Bei Bietenhausen soll eine Stahlkonstruktion die Silhouette des Orts und die Landschaft nachhaltig verändern. Einwohner wollen das verhindern. Deshalb regt sich jetzt der Widerstand.
Gegen den Bau eines geplanten Funkmasts machen Bürger Bietenhausens mobil. Auf einem Flyer, der in Rangendingens Teilort verteilt worden war, heißt es: „Ein Bauwerk dieser Größe verändert, wie Bietenhausen wahrgenommen wird – von innen und von außen.“
Organisatorisch wird die Initiative von rund zehn Anwohnern getragen. Zu ihnen gehört Frank Pfister, der auf eine Online-Unterschriftenaktion gegen den Funkmast hinweist. Diese Petition gegen die Konstruktion unterstützen schon gut 190 Personen. Wie Pfister berichtet, kommt es quasi nirgends im Zollernalbkreis vor, dass ein Funkmast in dieser Dimension so nah an der Wohnbebauung steht.
Mit 31 Metern Höhe höher als alle anderen Gebäude
Tatsächlich übertrifft das Bauwerk mit 31 Metern Höhe jedes andere Gebäude in Bietenhausen und würde Landschaftsbild und Silhouette des Teilorts auf Jahrzehnte hin verändern, so die wesentliche Befürchtung. Im Raum stehen – laut Flyer – daher die „Sorge“ um den Wertverlust der Immobilien und die „subjektive Belastung durch ständige Sichtbarkeit“.
Untragbar für die Funkmastgegner ist deshalb die Nähe zum Ort: Der Mast soll gerade einmal rund 75 Meter von der Wohnbebauung entfernt sein. Akzeptabel wäre dagegen ein alternativer Standort in rund 200 Metern Entfernung von der Wohnbebauung, so der Vorschlag der Funkturm-Gegner.
Diesen Standort hatte die Gemeinde ins Gespräch gebracht, wurde von der Telekom aber abgelehnt. Dies geht aus Sitzungsunterlagen für den Gemeinderat hervor. Das Gremium wird über das Thema bei der Sitzung am heutigen Mittwochabend, 20. Mai, beraten (siehe Info). Bürger aus Bietenhausen wollen dabei ihre Stellungnahme gegen das Projekt übergeben. Dabei positionieren sie sich nicht generell gegen den Bau des Mobilfunkmasts, ihnen kommt es auf die Standortfrage an. In der Online-Petition heißt es dazu: „Wir, die unterzeichnenden Bürgerinnen und Bürger von Bietenhausen, sprechen uns nicht gegen den Mobilfunkausbau aus! Wir fordern jedoch Transparenz, Bürgerbeteiligung und die ernsthafte Prüfung alternativer Standorte beim geplanten Mobilfunkmast.“
Nicht generell gegen den Bau
So machen die Unterzeichner der Online-Petition nicht nur auf den nach ihrem Dafürhalten verfehlten Standort aufmerksam, sondern auch auf das Vorgehen. Die Bevölkerung ist während der Ortschaftsratssitzung (vor gut zwei Wochen) in Kenntnis gesetzt worden – eine offizielle Information über den Verfahrensstand, die sich speziell an die Bürger richtete, hatte es zuvor nicht gegeben.
In der Online-Petition steht zu diesem Thema: „Diese späte Einbindung hat zu großer Enttäuschung und einem spürbaren Vertrauensverlust geführt. Entscheidungen dieser Tragweite betreffen das Ortsbild, das unmittelbare Wohnumfeld und die langfristige Entwicklung unseres Dorfes.“ Das heißt: Die Bürger möchten mitreden, wenn die Landschaft ihrer Heimat in dieser Weise nachhaltig verändert wird.
Technische Notwendigkeit in Frage gestellt
Nicht nachvollziehbar bleibt aus der Sicht der Bürger die technische Notwendigkeit des Funkmasts so nah am Ort. Die Mobilfunkabdeckung ist in Bietenhausen, wie ein Selbstversuch mit einem Smartphone am D1-Netz zeigte, schon heute gut. An den meisten Stellen funktioniert die Verbindung reibungslos. Wie zu hören ist, kommen Vodafone-Kunden zu ähnlichen Einschätzungen.
Die Bürger schreiben in ihrem Flyer: „Nach derzeitigem Kenntnisstand besteht bereits eine gute Mobilfunkversorgung in Bietenhausen, der zusätzliche Nutzen für den Ort ist daher aus Bürgersicht nicht eindeutig erkennbar.“ Offen bleibt deshalb die Frage, warum es überhaupt einen Funkmast benötigt.
Wichtig zu wissen: Errichtet wird der Funkturm von der „Deutschen Funkturm GmbH“ mit Sitz in Leverkusen. Der Mobilfunkanbieter Telekom wird voraussichtlich zwar das erste Unternehmen sein, das am Funkturm weitere Einrichtungen installiert, muss aber nicht das letzte bleiben. Auch andere Firmen können dort Antennen anbringen und nutzen.
Verwaltung schlägt Zustimmung vor
Beraten
wird der Neubau des Funkturms bei der Sitzung des Rangendinger Gemeinderats, die am heutigen Mittwoch, 20. April, von 18.30 Uhr an im Sitzungssaal des neuen Rathauses stattfindet. Im dazugehörigen Beschlussvorschlag der Verwaltung heißt es: „Das Einvernehmen zum Baugesuch Flst. Nr. 2007, Bietenhausen, Neubau eines 31,02 Meter – Stahlgittermastes mit 2 Plattformen sowie Systemtechnik auf Fundament wird erteilt.“ Die Baubehörde in Hechingen kann allerdings unabhängig von der Abstimmung des Rangendinger Gemeinderats entscheiden.
Die Bürger
fordern laut Online-Petition: „1. einen zukünftig offenen Dialog mit der Bürgerschaft, 2. die nachvollziehbare Prüfung alternativer Standorte, 3. Transparenz bei den technischen und planerischen Grundlagen, 4. eine ortsverträgliche Lösung mit langfristiger Planungssicherheit.“ Link zur Online-Petition: https://c.org/VnPQf7LpPC
Weiterhin auf der Tagesordnung zur Sitzung des Gemeinderats stehen Bauvorhaben, die Organisation des Amtsblatts und eine Fragestunde für Einwohnerinnen und Einwohner.