100 Prozent Ehrenamt, aber immens wichtig – die Einsätze der Bergwacht nehmen nicht ab. Ein Blick auf die Einsatzlage im Wiesental in diesem Winter.
Ordentlich was los ist aktuell auf den Skipisten am Feldberg und im Oberen Wiesental. Geöffnete Skilifte und präparierte Loipen sorgen für viel Betrieb in den Wintersportgebieten.
Eine besonders wichtige Aufgabe haben die Mitglieder der Bergwacht-Ortsgruppen. Denn sie sind zur Stelle, wenn jemand stürzt.
Die Einsatzlage
Die Bergwacht-Ortsgruppen am Feldberg und im Wiesental befänden sich aktuell im „normalen Wintermodus“, sagt David Hierholzer, Landesleiter Bergrettungsdienst der Bergwacht Schwarzwald, im Gespräch mit unserer Redaktion. Es seien nicht mehr Einsätze als in anderen Wintern.
Seit dem 1. Januar hatten die Bergwacht-Ortsgruppen schwarzwaldweit 266 Einsätze, was sich im Normalbereich befinde. Klar habe man gemerkt, dass an Weihnachten kein Schnee lag. Deutlich höher als am Belchen lagen aufgrund der Schneelage die Einsatzzahlen am Feldberg. Die geöffneten Pisten sorgten vor allem zum Jahresbeginn für viele Einsätze, wie die Bergwacht in einer Pressemitteilung schreibt.
Schwerpunkt war dabei der Feldberg mit insgesamt 122 Einsätzen. Aber auch die benachbarten Ortsgruppen waren stark gefordert, darunter Notschrei mit 23 oder Wieden mit zehn Einsätzen. Ski- und Rodelunfälle waren vor allem die Gründe für Einsätze am Feldberg, in Todtnauberg oder am Notschrei, erzählt Hierholzer. Häusliche Einsätze nähmen hingegen eher ab.
Zusätzlich übernahmen die Ortsgruppen auch Veranstaltungsbetreuungen, etwa beim Para Weltcup am Feldberg oder beim Para-Biathlon Weltcup am Notschrei.
Wenn die Routine ausbleibt
Veränderungen habe man im Wintersportbereich in den vergangenen Jahren durchaus festgestellt. So seien die Pisten durch den Kunstschnee härter geworden, zugleich sei aber auch die Ausrüstung besser geworden. Doch diese Entwicklungen könne man nicht an Einsatzzahlen festmachen, so Hierholzer. „Aber die Routine fehlt bei vielen, weil die langen Winter ausbleiben, das merken wir schon immer wieder“, sagt der Landesleiter Bergrettungsdienst. Immer wieder komme es auf den Skipisten zu Kollisionen. Ebenso oft passierten aber auch Unfälle mit Skifahrern oder Snowboardern, die „alleinbeteiligt“ stürzen, etwa weil sie sich verkanten, Bodenwellen unterschätzen oder anderes.
Doch zurück zur Kollision auf der Piste – die Frage aller Fragen: Wer ist eigentlich schuld? „Die heilige Schrift“ im Skirecht seien die FIS-Regeln, macht Hierholzer klar. Darin stehe geschrieben, dass immer der, der von hinten beziehungsweise von oben kommt, bei einer Kollision die Schuld trägt. Er müsse sein Tempo so wählen, dass er immer bremsen und anhalten kann, erklärt Hierholzer. Beim Skifahren ist man also nicht zum Schulterblick verpflichtet. Doch ein vorsichtiges, aufmerksames sowie rücksichtsvolles Fahren empfiehlt er allen Wintersportlern.
100 Prozent Ehrenamt
„Unsere Tätigkeit als Bergwacht ist komplett ehrenamtlich“ betont Hierholzer. Die Bergwacht ist in den Wintersportgebieten am Wochenende ehrenamtlich im Einsatz – aber auch im Sommer. Am Feldberg ist dies die Bergwacht Todtnau zusammen mit der Ortsgruppe Freiburg. Unter der Woche sind zehn Hauptamtliche der Skiwacht des Deutschen Skiverbands im Feldberggebiet im Einsatz.
Die Mitgliederzahlen seien gut, Hierholzer spricht von einem guten Zulauf. „Hier und da haben wir Schwächen in der Tagesverfügbarkeit“, sagt er. Dann müssten sich die Ortsgruppen gegenseitig unterstützen. Hier im ländlichen Raum sei es eben so, dass viele zur Arbeit pendeln und die Arbeitsstellen zu weit vom Einsatzgebiet entfernt liegen. Eine Freistellungspflicht für die Arbeitgeber – wie es sie bei der Feuerwehr gibt – gibt es bei der Bergwacht nicht.
Die Finanzierung
Viele Jahre hat die Bergwacht für mehr finanzielle Unterstützung gekämpft und ordentlich Druck gemacht. Dies habe etwas bewirkt und so habe sich die finanzielle Lage in den vergangenen zehn Jahren enorm entwickelt, so Hierholzer. Man werde dreistöckig finanziert: durch Fördergelder des Landes, die Krankenkasse und durch Spenden. Auch die mediale Aufmerksamkeit habe dabei geholfen. Und auch die Krankenkassen haben ihre Einsatzentgelte angepasst. So habe die Bergwacht nun einen „soliden finanziellen Stand“.