Bei Josef Herdner naht nach 16 Jahren das Ende seiner Amtszeit als Bürgermeister von Furtwangen. Er weiß so manches Schmankerl zu erzählen, berichtet aber auch von Herausforderungen.
Beheimatet ist Josef Herdner im Triberger Stadtteil Nußbach, aber natürlich auch mit Furtwangen eng verbunden. „Ich habe eine Studentenbude hier“, schmunzelt er. Und das werde er voraussichtlich auch im Ruhestand so beibehalten. Ab dem neuen Jahr sei er zwar nicht mehr Furtwangens Bürgermeister, doch die eine oder andere Aufgabe wolle er weiterhin hier wahrnehmen.
Nur noch bis zum Jahresende ist Herdner das Stadtoberhaupt, bevor der bisherige Hauptamtsleiter Florian Merz das Zepter übernimmt. Er wurde am 9. November in der Stichwahl mit Gegenkandidatin Isolde Grieshaber zu Furtwangens neuem Bürgermeister gewählt.
„Das wird für mich ein schwerer Abschied“, beschreibt Herdner seine Gefühlslage im Hinblick auf das Ende seiner Amtszeit. Mit „viel Herzblut“ sei er seiner Arbeit nachgegangen. Letztlich habe ihn aber sein Alter bewogen, nicht noch mal für eine weitere achtjährige Amtsperiode zur Verfügung zu stehen.
Leute, die ihn auf seinen Abschied vom Rathaus ansprächen, sage er: „Ich bleibe Furtwangen erhalten, aber in anderer Flughöhe.“ So möchte sich Herdner weiterhin vor Ort engagieren, als Busfahrer für den Bürgerbus möchte er bereitstehen, er nimmt den Vorsitz in der Bürgerstiftung wahr, Vorsitzender ist er außerdem im Bike-Marathon-Verein und im Skiinternat in der Geschäftsführung tätig.
Offen für Neues
Vom Bisherigen Abschied zu nehmen, falle ihm schwer. Aber er sei auch immer offen für Neues.
Diese Offenheit zeigt sich auch in seiner Biografie. Nach der Realschule in Triberg absolvierte er von 1977 bis 1980 eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn. Im Anschluss arbeitete er an verschiedenen Bahnhöfen im Fahrkartenverkauf und in der Fahrdienstleitung.
Letztlich zweifelte er jedoch, das dauerhaft machen zu wollen und entschloss sich, über das Berufskolleg in Schwenningen im Jahr 1984 die Fachhochschulreife zu erlangen. Dem schloss sich 1985 eine Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst an. Als praktische Ausbildungsstelle entschied er sich „intuitiv“ für das Rathaus Furtwangen.
Zur Ausbildung gehörte auch ein zweijähriges Studium in Kehl. Mühe hatte er nach eigener Aussage vor allem mit dem Fach Psychologie. Das habe vor allem an den vielen Fremdwörtern in diesem Bereich gelegen. Deshalb schenkte er bei der Zeugnisvergabe an die Schulverantwortlichen ein Buch mit Deutsch für Anfänger mit dem Hinweis, ihm wäre es sehr recht, wenn im Unterricht wieder mehr Deutsch gesprochen werde.
Auf die Frage, was ihm während des Verwaltungsstudiums leicht gefallen war, nennt Herdner nicht etwa ein bestimmtes Unterrichtsfach: „Leich gefallen sind mir immer die Feste“, erinnert er sich gerne an Feiern mit anderen Studenten und „tolle Momente der Gemeinschaft“. Noch bis heute pflege er Kontakte mit ehemaligen Kommilitonen.
„Eine heftige Zeit“
Seine kommunale Laufbahn führte ihn 1989 zuerst zwei Jahre zum Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, dort ins Sozialamt. „Das war eine heftige Zeit.“ Er habe 300 Fälle zu bearbeiten gehabt. „Das war gewaltig.“
Anfang der 90er Jahre sei bei ihm eine Borreliose ausgebrochen. Diese Erkrankung sei damals noch recht unbekannt gewesen. Er habe zwar das typische Symptom der Wanderröte gehabt, aber der Arzt habe das damals als Hautausschlag abgetan. Die Borrelien hätten schließlich Nervenbahnen in der Versorgung seines linken Beins angegriffen. Das sorge für einen verzögerten Nervenimpuls, wenn er sein linkes Bein bewegen wolle. Zuvor war er begeisterter Fußballer in Nußbach. „Wir waren eine tolle Gruppe“. Wegen der Borreliose-Schädigung musste er die „Fußballschuhe an den Nagel“ hängen. „Das macht schon was mit einem.“ Aber von seinem Naturell her sei er ein Typ: „Wenn das eine nicht geht, mache ich was anderes.“ Daraufhin sei er wieder verstärkt im Chor in Nußbach aktiv geworden.
Mitglied sei er bei der CDU. „Das hindert mich nicht, frei zu denken.“ Er sei „kein Parteisoldat“. „Ich bin eigentlich ein unruhiger Freigeist.“ Er sei kein Mensch, der sich in Kategorien oder Ideologien bewege. „Das würde mein Leben viel zu stark einschränken, mir die ganze Weite des Lebens nehmen. Da bin ich nicht bereit dazu.“
Erwin Teufel in der Küche
Mit der CDU sei er schon in seinem Elternhaus früh in Verbindung gekommen. Sein Vater, der eine Bäckerei in Nußbach führte, sei CDU-Mitglied gewesen. Aufs Wochenende hin von Freitag auf Samstag wurde besonders viel gebacken. „Da konnte es schon mal sein, dass Erwin Teufel Freitagnacht in der Küche saß – oder Hansjörg Häfele, wenn er von einer Parteisitzung kam.“ Da seien dann „frische Weckle“ gegessen worden.
Zwischenzeitlich verließ er für einige Jahre die CDU, aber mit dem Einzug in den Kreistag nahm er auch das Parteibuch der Christdemokraten wieder an.
Auch seine zehnjährige Tätigkeit als Bauamtsleiter im Vöhrenbacher Rathaus von 1991 bis 2001 hat Herdner geprägt. In der Zeit habe es „viele unglaublich gute Begegnungen gegeben. Das Arbeiten dort hat auch Spaß gemacht.“
Das kann er auch
Im Jahr 2002 wechselte er nach Triberg als Geschäftsführer des Gemeindeverwaltungsverbands (GVV), zu dem neben Triberg auch Schonach und Schönwald gehören.
Damals sei bei ihm im Kontakt mit den dortigen Bürgermeistern der Gedanke gekommen, die Arbeit eines Bürgermeisters könne er auch machen und äußerte das gegenüber dem Kämmerer von Triberg. Eines Tages habe ihm der Kämmerer kommentarlos eine Mappe auf den Tisch gelegt. Und darin habe sich die Stellenausschreibung für den Bürgermeisterposten in Furtwangen befunden.
Herdner nahm gedanklich zuerst Abstand davon, weil er dachte, es sei aussichtslos, gegen einen Amtsinhaber anzutreten, damals war Richard Krieg Bürgermeister in Furtwangen. Als dann aber bekannt wurde, dass sich andere Personen auf die Stelle bewarben, sah Herdner auch Chancen für sich. Er weiß noch, wie er nach einem Urlaub in der Triberger Partnerstadt Fréjus im Sommer 2009 an einem Samstag zurückkam. Zwei Tage später, am Montag, endete die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterstelle. Am Sonntag schrieb Herdner seine Bewerbung und warf sie in den Briefkasten des Rathauses Furtwangen.
Schließlich schaffte er es gleich beim ersten Wahlgang am 18. Oktober 2009, sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen und mit 50,8 Prozent die absolute Mehrheit zu erlangen.
Der Anfang als Bürgermeister von Furtwangen stellte ihn gleich vor große Herausforderungen. „Am 2. Januar 2010 habe ich angefangen. Und tags drauf sagt mir der Kämmerer, wir haben kein Geld.“ Es war die Zeit der Wirtschaftskrise. Es konnte laut Herdner kein ausgeglichener Haushalt aufgestellt werden. Die Gewerbesteuer sei damals von sieben auf vier Millionen Euro eingebrochen.
Doch bereits im Jahr darauf, 2011, hellte sich die wirtschaftliche Lage auf. Und 2012 hätten angehäufte Schulden schon wieder zu einem beträchtlichen Teil abgebaut werden können. „Ich war ein Glückskind“, schaut Herdner auf die Jahre darauf, in denen eine „wirtschaftlich hervorragende Zeit“ kam.
Doch das sei jetzt wieder „kolossal anders“. Derzeit seien die Finanzen wieder klamm. Das betreffe alle Kommunen. Deutschland habe dabei weniger ein Einnahmen-, sondern eher ein Ausgabenproblem. Standards seien geschaffen worden, die auf Dauer nicht zu halten seien. Herdner bemängelt auch die „überbordende Bürokratie“.
Strukturelle Veränderungen
Er sieht die Notwendigkeit von strukturellen Veränderungen, auch in Furtwangen. Dabei erwähnt er als Beispiel eine eventuelle Zusammenlegung von Grundschulen, um letztlich Unterhaltungskosten für Gebäude reduzieren zu können. Als wichtigen Weg sieht er auch interkommunale Zusammenarbeit und erwähnt das gemeinsame Gewerbegebiet mit Gütenbach.
Krisen bieten auch Chancen, meint Herdner. So sei aus der Finanznot im Jahr 2010 vermehrt bürgerschaftliches Engagement entstanden. Als Beispiele nennt Herdner den Bürgerbus, den Bregtalbad-Verein, die Bürgerstiftung und den Bregtallift-Verein. Durch dieses Engagement aus den Reihen der Bevölkerung konnte Infrastruktur auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gehalten werden. „Aus heutiger Sicht ein Erfolgsmodell.“
Der Schnitt jetzt, mit einem Ende seiner Bürgermeistertätigkeit am Ende dieses Monats, sei insofern hart, weil er noch in vielem drinstecke, er noch viele Ideen habe. „Meine Frau sagt mir ständig, das ist jetzt nicht mehr deins.“
Der 64-Jährige hat Erfahrung mit sich selbst. Er weiß, das Leben geht weiter, und neue Aufgaben warten auf ihn. „Es findet sich ständig wieder etwas Neues“, so Herdner. Man müsse nur mit offenen Augen durchs Leben gehen.