Immer einen Schritt schneller waren die Spieler des TSV Frommern in Nagold. Foto: Kraushaar

Favorit Nagold bietet in der zweiten Runde des WFV-Pokals risikolosen Sicherheitsfußball. Das hat Folgen. Die Entscheidung fällt in der Nachspielzeit.

Der VfL Nagold wollte in der Zweitrundenpartie des WFV-Pokals gegen den TSV Frommern die dritte Runde buchen. Der hatte sich in der ersten Runde bei Mitaufsteiger TSF Dornhan in einen regelrechten Torrausch gespielt, wusste aber, dass es in Nagold schwerer werden würde. Der VfL Nagold hatte es in der ersten Runde schwerer gehabt, den Verbandsligisten Pfullingen dank Berk Özhan aber aus dem Rennen gekegelt.

 

Mehr Ballbesitz

Über weite Strecken der Partie hatte Favorit Nagold auch mehr Ballbesitz, aber am Ende stand das unerwartete frühe Aus im WFV-Pokal. Gegen einen über weite Strecken harmlosen Aufsteiger verlor die Elf von Trainer Marcel Schuon ohne große Gegenwehr mit 0:2. Patrick Dolezych zu Beginn der zweiten Halbzeit (52.) und Finn Trickel am Ende der Nachspielphase verdarben dem letztjährigen Landesliga-Vize den eigentlich eingeplanten Einzug in die dritte Runde des WFV-Pokals.

Das türöffnende Tor zur dritten Runde war gleichzeitig eine Bestrafung für einen emotionslosen Breitwand- und Sicherheitsfußball, mit dem die Nagolder meinten, sie könnten dem Landesliga-Neuling beikommen. Der TSV Frommern – ohne seinen Top-Torjäger angereist – nahm die tempolose Einladung herzlich gerne mit einem gut funktionierenden 5-4-1 System an.

Torchancen Mangelware

In Sachen Torchancen herrschte in den Notizblöcken im ersten Abschnitt gähnende Leere. Wie Julian Nagelsmann im EM-Spiel gegen Spanien musste Marcel Schuon seine Aufstellung zur Pause schon korrigieren.

Marcel Schuon muss korrigieren

Jerome Arlt, der als Alternative für Frederic Fleischle in der Viererkette getestet wurde, und Erste-Runde-Siegtorschütze Özhan Berk, der keine Bindung zum Spiel fand, mussten Nico Gaiser und Frederic Fleischle weichen. Während Fleischle wenigstens etwas Bewegung auf die rechte Seite brachte, blieb Nico Gasier den Beweis der Landesligatauglichkeit erst einmal schuldig. Ein Urteil, das er mit Jonny Rothfuß teilen musste, der für Chris Wolfer ins Spiel gekommen war.

Laurenziu Biemel auf sich allein gestellt

Wer Landesliga spielen will, muss sich zeigen, muss anders auftreten, am besten so wie Laurenziu Biemel. Doch wenn die für Jan Beifuß eingewechselte zentrale Spitze in den letzten Minuten zur Attacke rief, waren seine Mitstreiter geistig schon im Rückwärtsgang oder liefen völlig falsch an. „Auch daran werden wir arbeiten müssen“, hatte Marcel Schuon folgerichtig erkannt, „wir werden in der kommenden Runde noch mehr Mannschaften erleben, die ihr Heil in der Defensive suchen.“

So kam es, wie es kommen musste. Der TSV Frommern kam zum Führungstreffer (52.), weil den gerade eingewechselten Patrick Dolezych niemand auf dem Plan hatte. „In der Entstehung ein halbes Eigentor, völlig unnötig. Ich weiß nicht, ob da unser Torwart nicht noch hätte drankommen können“, befand Schuon.

TSV Frommern diszipliniert

Frommern, bis dahin sehr konzentriert und absolut diszipliniert, hielt jetzt auch noch emotional dagegen. Nagold hingegen begriff den Ernst der Lage viel zu spät. Erst zwischen der 81. und 83. Minute ging es im TSV-Strafraum mal mit Tempo und Emotionen zur Sache, das war’s dann aber auch schon. Für den Ausgleich hätte Schiedsrichter Nils Temme an die reguläre Spielzeit wohl noch zwei, drei Halbzeiten dranhängen müssen.

Nicht so aufseiten des TSV Frommern, der in der Nachspielzeit gegen alles oder nichts spielende Nagolder zweimal die Entscheidung auf dem Fuß hatte – und diese in der 95. Minute durch Finn Trickel auch realisierte. „Ein langer Ball, der durchkommt, das ist zu einfach“, kommentierte Schuon den Schuss aus über 20 Metern.

Riesenjubel beim Aufsteiger

Das 2:0 sorgte für Riesenjubel beim Aufsteiger und für betretene Gesichter beim VfL Nagold. Der Landesliga-Vizemeister hatte sich die zweite WFV-Pokalrunde ganz anders vorgestellt.

Das sagen die Trainer

Marcel Schuon (VfL Nagold): „Wir waren nur körperlich, aber nicht gedanklich auf dem Platz. Ich hatte noch gewarnt, dass das heute ein ganz anderes Spiel werden würde gegen einen Gegner, der dann am Ende seinen 5-4-1-Matchplan auch zweikampfstark und stabil stehend konsequent umgesetzt hat. Daran werden wir arbeiten müssen, man hat gesehen dass es noch viel zu tun gibt.“

Jan Dehner (TSV Frommern): „Wir haben den WFV-Pokal in der Vorbereitung nicht so hoch gehängt, wir haben andere Ziele und sind deswegen etwas defensiver gestartet, aber den Erfolg nehmen wir natürlich gerne mit. Nagold hatte sicherlich mehr Ballbesitz, aber wir die besseren Möglichkeiten. Unser Plan ist zu 100 Prozent aufgegangen, der Einzug in die dritte Runde ist nicht unverdient.“

VfL Nagold – TSV Frommern 0:2 (0:0)

VfL Nagold: Laurent Bajraktari (Tor) – Jerome Arlt (46.Frederic Fleischle), Marc Rück, Nick Schweizer, Perparim Halimi, Burak Tastan, Johannes Fleischle, Elis Bürkle, Chris Wolfer (61. Jonny Rothfuß), Özhan Berk (46. Nico Gaiser), Jan Beifuß (61. Laurenziu Biemel), Johannes Fleischle.

TSV Frommern: Daniel Mau (Tor) – Armando Felipe Konz, Andreas Schmidtke (46. Finn Trickel), Arthur Albert, Enrico Varutti, Andreas Holz, Robin Martaler (67. Marvin Wiedmann), Armin Holz, Robin Martaler, Fatih Ezgin (67. Tim Staiger), Daniel Zobel (51. Patrick Dolezych/80. Kevin Martin).

Tore: 0:1 Patrick Dolezych (52.), 0:2 Finn Trickel (90.+5.).

Schiedsrichter: Nils Temme (Belsen) – Tom Kreibich, Maik Lehmann.

Zuschauer: 150.