Start der Demo ist am Alten Rathaus. Mitorganisatorin Felicitas Bott (am Megafon) freut sich über die vielen Teilnehmer. Foto: Otto

Transparente, viel Applaus und jede Menge Fahrräder: Mit einer Demo zeigten rund 140 Bürger am Mittwochabend, dass sie kein neues Parkhaus am Nägelesgraben wollen. Sie fordern ein Konzept, das nicht Autos, sondern den Klimaschutz in den Mittelpunkt stellt.

Rottweil - "Verkehrswende statt Weltende", lautete eines der zahlreichen Plakate, die die Demonstranten mitgebracht hatten. Und Oberbürgermeister Ralf Broß wurde daran erinnert, dass man "in einem Parkhaus nicht wohnen kann". Das zeigt das Spannungsfeld, in dem sich Stadt und Gemeinderat derzeit befinden. Man will ein neues Mobilitätskonzept schaffen, mehr attraktiven öffentlichen Raum bieten – beispielsweise mit der Neugestaltung des Friedrichsplatzes – und zudem sicherstellen, dass sowohl für die Rottweiler als auch für die steigende Zahl von Besuchern ausreichend Stellplätze vorhanden sind. Sich komplett auf den Autoverkehr auszurichten und dafür den Nägelesgraben mit einem weiteren Parkhaus "zuzubauen", halten viele allerdings für den völlig falschen Weg.

Redner am Megafon

Per Rad ging es deshalb am Mittwochabend von der Innenstadt zum Tagungsgort des Gemeinderats in Göllsdorf. Dort betonte Hannes Soballa, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion, dass es nicht allein um den Parkhaus-Bau gehe. Es gehe um die grundsätzliche Richtung. "Die eine Lösung gibt es nicht", erklärte er. Man müsse sich auf allen Ebenen dem Klimaschutz stellen. "Der Klimawandel ist da", sagte er mit Blick auf die aktuellen Naturkatastrophen. Für Rottweil müsse das Ziel sein, alle Verkehrsarten gleichermaßen zu berücksichtigen und gleichzeitig ein Konzept zu finden, "das auch den Tourismus aushält".

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Beate Kalmbach teilte am Megafon ihre Sorge um den Spielplatzverlust am Nägelesgraben und sprach sich für innovative Verkehrskonzepte und eine zukunftsweisende Landesgartenschau aus. Viel Applaus erntete auch Ute Bott, die forderte, Stadtplanung "neu zu denken" und die Priorisierung des Autoverkehrs endlich zu beenden. Von einer Alibi-Funktion bei Bürgerfragestunden und -versammlungen und einer "Bürgerbeteiligung" ohne echte Veränderungen habe sie "die Nase voll".

In der Sitzung ging es dann ruhiger zu. Die Entscheidung zum Parkhaus stand an diesem Abend nicht an. Oberbürgermeister Ralf Broß bekräftigte sein Angebot, in den Dialog zu gehen und die Bürger mitzunehmen.

Ideen willkommen

Bei der Einwohnerversammung im Herbst gelte es, Missverständnisse auszuräumen. Auf Nachfrage von Bürger Stefan Roth, wie es danach weitergehen soll, erklärte Broß, man werde alles weitere "abhängig von der Resonanz der Bürger" machen. "Wenn es Ideen gibt, auf die wir noch nicht gekommen sind, nehmen wir die gerne mit."

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