Für die geplante Ansiedlung des Norma-Marktes in Bösingen müssten die dafür vorgesehenen Grundstücke um bis zu 2,5 Meter aufgefüllt werden. Anwohner fürchten negative Auswirkungen auf den Abfluss des Regenwassers. Foto: Weisser

Die Gemeinderatssitzung in der Bösinger Turn- und Festhalle vor großer Kulisse brachte für die Ratsmitglieder zum Thema Norma-Ansiedlung nicht nur wichtige Erkenntnisse. Die vorgetragenen Bedenken dreier Anwohner sorgten beim einen oder anderen Ratsmitglied für Nachdenklichkeit und gar Verunsicherung.

Bösingen - Einzelne Gemeinderäte tun sich offensichtlich momentan noch schwer, das allgemeine Stimmungsbild der Bösinger Bürger zu diesem Thema zutreffend zu fassen und einzuordnen. Dennoch stimmte die überwiegende Mehrheit des Gremiums für den Start des Bebauungsplanverfahrens "Riedstraße West" (wir berichteten). Die Verwaltung wurde zudem mit der frühzeitigen Bürger- und Behördenbeteiligung beauftragt.

Im Bebauungsplanverfahren würden die angesprochenen Kritikpunkte von den Fachbehörden überprüft und die Bürger könnten ihre Einwendungen vorbringen, betonten Bürgermeister Johannes Blepp und Ingenieur Martin Weisser vom Villingendorfer Planungsbüro Weisser & Kernl. "Es wäre wichtig zu wissen, wie die Bösinger Bürger damit umgehen und wer dafür ist", meinte Gudrun Müller.

Gegner treten geschlossen auf

In der Sitzung konnte man in der Tat den Eindruck gewinnen, dass sich die Gegner in der Mehrheit befinden. Der Bürgermeister verwies indessen auf die 288 Rückmeldungen aus der Spes-Umfrage Zukunftsmodelle für Menschen und Lebensräume. Von etlichen Bürgern habe er positive Resonanz erfahren, ließ er wissen. Von Zustimmung aus der Bevölkerung sprachen ebenso Bernadette Stritt ("Es ist ein großes Interesse da") wie auch Josef Maier.

Klar ist: Das Vorhaben am Ortsrand von Bösingen – vom Bürgermeister als zukunftsweisendes Projekt zur Verbesserung der Nahversorgung und der allgemeinen Attraktivität gesehen – ist und bleibt umstritten. Gespannt sein darf man auf die Informationsveranstaltung am Mittwoch, 29. September.

Bei diesem Termin dürften sich dann auch die Befürworter zu Wort melden. Teilweise – so war aus den Plädoyers von Felix Hezel, Bruno Bantle und Lena Eith zu entnehmen – wird die Discounter-Ansiedlung aus grundsätzlichen Erwägungen (kein Bedarf vorhanden, Schaden für die einheimischen Geschäfte, zu große Flächenversiegelung) abgelehnt. Außerdem sieht man den vorgesehene Standort wegen der Abwasserproblematik, der Ortsrandlage, dem starker Verkehr und der erforderlichen Auffüllung als völlig ungeeignet an.

Alle drei – Hezel war nicht anwesend, er war per Videobotschaft zu hören – prangerten die "schlechte Informationspolitik" und die fehlende Einbeziehung der Bürgerschaft, vor allem der Anwohner, an. Die Gemeinde sei im Vorfeld weder auf die Gewerbebetriebe noch auf die Nachbarn zugegangen, lautete der Vorwurf. Auch die Gemeinderäte durften sich diesbezüglich angesprochen fühlen. Ihr sei nicht egal, was im Dorf passiere, betonte die 20-jährige Eith.

Umfrage nur für über 35-Jährige

Unverständlich für sie, dass man sich bei der Umfrage erst ab 35 Jahren äußern durfte. Ihre klare Meinung zur Norma-Ansiedlung im Hinblick auf den Gemeindeslogan "Zwischen Tradition und Innovation": "Innovation ist nämlich, nicht den leichtesten Weg zu gehen und einen Lebensmittelriesen in die Gemeinde zu lassen, sondern Innovation ist es, wenn man zukunftstaugliche und soziale Projekte voranbringt, die die Dorfgemeinschaft stärken, Begegnungen schaffen und nicht die bestehenden Geschäfte kaputt machen."

Als "besorgter Bürger" bezeichnete sich Bruno Bantle. Er wohnt am Ortsausgang Richtung Herrenzimmern, gegenüber der von Norma erworbenen Fläche. Die beim Auffüllen des Geländes entstehenden Vibrationen könnten Schäden an der Bausubstanz hervorrufen, befürchtet er. Sehr kritisch sieht Bantle ("Wir sind die davon am meisten Betroffenen") die Problempunkte Lärm, Verkehr so wie Ableitung des Oberflächenwassers.

Nach dieser großflächigen Versiegelung könne das vorhandene Kanalsystem die Wassermassen bei einem Starkregen nicht mehr verkraften, deutete er an. Jetzt schon gebe es in diesem Bereich große Probleme. Der Abfluss über den Seltenbach werde durch die Verfüllung beeinflusst.

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