Der Wochenmarkt in Calw ist eine Institution, doch die Händler spüren ein verändertes Kaufverhalten bei den Kunden Foto: Thomas Fritsch/Thomas Fritsch

Unserer Redaktion hat bei Stadt und Händlern nachgefragt, nachdem häufig einige Stände gefehlt hatten.

Der Wochenmarkt ist nach wie vor eine Institution in Calw, zumal er über ein attraktives Ambiente verfügt. Dazu trägt vor allem der historische Marktplatz bei.

 

Nun haben in den vergangenen Wochen immer mal wieder Händler gefehlt. Wie Nachfragen unserer Redaktion ergaben, war das vor allem krankheitsbedingt. So musste Obst- und Gemüsehändler Recai Kaya einmal kurzfristig absagen. Immer mal wieder krank war Alcide Muscas. „Es geht mir jetzt besser“, sagte „der Sarde“, wie er von vielen Kunden genannt wird. „Was ich durch meine Krankheit verloren habe, lässt sich nicht mehr aufholen. Weitere Einbußen würde ich nur schwer verkraften“, so Muscas. Er verfügt mit seinen italienischen Spezialitäten nach acht Jahren auf dem Wochenmarkt über eine treue Stammkundschaft.

Krankheit,Urlaub, Personalmangel

Personalmangel Andere Händler wiederum kommen nur, wenn sie regionale Ware verkaufen können. Steht die nicht zur Verfügung, bleiben sie zu Hause. Oder es fehlt an Personal, sodass Fischhändler Sokratis nur alle zwei Wochen nach Calw kommt.

Für Isabel Götz ist das nachvollziehbar. „Die Betreiber stehen selbst am Stand. Da kann es schon mal zu Ausfällen kommen, sei es wegen Krankheit oder auch, weil Urlaub gemacht wird“, so die Fachbereichsleiterin Bildung, Kultur, Tourismus der Stadt Calw. Dafür bekommen die Kunden Qualität, die vielfach selbst produziert ist.

So zufrieden mit den Geschäften wie Christian Schrempf und der Ulmenhof aus Unterlengenhardt sind nicht alle Händler. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, sagt Schrempf. Der Landwirt hat vor rund einem Jahr den Stand von Wochenmarkt-Urgestein Karl-Eugen Kummer übernommen (wir berichteten), der fast 40 Jahre lang auf dem Wochenmarkt war. Zuvor war Schrempf mit seinen eigenen Äpfeln, Kartoffeln und Eiern mit einem sehr viel kleineren Sortiment neun Jahre lang vertreten.

Stark gestiegene Lebensmittelpreise

Steigende Preise Folglich hat er die Auswirkungen der stark gestiegenen Lebensmittelpreise gar nicht so stark gespürt, da ihm mit dem nun sehr viel größeren Stand weitgehend die Vergleichsbasis fehlt.

„Das ist eigentlich sehr gut gelaufen“, sagt Inga Läuter von der Betriebsgemeinschaft Ulmenhof, die den Stand der Firma Ortlieb aus Uhlbach übernommen hat. Allerdings sei schon zu spüren, dass sich beispielsweise bei Beeren, die sich besonders stark verteuert haben, die Kunden zunehmend zögern. „Die Leute halten das Geld zurück“, sagt auch Marion Tsogos von Sokratis. Das werde sich nach ihrer Einschätzung so schnell nicht ändern.

„Die Kunden haben es nun mal gerne bequem“

Verändertes Kaufverhalten Neben der Inflation wirkt sich ein generell verändertes Kaufverhalten negativ auf das Geschäft aus, so Kummer. Denn auch die Discounter verfügen inzwischen über gute frische Ware. Und die Supermärkte haben bis in die Nacht geöffnet, sagt Recai Kaya: „Die Kunden haben es nun mal gerne bequem.“ In anderen Städten gebe es die gleichen Probleme.

So gelte es, die Alleinstellungsmerkmale der Wochenmärkte herauszustellen. Es werden Waren von hoher Qualität angeboten. An den Ständen kann man die Lebensmittel probieren und wird beraten. Das ist in Supermärkten nicht der Fall.

Anfangs der 2010er-Jahre hatte sich der Calwer Wochenmarkt schon einmal in der Krise befunden. Der damalige Oberbürgermeister Ralf Eggert hatte Jürgen Rust, bis zu seinem Ruhestand im Marketing tätig, gebeten, sich um den Wochenmarkt zu kümmern.

Neues Konzept rettete den Wochenmarkt

Neues Marktkonzept Er entwickelte ein neues Konzept, dass es auf anderen Wochenmärkten bis heute nicht gibt und über Rusts Tätigkeit hinaus Bestand hat. Dazu zählen: eigenes Logo, Bonuskarten, Themenmärkte und die Marktrezepte. Die Umsätze nahmen daraufhin um 30 Prozent zu.

Nach Rusts Rückzug vor zwei Jahren fühlen sich die Händler nach wie vor gut von der Stadt betreut. Das sagen beispielsweise Alcide Muscas und Marion Tsogos, die auch auf anderen Märkten ihre Waren anbieten.

„Wir werden gehätschelt und gepflegt“, lobt Inga Läuter. Und: „Wir haben tolle Kunden und super Kollegen.“ Eine Meinung, die auch viele andere Händler teilen.

Folglich stehen die Zeichen gar nicht so schlecht, dass sich die gut ein Dutzend Händler auf dem Wochenmarkt auch in Zukunft trotz eines schwierigen Umfelds behaupten können.