In einer WG mit den Mitschülerinnen: Angelina Vital (von links), Selma Izso und Lina Weinrich leben gemeinsam im Internat des Clara-Schumann-Gymnasiums. Foto: Dahms

Im Internat des Clara-Schumann-Gymnasiums leben Jugendliche in ihrer Schule. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichten die Schüler von ihrem Alltag.

Egal ob „Harry Potter“ oder „Hanni und Nanni“: Geschichten aus Internaten sorgen seit Generationen für Spannung – und für Spekulationen, wie das Leben dort wohl wirklich ist. Doch nicht nur in der Fiktion, auch mitten in Lahr wohnen Jugendliche im gleichen Gebäude, in dem sie zur Schule gehen. Das Clara-Schumann-Gymnasium hat schon seit seiner Gründung ein integriertes Internat, das aktuell bis zu 42 Schüler ab der fünften Klasse beherbergen kann.

 

„Früher waren es viel mehr“, berichtet Schulleiterin Ev Tschentschel. „Als ich 1995 angefangen habe, waren noch etwa 90 von 200 Schülern im Internat.“ Ursprünglich sei der Internatstrakt ins Leben gerufen worden, um Familien auf dem Land die Möglichkeit zu bieten, ihre Kinder aufs Gymnasium zu schicken. Inzwischen sei das nur noch einer von mehreren Gründen, wieso Familien das Angebot nutzen.

„Teilweise sind es psychische Schwierigkeiten, die dafür sorgen, dass Jugendlichen die Internatsstruktur guttut“, erklärt Bereichsleiterin Diana Barz. Sie ist Teil der Schulleitung und verantwortlich für das Internat. Zudem haben auch Jugendliche, die von weiter weg kommen, Interesse an dem Musikprofil in Lahr. „Oder aber, die Eltern haben nicht genug Zeit, um die Kinder zu betreuen“, so Barz weiter.

Für 18-Jährige ist um 23 Uhr Sperrstunde

Am Mittwochabend feierte die Gruppe eine Adventsfeier, rund 20 Jugendliche sind gekommen. In Weihnachtspullis gekleidet sitzen sie gemeinsam mit ihren Betreuern sowie Diana Barz und Ev Tschentschel zusammen im Gemeinschaftsraum, verteilen Geschenke, genießen dabei Punsch und Kekse.

Die Stimmung im Internat beschreiben die Schüler als familiär, die Jugendlichen sind in ihrer Gruppe nie auf sich allein gestellt. Rund um die Uhr ist ein Betreuer da. Einer von ihnen ist der Jugend- und Heimbetreuer Jan Binder, der seit Herbst 2023 im Internat arbeitet. „Man unterstützt bei den Hausaufgaben, bei Alltagsproblemen und ist generell Ansprechpartner in allen Lebenslagen“, erzählt er. Viele der Jugendlichen haben Probleme damit, sich zu organisieren, so Binder. Auch dabei erhalten sie im Internat Unterstützung.

An einem gewöhnlichen Schultag gibt es für die Schulbewohner morgens von 7 bis 7.30 Uhr Frühstück, danach gehen sie zur Schule. Das Mittagessen in der Mensa ist für Internatsschüler und alle anderen gleich, erst am Abend sind sie wieder unter sich. Im Anschluss an den Unterricht haben die Internatsschüler 90 Minuten „Studierzeit“, in der sie unter der Aufsicht von Lehrern ihre Hausaufgaben machen oder für anstehende Klassenarbeiten lernen.

Ab 16.30 Uhr haben sie Freizeit, treiben sich in den Lahrer Sport- und Musikvereinen herum oder gehen in die Stadt. Je nach Alter gibt es unterschiedliche Zeiten, zu denen sie wieder zuhause sein müssen, ab 18 Jahren ist die Sperrstunde um 23 Uhr.

„Das nervt schon manchmal, wir sind recht eingeschränkt“, berichtet Schülerin Selma Izso. „Man darf vieles nicht, zum Beispiel Alkohol trinken oder seinen Partner herbringen.“ Die 19-Jährige lebt seit vergangenem Jahr im Internat, ihr Zimmer hat sie mit Lichterketten, Teppichen und einem Spiegel dekoriert.

Jedes zweite Wochenende ist das Internat geschlossen

„Es ist einigermaßen aufgeräumt, halt Internats-aufgeräumt“, merkt sie an. Gemeinsam mit neun anderen bewohnt sie den „Mädchengang“, jede von ihnen hat ihr eigenes Zimmer. „Wenn ich aus meinem Fenster schaue, blicke ich auf den Schulhof“, so Selma.

Die Schüler haben Gemeinschaftsräume, ein Fernsehzimmer, mehrere Bäder, eine Waschmaschine und eine Küche. „Es gibt zwar drei Mal am Tag Essen, aber hier haben sie jederzeit die Möglichkeit, sich nochmal Nudeln zu kochen oder eine Pizza aufzubacken“, erklärt Leiterin Barz. „Gegessen wird hier irgendwie immer.“

Jedes zweite Wochenende hat das Internat geschlossen und die Jugendlichen verbringen Zeit mit ihrer Familie – das dürfen sie aber auch an den übrigen Wochenenden. Einige von ihnen sind über die Jugendhilfe im Internat gelandet, aber auch sie haben Verwandte, die sie an den Wochenenden besuchen können, so Barz.

Das Leben im Internat gefällt einigen so gut, dass sie ihre Freizeit auch gern dort verbringen. „Wenn viele von uns hier sind, wird es nicht langweilig“, erzählt der 13-jährige Paul Jost, der schon seit seinem zehnten Lebensjahr im Internat lebt. „Außerdem ist es wirklich so cool, dass man morgens länger schlafen kann, weil man in der Schule wohnt.“

Die Preise

Die Internatskosten sind nach Einkommen der Eltern gestaffelt, zwischen 650 und 990 Euro zahlen sie für einen Monat. Das macht pro Schuljahr einen Betrag von 7500 bis 11 800 Euro.