jeder.

Nach diesem Interview möchte die Fragestellerin am liebsten sofort Zuhause loslegen: ausmisten, aufräumen, strukturieren. Monika Köhlers Tipps inspirieren. Die Frau weiß, wie man Ordnung schafft – und zwar nachhaltig. Und das macht ihr so viel Spaß, dass sie aus ihrer Passion ein zweites berufliches Stadtbein geschaffen hat. Hat man so eine Expertin vor der Nase, will man natürlich wissen, wie das geht – das Aufräumen.

 

Frau Köhler, waren Sie schon immer ordentlich?

Ja. Schon als Kind habe ich meine Legosteine nach Farben sortiert. Und meine Buntstifte. Wenn ich einen Schreibtisch habe, muss alles geordnet sein, alles hat seinen festen Platz. Vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber auch später in meiner beruflichen Laufbahn habe ich an jeder Stelle widerspiegelt bekommen, dass ich sehr strukturiert bin. Bewusst war mir das nicht. Ich fand das normal.

Wie kamen Sie dazu, Ordnungscoach zu werden?

Das kam in der Corona-Zeit. Da begann ich, das ganze Haus aufzuräumen und auszusortieren: vom Dach bis in den Keller. Ich habe ganz viel losgelassen, gespendet, verschenkt, verkauft, letzteres sogar zum Teil ganz gut. Denn manchmal finden sich beim Aufräumen echte Schätze. Irgendwann bin ich meinem Mann dann damit etwas auf die Nerven gegangen. Er meinte: „Räum doch mal bei anderen auf.“

Mehr Ordnung in der Küche Foto: zVg/Köhler

Ein Aha-Erlebnis?

Ja. Da war der Gedanke gesetzt: Warum eigentlich nicht? In Amerika ist es im übrigen ganz normal, einen Ordnungscoach zu beschäftigen.

Wie wird man zertifizierte Ordnungsexpertin?

Ich habe zunächst mein Kleingewerbe angemeldet und einzelne Kunden gehabt. Dann stieß ich auf das Netzwerk „Ordnungswelt“. Die bieten auch eine Ausbildung an. Ich habe Workshops gemacht, sieben Monate lang den Stoff durchgearbeitet und eine Prüfung abgelegt.

Wie wichtig war das?

Ich habe dabei gerade theoretisch dazugelernt, zum Beispiel über die verschiedenen Ordnungstypen, die es gibt. Ich dachte bis dahin: Klar, jeder kann Ordnung lernen. Aber so leicht ist das nicht. Jeder braucht ein anderes System. Ich hatte zum Beispiel mal einen Mann als Kunden, der hatte ganz große Probleme, seine Dokumente zu ordnen. Ich habe eine Zusatzausbildung für Dokumenten- und Foto-Ordnung absolviert. Das war in dem Fall sehr wichtig.

Wieso ist man unordentlich?

Das sind oft kreative Typen. Es gibt auch den Typ Maler, in dessen Atelier sieht es für mich schrecklich chaotisch aus. Für ihn hat aber alles seine feste Ordnung. Er findet alles. Dem sollte man jetzt nicht sagen, er muss umräumen. Sinn für Ordnung liegt natürlich auch an der Erziehung, ob man gelernt hat aufzuräumen – oder nicht.

Aufräumen ist nicht gleich Aufräumen?

Richtig. Da gibt es den visuellen Typ, für den muss alles nach Farben sortiert sein; oder Menschen, die offene Ordnungssysteme brauchen, wo sie gleich sehen, was wo ist; oder Menschen, die es gerne ästhetisch und geschlossen haben. Da setzt die Arbeit für mich ein, auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen.

Müssen Sie nicht auch ein Stück weit Psychologin sein?

Auch das war Teil der Ausbildung. Wir leisten sehr viel mehr, als aufzuräumen. Wir müssen ein Gespür dafür haben, was ist das für ein Mensch. Und man muss mit dem Kunden und seinen Vorstellungen klarkommen – gegenseitig. Denn es freut mich auch sehr, wenn ein Projekt gelingt. Es ist jedes Mal befriedigend, wenn die Leute mit ihrer neuen Ordnung zurechtkommen und sich freuen. Der Vorher- und Nachher-Effekt: Das ist mega. Wenn äußerlich Ordnung herrscht, ist auch mehr Ordnung in Kopf und Seele – und weniger Stress.

Man hat schön aufgeräumt. Nach einer Woche voller Hektik ist alles wieder beim Alten. Welche Tricks kennen Sie dagegen?

Erstmal müssen Sie eine Grundordnung haben. Nach Kategorien sortieren. Sie können lange Ihre Küchenschublade aufräumen. Wenn nicht klar definiert ist, was da reinkommen darf, dann landet wieder das falsche drin. Drei Fragen können beim Ausmisten helfen: Brauche ich das noch? Wenn ich es noch nicht hätte, würde ich es mir wieder kaufen? Hänge ich emotional dran?

Eine Frau sortiert ihren Kleiderschrank. Was kann weg? Foto: Markus Scholz/dpa

Ein Beispiel. Sie stehen vor einem Schrank, ein Durcheinander. Dazu besteht der Wunsch auszumisten. Wie gehen Sie da ran?

Erstmal muss alles raus. Da liegt dann ein Berg. Und der Kunde merkt, was er alles hat. Man muss ja kein Minimalist sein: Aber wir haben alle zu viel. Dann arbeiten wir uns durch den Kleiderhaufen durch und sortieren. Anschließend geht’s in den einzelnen Bereich. Beim Lieblingsteil gibt es keine Diskussionen, das bleibt. Aber vieles passt gar nicht mehr, ist nicht mehr in Ordnung. Weg damit! Manche ordnen dann nach Farbe, andere nach Kleidungstyp. Wenn ich sehe, der Kunde hat fünf weiße Hosen, dann können drei weg. Die kann man spenden oder verkaufen. Da gibt es genügend Portale. Die Nachhaltigkeit liegt mir sehr am Herzen. Ich bin nicht der Typ, der alles in die Tonne schmeißt.

Wie lange braucht man für einen Schrank?

Das ist sehr individuell und hängt davon, ab, wie schnell sich der Mensch entscheiden kann. Menschen, die damit Probleme haben, denen empfehle ich gerne eine Typberatung. Das habe ich mir selbst gegönnt. Und das Geld ist gut investiert.

Wo misten Sie am liebsten aus?

Sehr am Herzen liegt mir das „Death Cleaning“. Darin geht es darum, den Besitz sinnvoll zu reduzieren, um das später mal seinen Angehörigen zu erleichtern: Wenn Menschen umziehen, sich verkleinern, ins Pflegeheim müssen oder sterben. Die Angehörigen sind sehr dankbar, wenn schon reduziert und entschieden wurde. Seinen Haushalt verkleinern, loszulassen, zu entscheiden, wer mal was bekommt. Dazu gehört auch ein Notfallordner, darein gehört die Patientenverfügung, Testament, aber auch die Passwörter. Viele denken da gar nicht dran.

Es ist nicht immer leicht, sinnvoll zu entsorgen, oder?

Es gibt so viele gute Adressen. Kindersachen an Kindergärten, Kleider an soziale Institutionen – ich habe da ein ganzes Netzwerk. Was Sie nicht mehr losbekommen, sind alte Möbel, Eiche rustikal. Wir haben heute ja alle viel zu viel, Stichwort Fast Fashion. Aber alte Menschen noch aus der Kriegsgeneration, die tun sich oft schwer damit, loszulassen. Und die Kinder wollen diese alten Sachen oft gar nicht mehr.

Wie ist Ihr Kaufverhalten?

Eine einfache Regel lautet: Wenn ich ein neues Teil kaufe, muss ein anderes gehen. Ich kaufe generell wenig, dafür gute Qualität: bei Kleidung, Haushalt und bei Lebensmitteln. Und keine Deko mehr!

Monika Köhler lebt in Steinen. Sie war Hotelfachfrau, dann in der Gastronomie in der Schweiz tätig und hat in Lörrach bei C&A als Führungskraft gearbeitet. Als die Kinder kamen, übte sie verschiedene Minijobs aus und arbeitete dann bei Hieber in Weil. Ihre Chefs haben stets ihre strukturierte Arbeitsweise hervorgehoben. Inzwischen arbeitet sie bei der Firma Busch in Teilzeit. Sie ist zertifizierte Ordnungsexpertin. https://ausmistenundmehr.de/