Einst herrschte dort reger Betrieb, heute ist nicht mehr als ein Fundament zu sehen: Die Traubenannahmestelle am Ortseingang wurde abgerissen.
Die südliche Ortseinfahrt von Kippenheim präsentiert sich aktuell mit einem Panoramablick auf den Turm der evangelischen Friedenskirche, das imposante Gebäude des ehemaligen Spitals, die Miniatur des Rathauses sowie einem Fernblick auf den Schutterlindenberg – eines der Wahrzeichen der Stadt Lahr. Dem aufmerksamen Betrachter sticht sofort ins Auge: „Hier fehlt doch etwas!?“ Das fehlende Element ist die Traubenannahmestelle der Winzergenossenschaft Kippenheim-Mahlberg-Sulz, das der Abrissbirne zum Opfer gefallen ist.
Dass Kippenheim ein Weinort ist, wird bereits anschaulich durch die zwei Rebmesser kund getan, die das Ortswappen prägen. Die Tradition des Weinbaus geht wohl bis ins Mittelalter zurück. Die Winzergenossenschaft, die sich zum Ziel gemacht hatte, die Trauben der Erzeuger zu vermarkten, datiert bereits auf das Jahr 1930. Im Jahr 1971 schlossen sich die Weinbaugemeinden Mahlberg und Sulz der WG an. Die Trauben wurden zunächst in der Poststraße vor der ehemaligen Synagoge angenommen und gewogen. Gemeinsam wurde dann 1974 in Eigenleistung durch die Winzer die Traubenannahmestelle erbaut.
Im Lauf der Jahre hat das ursprüngliche Gebäude wesentliche Modernisierungen erfahren, um die Prozesse der Traubenannahme effizienter gestalten zu können. Vor zwei Jahren ist ein Neuanstrich erfolgt, bei dem auch die Wandmalerei – die Trauben, das Ortswappen und den Schriftzug der WG – aufgefrischt wurde. In der Kippenheimer Querstraße hat sich der „Weinhof“ der WG als Ladengeschäft, Probier- und Veranstaltungslocation etabliert. Weil es immer weniger Jungwinzer gibt, hat sich die WG im Spätjahr 2025 aufgelöst, der Weinhof wird durch die Winzerfamilie Mauch privat weitergeführt.
„Uns war es wichtig, weiterhin den Wein der Haselstaude anbieten zu können,“ betont Iris Mauch, die den Weinhof leitet. Als Kind sei sie im Herbst immer auf dem Traktor ihres Vaters mit zur Traubenannahmestelle gefahren, durfte später die Bottiche abhängen und hat dann in den vergangenen zehn Jahren die Traubenannahme vom Büro aus abgewickelt. „Es war immer ein reges Treiben auf dem Platz, ein Kommen und Gehen der vollbeladenen Hänger und Traktoren. Der Platz stand voll mit Bottichen und überall wuselten die Winzer und deren Helfer umher. Viele schöne Gespräche wurden abseits des geschäftlichen Geschehens geführt. Man hat sich dort getroffen,“ erinnert sie sich.
Was mit der nun leeren Fläche geschieht, steht derzeit noch offen
Die Traubenannahmestelle vor den Toren Kippenheims – als nunmehr nutzloses Relikt der genossenschaftlichen Eigenvermarktung des Kippenheimer Weines – machte dem demographischen Wandel folgend Platz für eine neue Nutzung der entstandenen Freifläche. „Für die künftige Nutzung des Geländes gibt noch keinerlei Pläne. Die durch den Gemeinderat generell befürworteten Pläne zur Errichtung einer Post-Packstation sind definitiv vom Tisch“, erklärt Bürgermeisters Matthias Gutbrod. Still und ganz ohne Aufsehen ist die Traubenannahmestelle nun Geschichte und momentan ein eingeebneter Fleck vor der Ortseinfahrt von Kippenheim der einer neuen Verwendung entgegen sieht.
Info – Reaktionen im Internet
Ein Foto vom Abriss der Traubenannahmestelle sorgte in den Sozialen Medien bereits für wehmütige Kommentare. So erinnerte sich ein User namens Udo: „In meiner Jugend durften wir die Trauben vor der ehemaligen Synagoge naschen. Das war eine schöne Zeit.“ Marcus bedauert: „Stück für Stück verschwindet die Geschichte.“ Eveline und Doris – beide leben laut eigener Aussage heute in Kanada – schreiben „schade“ und „traurig“. Beide würden einen Teil ihrer Heimat verlieren. „Ich frage mich, warum musste es weg? So was gehört unter Denkmalschutz gestellt“, betont Reinhard, während Thomas schreibt: „Auf jeden Fall war das Gebäude jahrzehntelang prägend an der südlichen Ortseinfahrt.“