Kunstwerke, Familienschmuck oder Uhren – ein Expertenteam begutachtete in Villingen diese Unikate. Fast wie bei der ZDF-Show „Bares für Rares“.
Ein Expertenteam der Mannheimer und Miltenberger Auktionshäuser hat am Samstag im Dormero-Hotel in Villingen Station gemacht und bot interessierten Bürgerinnen und Bürgern in einem persönlichen Gespräch ihre Expertise an.
Einige dieser Kunstwerke wandern nun in den kommenden Monaten in eine Auktion. Und viele der vorgelegten Schmuckstücke wurden durch die Auktionshäuser vor Ort angekauft.
Oft sind es Dinge, die schon seit Jahrzehnten in irgendwelchen Kellern, auf Dachböden oder in Schubladen schlummern. Irgendwann stellt sich die Frage, ist das wertvoll oder bleibt nur ein ideeller Wert. Dass die Beantwortung dieser Fragestellung bei der Bevölkerung offensichtlich einen hohen Stellenwert besitzt, zeigte die Tatsache, dass die drei Experten während ihrer über sieben Stunden andauernden Anwesenheit permanent gefragt waren.
Großes Interesse
Mehr als 50 Interessierte hatten im Vorfeld einen Termin erhalten. Aber auch spontane Besuche waren an diesem Samstag möglich, so dass am Ende des Tages letztlich über hundert Wissbegierige ihre „Schätze“ präsentieren konnten.
„Über 300 Terminanfragen haben uns im Vorfeld erreicht“, beschrieb der Seniorchef des familiengeführten Traditionsunternehmens Charles Bamberger das immense Interesse an einer Begutachtung außerhalb ihrer Auktionshäuser. Bamberger ergänzte, dass leider nicht alle Interessierten berücksichtigt werden konnten, da sich bei dieser Veranstaltung die Bewertung nur auf Gemälde, Skulpturen, Schmuck oder Uhren beschränkte und wies aber in diesem Zusammenhang auch auf die Möglichkeit eines Hausbesuches hin. Denn gerade bei speziellen Dingen – ohne eindeutige Signaturen oder Herkunftsangaben – braucht es dann doch etwas mehr Zeit zur Recherche, um eine sichere Bestimmung festzulegen.
Fernsehteam vor Ort
Dass die Veranstaltung auch über die Grenzen des Schwarzwald-Baar-Kreises hinweg ein mediales Interesse auslöst, zeigte die Anwesenheit eines ZDF- Fernsehteams der Boulevardsendung „Hallo Deutschland“.
Peter Beier aus Schwenningen präsentierte sein altes Silberbesteck. „Das hat schon etwas von „Bares für Rares“ für die Provinz“, so seine Motivation dabei zu sein. Nach der Experten-Bewertung hätte er nur den aktuellen Silberpreis erhalten und für eine Auktion wäre das vollständige Besteck nicht in Betracht gekommen. „Ich fand es trotzdem spannend und unterhaltsam“, so Beier als er sich mit seinem samteingeschlagenen Silberbesteckkasten wieder auf die Heimreise machte.
Ölgemälde bringt Überraschung
Mit einem alten Ölgemälde nahm Harald Hönig aus Unterkirnach an einem der Bewertungstische Platz und erfuhr, dass es sich um ein Gemälde der expressionistischen Landschafts- und Porträtmalerin Dora Koch-Stetter (1881 bis 1968) handelt und bei Auktionen gut gehandelt wird. Falls das Gemälde bei einer Auktion angeboten werden sollte, dann müssten noch eine abschließende Echtheitsprüfung und eine professionelle Säuberung erfolgen. Diese Maßnahmen würde allerdings das Auktionshaus übernehmen und wäre in den fälligen Auktionsgebühren (25 Prozent des Verkaufspreises) enthalten.
Skulpturen wandern in Auktion
Eine Bronzeskulptur präsentierte Hans-Georg Ebeling aus Weigheim, die sich schon seit etwa 80 Jahren in Familienbesitz befindet. Die etwa 40 Zentimeter hohe Skulptur stellt eine landwirtschaftliche Szene dar, bei dem ein Bauer sein Saatgut ausbringt. Der Gutachter bringt mit seiner Expertise Licht ins Dunkel. Die Skulptur stammt vom französischen Bildhauer Edouard Drouot (1959 bis 1945) und wird mit etwa 450 Euro gehandelt. In den kommenden Monaten wird nun diese Skulptur auf einer Auktion über das Auktionsportal „lot-tissimo“ zum Kauf angeboten. „Ich war das erste Mal hier und bin sehr zufrieden“, so das Resümee von Hans-Georg Ebeling.
Auf Zeitpunkt kommt es an
Dass man als Eigentümer eines Kunstwerks vor einem Verkauf noch etwas Geduld aufbringen sollte, zeigte die Vorlage eines von Udo Lindenberg gemalten Aquarells. Bei einer Auktion wäre das Aquarell aktuell mit einer Bewertung von etwa 10 000 Euro angesetzt worden. Doch Charles Bamberger riet dem Anbieter mit einer Veräußerung noch etwas zu warten, da sich der Verkaufserlös in den nächsten Jahren noch erhöhen werde. „Bei der Entscheidung zu verkaufen spielt oft auch die Emotionalität eine Rolle und deshalb ist unsere Philosophie, dass wir den Anbietern Zeit lassen eine Entscheidung zu treffen, ohne Druck aufzubauen“, so Charles Bamberger.
Viele der Besucherinnen und Besucher boten Schmuckstücke in verschiedenen Ausführungen an. Immer wieder lagen Uhren, Armbänder, Ringe oder Perlenketten in großer Anzahl auf den Tischen. Eine Anbieterin erzielte für ihre Schmuckstücke - auch bedingt durch den derzeit hohen Goldpreis – dann auch über 5000 Euro. Der Gutachter prüfte zuvor sehr ausführlich die Echtheit und anhand der eingeschlagenen Punzen den Wert und musste dabei bei einem Armband feststellen, dass in diesem Schmuckstück Wachs oder Beton eingearbeitet wurde. Diese Materialien wurden bis in die 80er-Jahre häufig in Armbänder eingefüllt, um das Gewicht des Schmuckstücks zu erhöhen.
Es wurde geschummelt
Auch die Echtheitsprüfung von Brillanten eines älteren Armbandes führte zu Erstaunlichem. Von sechs eingefassten Brillanten waren nur vier echt. „Auch damals haben Juweliere immer mal wieder geschummelt“, so Charles Bamberger mit einem schmunzelnden Lächeln.
Heute werden immer öfter synthetische Diamanten verwendet, denn diese Diamanten seien einfach konfliktfreier“, ergänzte Bamberger. „Außerdem seien Perlenketten wieder im Kommen, insbesondere Perlenketten aus den 70er-Jahren sind bei der jungen Generation derzeit wieder gefragt“, so der Seniorchef.
Voraussichtlich Ende des Jahres werden die Auktionshäuser erneut in Villingen-Schwenningen Station machen.