Am Samstag durften die Balinger Spieler mit dem 1:0 gegen den FC Homburg endlich wieder ein Erfolgserlebnis bejubeln. Einen Sieg streben die Eyachstädter auch heute Abend im WFV-Pokal bei den Stuttgarter Kickers an. Foto: Kara

"Finale dahoam" oder erneuter Einzug ins Endspiel des WFV-Pokals? Diese Frage wird am Dienstagabend um 19 Uhr im Halbfinale des Wettbewerbs zwischen Oberligist SV Stuttgarter Kickers und Regionalligist TSG Balingen beantwortet.

Der zweite Teilnehmer für das Endspiel, das am 29. Mai, im Rahmen des Finaltags der Amateure im Stuttgarter Gazi-Stadion stattfinden soll, steht bereits fest: Titelverteidiger SSV Ulm erreichte kampflos das Finale, nachdem die beiden möglichen Halbfinalgegner, die Oberligisten FSV Bissingen und SSV Reutlingen, sich aus dem Pokalwettbewerb zurückgezogen hatten, nach dem die Saisonin der Oberliga Baden-Württemberg aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgebrochen und annulliert worden war. Denn beide Mannschaften hat als Amateurvereine nicht die Gelegenheit, regelmäßig zu trainieren.

Anders verhält es sich beim Ligakonkurrenten des Duos, den Stuttgarter Kickers. Die "Blauen", die bei Abbruch der Rang zwei in der Oberliga Badeb-Württemberg belegten, durften aufgrund einer Sondergenehmigung der Stadt Stuttgart regelmäßig trainieren. So fiel den Verantwortlichen die Entscheidung leicht, sich für eine Austragung des Halbfinals gegen die TSG Balingen zu entscheiden.

Kickers sammeln in Tests Spielpraxis

Um Spielpraxis für das Halbfinalduell zu sammeln – das letzte Pflichtspiel der Kickers liegt schon über ein halbes Jahr zurück – bestritt das Team von Trainer Ramon Gehrmann drei Testspiele, die "Blauen" allesamt gewannen: Einen 2:1-Erfolg gegen die Bundesliga-A-Junioren des VfB Stuttgart, die vom ehemaligen Balinger Spieler und Trainer Nico Willig trainiert werden, ließen die Kickers einen 3:0-Sieg gegen den bayerischen Regionalligisten Viktoria Aschaffenburg sowie ein 1:0 gegen Bayernligisten FC Ingolstadt II folgen. "In dieser kurzen Vorbereitungszeit hat die Mannschaft voll mitgezogen. Ich konnte mir einen guten Überblick über die einzelnen Spieler verschaffen und bin auf die geleistete Arbeit meiner Mannschaft stolz. Wir werden uns nun komplett auf das Pokalspiel konzentrieren und freuen uns auf das Spiel", bilanzierte Trainer Gehrmann.

Die Favoritenrolle schreiben die Degerlocher aber dem Regionalligisten von der Schwäbischen Alb zu. "Die Balinger sind absoluter Favorit. Mit 37 Spieltagen, die sie bereits absolviert haben, sind sie im vollen Spielrhythmus. Wir wollen dafür für unsere Fans, Partner und Sponsoren bis zum Schluss für den Erfolg kämpfen. Wir haben schwierige Saison hinter uns, aber wir wurden immer von unseren Fans und Partnern unterstützt. Daher werden wir auf dem Platz alles geben, um das Spiel zu gewinnen", kündigt Lutz Siebrecht, der sportliche Leiter der Stuttgarter Kickers an.

Was wird also wohl der entscheidende Faktor sein im Halbfinale? Körperliche Frische, aber nur wenig Spielpraxis, wie bei den Kickers? Oder ein eingespieltes Team, das aber nach einer kräftezehrenden Saison mit insgesamt 42 Pflichtspielen in Liga und Pokal schwere Beine und auch zahlreiche Verletzte hat, wie bei der TSG Balingen?

Routine oder Frische – was gibt den Ausschlag?

Der Balinger Cheftrainer Martin Braun sieht deshalb auch die Chancen für seine Mannschaft, nach der Vorsaison erneut das Endspiel zu erreichen – dort gab es eine 0:3-Niederlage gegen Ligakonkurrent SSV Ulm – bei 50:50.

"Die Belastung für uns war schon extrem", gibt der 52-Jährige zu bedenken. Dies zeigte sich auch an den Ergebnissen der Eyachstädter zuletzt in der Regionalliga Südwest, die aufgrund der vielen Spiele und auch zahlreichen Verletzungen von Leistungsträgern eine Durststrecke zu überwinden hatten.

Glücklicherweise gelang der TSG am vergangenen Samstag mit dem 1:0 (1:0)-Erfolg gegen den FC Homburg nach sechs sieglosen Spielen endlich wieder ein Dreier. Für den entscheidenden Treffer sorgte Felix Heim kurz vor der Halbzeit.

"Wir haben für unsere Möglichkeiten ein gutes spiel gemacht, vor allem defensiv", sagt Braun, der gegen den Ex-Bundesligisten einige Akteure aufbot, die davor nicht so viel Spielpraxis erhalten hatten, und dafür auf Leistungsträger wie Lukas Foelsch oder Marc Pettenkofer verzichtete, um diesen Zeit zur Erholung zu geben. " Die Jungs haben ihre Sache nach zum Teil langen Verletzungspausen sehr gut gemacht und gezeigt, dass man auf sie bauen kann. Die Partie hat auch gezeigt, dass wir auf dem Weg der Besserung sind und körperlich auch wieder in einer ordentlichen Verfassung.Es war gut, mal wieder ein positives Erlebnis zu haben. Das gibt meiner Mannschaft auch ein gutes Gefühl bei der Vorbereitung auf das Spiel gegen die Kickers", so der TSG-Cheftrainer weiter. Nicht in die Karten blicken ließ sich der ehemalige Bundesligaprofi, wen er heute Abend im Gazi-Stadion ins Rennen schicken wird. "Bis auf die langzeitverletzten Spieler stehen mir die Anderen alle zur Verfügung, und diese werden auch alle mitfahren", so Braun, "Nach dem wir uns eingehend mit dem Gegner und seiner Spielweise beschäftigt haben, werde ich dann entscheiden, wer von Beginn an auflaufen wird."

Trainer Braun sieht die Chancen bei 50:50

Wichtig, so der 52-Jährige, sei auf alle Fälle wieder eine gute Defensivleistung seiner Mannschaft. "Denn die Kickers haben in der Offensive viel Qualität." Und die fehlende Spielpraxis des Gegner sieht Braun nicht als Vorteil für seine Mannschaft. "Die Freude, endlich wieder Fußball spielen zu dürfen, kann den Kickers zusätzliche Motivation verleihen." An Motivation wird es den Balinger Spielern aber auch nicht mangeln. "Ich bin mir sicher, dass die Jungs heiß sind und alles geben werden, um erneut das Endspiel zu erreichen. Am Ende können Kleinigkeiten den Ausschlag geben, diese wollen wir richtig machen", sagt Braun.

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