Wie ein sachkundiger Pressesprecher Licht in die Sache bringt – aber der Diskussion weitere Aspekte hinzufügt –, hat die Kolumnistin bei einer Telefonrecherche erfahren. Und ist mehr denn je davon überzeugt, dass die Stadträte die Schließung der Haupt- und Werkrealschule nicht leichtfertig treffen werden.
Jemanden zu fragen, der sich mit so etwas auskennt, ist immer eine gute Idee. In diesem Fall war es Stefan Meißner, beim Regierungspräsidium Tübingen der zuständige Pressesprecher für die Abteilung Schule und Bildung, der ein nicht unwesentliches Detail zur Diskussion um die Schillerschule Onstmettingen verraten hat: Die Stadt Albstadt kann die Haupt- und Werkrealschule nicht schließen – selbst nicht, wenn der Gemeinderat Albstadt einstimmig dafür stimmen sollte. Sie kann höchstens einen Antrag auf Schließung stellen.
Im Gespräch mit dem – übrigens höchst sympathischen – Pressesprecher wird ein mindestens ebenso wichtiges Faktum schnell klar: Die Grundschule der Schillerschule steht sowas von gar nicht zur Disposition – sie sei in dem ganzen Paket der Teil, der die größte Sicherheit genieße, so Meißner.
Die Befürchtung des Schulleiters ist unbegründet
Warum? Zum einen deshalb, weil ein Stadtteil mit 5000 Einwohnern sehr wohl Bedarf an einer Grundschule habe und das unbestritten sei. Und zum anderen, weil sich das formale Prozedere, das in der jüngsten Gemeinderatssitzung Thema war, sich eben genau umgekehrt darstellt wie dort geschildert. Im Klartext: Schulleiter Georgios Mpouras hatte darauf hingewiesen, dass die Grundschule der Schillerschule und deren Haupt- und Werkrealschule ein Verbund seien und die Grundschule – im Fall der Schließung der weiterführenden – neu beantragt werden müsste. Mit unsicherem Ausgang, ob sie dann neuerdings genehmigt würde.
Ein pikantes Detail ist neu
Die Mitglieder des „Aktionsbündnisses zum Erhalt der Schillerschule“ haben diese Information beim Regierungspräsidium Tübingen überprüft und erfahren: Ganz so ist es dann doch nicht. Und das pikante Detail hat Stefan Meißner nun noch hinzugefügt: Will die Stadt die weiterführende Schule in Onstmettingen schließen, muss sie erstmal nachfragen in Tübingen, ob sie das überhaupt darf.
Die Entfernung spielt eine nicht unwesentliche Rolle
Wie alles im Leben hat diese Information aber zwei Seiten – und Meißner noch weitergesprochen: Das Regierungspräsidium Tübingen überprüfe dann die Gesamtsituation, und wenn der nächste Haupt- respektive Werkrealschule 50 Kilometer entfernt sei, stelle sich die Lage eben anders dar als in Albstadt, wo es mit der Hohenbergschule ja noch eine Haupt- und Werkrealschule gebe – und am Tailfinger Lammerberg bald eine schöne neue Realschule, wo noch Platz wäre, um Werkrealschüler zu unterrichten.
Andere Schüler müssen viel weiter fahren
Diese Bildungsanstalten liegen 8,9 respektive 3,7 Kilometer voneinander entfernt – Distanzen, die Schüler aus Bitz, Straßberg, Nusplingen, Obernheim, Laufen, Lautlingen, Margrethausen, Burgfelden und Pfeffingen ebenfalls überwinden müssen, um eine Haupt- und Werkrealschule zu erreichen.
Die Stadträte haben damals mehrere Hemden durchgeschwitzt
Apropos Pfeffingen: Die Schüler der dortigen Hauptschule haben 2007 – ebenso wie jene der Truchtelfinger Hauptschule – dafür gekämpft, dass ihre Schulen erhalten werden. Und dabei fürs Leben viel gelernt, wie ihr Einsatz gezeigt hat, den sie mit Sachargumenten, fair und mit Herzblut geleistet haben.
Die Hohenbergschule soll auch das abfangen
Damals haben die Schillerschule, die Tailfinger Lutherschule und die Hohenbergschule die Schüler aufgenommen. Was uns zum nächsten wichtigen Aspekt bringt: Die Lutherschule ist nur noch Grundschule, und wenn die weiterführende Schillerschule schließt, wird es eng werden im historischen Gebäude der Hohenbergschule. Außerdem: Die Frage der Finanzierung einer Sanierung des maroden Onstmettinger Schulhauses bleibt – und das Damoklesschwert, dass Tübingens Regierungspräsidium die Hoheit über Albstadts Haushalt an sich reißt.
Fazit: Das einzig Gute an der ganzen Sache bleibt das nette Gespräch mit Stefan Meißner. Der ganze Rest wird noch richtig kompliziert.